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Brustkrebs: Was kann ich selbst tun?

Wie können Frauen mit Brustkrebs die medizinische Behandlung durch zusätzliche Maßnahmen unterstützen? Dr. Jutta Hübner vom Universitätsklinikum in Frankfurt am Main antwortet auf Fragen zur komplementären Onkologie


Unsere Expertin: Dr. Jutta Hübner ist Leiterin der Palliativmedizin, der komplementären und supportiven Onkologie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main

Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, suchen ergänzende Methoden zu schulmedizinischen Therapien. In diesem Zusammenhang ist oft die Rede von komplementärer Onkologie. Was genau verstehen Sie darunter, Frau Dr. Hübner?

Für mich ist das eine begleitende Therapie, die häufig aus der Naturheilkunde oder Erfahrungsmedizin stammt. Krebskranke Menschen wenden sie zumeist in Eigenregie an. Bei diesen Mitteln und Verfahren haben wir noch nicht die Qualität an Wissen aus Studien, wie sie uns bei den herkömmlichen Therapien vorliegen.

Was erwarten Frauen, wenn sie zu Ihnen kommen?

Viele möchten sich eingehend über komplementäre Medizin informieren, weil sie mitbekommen haben, dass das Thema der ergänzenden Therapien unter Ärzten umstritten ist. Andere erkundigen sich über ein bestimmtes Verfahren, beispielsweise die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Und eine große Anzahl von Frauen will einfach für ihre Gesundheit aktiv werden. Sie fragen: Was kann ich selbst tun?


Was antworten Sie darauf?

Das kommt ganz auf die Situation der Frau an. Welche Beschwerden und Symptome sind bei ihr durch die geplante oder begonnene Therapie zu erwarten oder bereits aufgetreten? Das Entscheidende ist, dass meine Empfehlungen sehr gut auf die eigentliche Therapie abgestimmt sein müssen, um zu vermeiden, dass Wechselwirkungen auftreten und die Wirkung von Medikamenten abschwächt wird.

Welche Probleme können denn auftreten?

Die Extrakte des Johanniskrauts etwa –  ein gutes Mittel gegen leichte und mittelschwere Depressionen – regen den Enzymstoffwechsel enorm an. Nimmt die Patientin zur gleichen Zeit weitere Medikamente ein, baut der Körper sie schneller ab. Dann verweilt beispielsweise ein Krebsmittel kürzer im Organismus und verliert dadurch einen Teil seiner Kraft.

Auch die zusätzliche Einnahme von Antioxidanzien wie Vitamin C sehen wir sehr kritisch. Möglicherweise können diese Substanzen die Wirkung einer Chemo- und Strahlentherapie mindern. Das gilt jedoch nicht für Vitamine aus frischem Obst und Gemüse.

Das hört sich ja kompliziert an. Gibt es auch positive Beispiele?

Ja. Während der Chemotherapie leiden Patientinnen oft unter Übelkeit. Da kann Ingwer aus der Phytotherapie sehr gut helfen. Ein häufiges Thema in unserer Ambulanz sind Muskel- und Gelenkbeschwerden wie sie bei einer  Brustkrebstherapie mit hormonunterdrückenden Medikamenten auftreten. Sport kann diese Probleme sehr gut bessern.

Es gibt auch Daten, die dafür sprechen, dass Vitamin D hilft. Diese Substanz sollten Frauen aber nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen. Bei Hitzewallungen können Patientinnen versuchen, die Beschwerden mit Traubensilberkerze zu mildern. Und Aromaöle wirken unter anderem entspannend, stimmungsaufhellend und anregend. Die komplementäre Onkologie ist ein sehr weites Feld.

Die Misteltherapie ist umstritten. Was halten Sie davon?

Ich empfehle sie nicht, weil mir die im Moment vorhandenen Daten nicht ausreichen. Möchte eine Patientin gerne Mistel nehmen, kann ich sie über die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren. In einigen Fällen, wie zum Beispiel bei Leukämien und Lymphomen, sollte eine Misteltherapie nicht angewendet werden. Bei Patientinnen, die nach einer Chemotherapie dann einen Versuch mit einer Misteltherapie machen möchten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, spricht meist nichts dagegen.

Über welche nichtstofflichen Therapien informieren Sie?

Da gibt es ein Vielzahl. Mit der Akupressur etwa – auch als Druckpunktmassage bekannt – kann die Patientin selbst etwas für ihr Wohlbefinden tun. Bei der Akupunktur aus der TCM setzt der Arzt Nadeln an bestimmte Körperstellen der Patientin. Dabei muss der Arzt wissen, dass er einen Arm, bei dem Lymphknoten aus der Achsel entnommen wurden, nicht behandeln darf. Denn sonst besteht die Gefahr, dass die Patientin ein Lymphödem entwickelt. Darüber hinaus gibt es Anwendungen unter anderem aus der indischen Volksmedizin Ayurveda und der tibetischen Medizin

Wie erfolgversprechend sind Entspannungsverfahren?

Für den Erfolg der Entspannungsverfahren wie autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und Meditation gibt es sehr gute Nachweise. Bei den Amerikanern gehören diese Methoden zur komplementären Therapie, bei uns in in den Bereich Psychoonkologie.

In welchen weiteren Bereichen gibt es ähnlich gute Daten?

Eine gesunde Ernährung, Bewegung und Sport bilden die Basis der Naturheilkunde. Dazu gibt es exzellente Studien.

Wichtig bei der Ernährung: Frauen sollten keine spezifischen Krebsdiäten machen, sondern viel Obst und Gemüse essen, dazu Vollkornprodukte und mehr pflanzliche als tierische Fette. Gerade die Omega-3-Fettsäuren von Fischen sind besonders wertvoll. Während einer Chemotherapie etwa vertragen Patientinnen jedoch Vollkornnahrungsmittel, Salat und Bohnen schlechter. Da geben wir spezielle Empfehlungen.

Zum Sport: Wir raten Frauen, mindestens viermal die Woche eine Dreiviertelstunde lang Ausdauertraining zu treiben – also Walken, Schwimmen, Radfahren. Tanzen gilt auch.



Interview: Christine Wolfrum, www.apotheken-umschau.de; 07.10.2010, aktualisiert am 19.10.2010
Bildnachweis: W&B/Bert Bostelmann

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