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Schmerzende Brüste (Mastodynie): zyklusabhängige Ursachen

Ein Viertel bis zur Hälfte der gebärfähigen Frauen in der westlichen Welt haben regelmäßig Brustspannen und andere Beschwerden vor der Regelblutung – Tendenz ab 30 zunehmend


Zyklusabhängige Brustschmerzen kommen häufig beim prämenstruellen Syndrom (PMS) vor

Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten – das kommt und geht häufig mit dem Verlauf des Zyklus. Am stärksten sind die Beschwerden kurz vor der Menstruation. Auch psychische Faktoren und homonelle Störungen spielen eine Rolle.

Zyklische Mastodynie – PMS – PMDS

Als Auslöser zyklusabhängiger Brustschmerzen und anderer Befindensstörungen in der zweiten Zyklushälfte gelten die hormonellen Schwankungen – weniger die Hormone selbst –, und damit verbundene Wirkungen im Körper.

Bei etwa einem Viertel der Patientinnen steigern sich die Beschwerden zum sogenannten prämenstruellen Syndrom (PMS), bei dem Brustspannen schon Tage vor der Menstruation auftritt und neben anderen Beschwerden zu den Leitsymptomen gehört. Wenn die psychischen Beschwerden im Rahmen eines PMS so ausgeprägt sind, dass das Alltagsleben und die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen darunter leiden, sprechen Ärzte von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS). Dabei ist offenbar das Zusammenspiel von Hormonen und Botenstoffen im Gehirn vorübergehend beeinträchtigt, was Mediziner als  sogenannte psychoendokrine Störung bezeichnen.

Außerdem kann eine latente (mäßige) oder gelegentliche (intermittierende) Hyperprolaktinämie eine Rolle spielen – mit und ohne PMS. Möglich ist auch eine erhöhte Empfindlichkeit des Brustdrüsengewebes auf Prolaktin bei normalen Blutspiegeln. Eine nachgewiesene, manifeste Hyperprolaktinämie kann sich teilweise mit Beschwerden wie bei PMS äußern. Leitsymptome wie Zykusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Regel (Amenorrhö), Unfruchtbarkeit, oft auch milchige Absonderungen aus der Brust weisen jedoch in Richtung eines eigenständigen Krankheitsbildes.


Weitere Symptome bei PMS: Hautveränderungen im Sinne einer Akne, Schwellungen nicht nur der Brüste, sondern auch der Hände und Füße sowie – durch die verbreitete Wassereinlagerung im Körper – ein Gefühl des Aufgeschwemmtseins und Gewichtszunahme. Hinzukommen eventuell Kopf- und Gelenkschmerzen, Kreislaufstörungen, vermehrte Neigung zu Migräne und Asthma, Schlafstörungen, psychische Beeinträchtigungen wie depressive Störungen, verändertes Essverhalten.

Diagnose: Der Frauenarzt stellt die Diagnose vor allem anhand des Beschwerdebildes, einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls einer Hormonanalyse. Hilfreich kann darüber hinaus ein Tagebuch sein, ein „PMS- oder Regelkalender“, in den die Betroffenen über eine bestimmte Zeit hinweg Angaben zum Verlauf des Monatszyklus und der Regelblutung, zu aufgetretenen Symptomen und den Alltagsaktivitäten eintragen.

Therapie: Da die Ursachen im Einzelnen nicht genau bekannt sind, werden bei milden Formen symptomatische Behandlungswege empfohlen. Dies beginnt mit einer Umstellung der Lebensweise. Wer dazu übergeht, mehrmals in der Woche mindestens 30 Minuten körperlich aktiv zu sein, wird sich schon bald wohler fühlen, auch psychisch. Das Problem besteht manchmal vor allem darin, den entsprechenden Antrieb zu finden. Sprechen Sie dann mit Ihrem Arzt darüber und sagen Sie ihm, wo es „hakt“. Möglicherweise kann eine medikamentöse Therapie (siehe unten) den Neuanfang erleichtern. Gezielte sportliche Aktivität ist jedenfalls immer günstig, von Schwimmen bis zu Walken oder Radfahren. Ab 35 wird empfohlen, vor Beginn der sportlichen Betätigung einen Herz-Kreislauf-Check-up durchführen zu lassen.

Viele Frauen berichten auch über positive Wirkungen einer veränderten Ernährung. Sie reduzieren den Fett- und Zuckeranteil, tauschen tierische Fette vermehrt gegen bestimmte, hochwertige pflanzliche aus (zum Beispiel Olivenöl aus der ersten Kaltpressung („natives Öl extra“, Leinöl oder Nussöl), verzehren deutlich mehr frisches Gemüse und Obst, vermeiden nicht nur Alkohol, sondern auch Kaffee, Schokolade und tein- bzw. koffeinhaltige Tees. Hintergrund ist, dass die zuletzt genannten Produkte Methylxanthine enthalten, welche Brustschwellungen ungünstig beeinflussen könnten.

Psychologische Entspannungstechniken, Verbesserung der Schlafgewohnheiten, schließlich verschiedene pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer (Agnus castus) oder Johanniskraut (Hypericum) tragen ebenfalls oft dazu bei, das Befinden zu verbessern.

Der aktiv geführte Regel- oder PMS-Kalender (siehe oben) kann auch deshalb praktisch sein, weil er oft Hinweise gibt, welche Maßnahmen sich günstig auf das Befinden auswirken.

Kurzfristig kann bei stärkerem Brustspannen auch ein Schmerzmittel der Art eines nicht steroidalen Antirheumatikums eingesetzt werden. Zum Beispiel gibt es den Wirkstoff Ibuprofen in einer Dosis bis 400 mg pro Tablette rezeptfrei in der Apotheke. Es empfiehlt sich aber immer, sich zuvor mit dem Frauenarzt abzustimmen. Manchmal wird auch Vitamin B6 empfohlen – unter der Annahme, dass ein gewisser Mangel an diesem Vitamin vorliegt, der über die Nahrung nicht ausreichend gedeckt wird. Auch hier ist der Frauenarzt der richtige Ansprechpartner. Eventuell kommt auch ein wassertreibendes Medikament, ein Diuretikum, oder Spironolakton infrage. Sowohl das Diuretikum als auch Spironolakton muss der Arzt verordnen. Die Medikamente können manchmal allerdings selbst Brustspannen verursachen oder andere Nebenwirkungen haben. Letzteres gilt natürlich auch für nicht steroidale Antirheumatika.

Bei PMS bzw. PDMS mit starken psychischen Beeinträchtigungen, die möglicherweise nicht auf die lebensstilbezogenen Umstellungen ansprechen, kann eine Psychotherapie und / oder ein Medikament gegen Depressionen, ein Antidepressivum, helfen. Der betreuende Frauenarzt wird die Betroffenen zur genauen Diagnostik und Behandlung an einen Facharzt für Psychiatrie überweisen.

Falls aber die körperlichen Symptome, allen voran das Brustspannen, eindeutig im Vordergrund stehen, kann ein geeignetes hormonelles Verhütungsmittel das Beschwerdebild lindern. Dies bietet sich an, wenn die Frau gleichzeitig verhüten möchte. Hier ist wiederum der Frauenarzt gefragt, für jede Betroffene das Richtige herauszufiltern, denn Brustspannen kann unter einer Hormonbehandlung auch zunehmen, vor allem zu Beginn der Einnahme. Neuere Anwendungsformen moderner Präparate, zum Beispiel das Langzyklus-Schema, können sich hier bewähren. Manchmal empfiehlt der Frauenarzt auch eine kurzfristige örtliche Behandlung, zum Beispiel mit Progesteron-Gel in der zweiten Zyklushälfte. Bei ausgeprägten Schmerzen in der Brust kann die Therapie mit einem sogenannten Dopaminagonisten erwogen werden. Haupteinsatzgebiet dieser Medikamente ist jedoch eine manifeste Hyperprolaktinämie (siehe weiter unten). Diese kann wiederum viele verschiedene Ursachen haben und unter anderem Brustentzündungen außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit auslösen (mehr dazu im Kapitel „Zyklusunabhängig").

Gestörte Balance der weiblichen Sexualhormone

Ungleichgewichte zwischen Östrogenen und Gestagenen können neben Brustschmerzen auch Symptome wie Zyklus- und Blutungsstörungen verursachen.

Ein Beispiel für entsprechende Störungen ist die Gelbkörperschwäche (Lutealinsuffizienz). Der Gelbkörper geht nach dem Eisprung aus dem Eibläschen im Eierstock hervor. Er bildet Östrogene und das Gelbkörperhormon Progesteron, ein maßgebliches körpereigenes Gestagen. Bei Gelbkörperschwäche kann die zweite Zyklusphase verkürzt sein. Es kommt  zu einem relativen Mangel an Gelbkörperhormon und zu einem relativen Östrogenüberschuss. Die Veränderungen treten häufiger in der Perimenopause auf, in etwa den zehn letzten Jahren vor den Wechseljahren (siehe auch im Beitrag „Blutungen außerhalb der Regel“), sind aber insgesamt eher selten. Hier kann das Hormon Prolaktin aus der Hirnanhangsdrüse (mehr dazu weiter unten) ebenfalls eine Rolle spielen.

Symptome: Es kommt zum prämenstruellen Syndrom mit entsprechend starken Beschwerden vor der Monatsblutung, die auch den Charakter einer Schmierblutung annehmen kann. Gleichzeitig können Zyklusstörungen mit verkürzter Perioden von unter 25 Tagen (Polymenorrhö) vorliegen. Falls jedoch im Zuge einer verzögerten Follikelreifung die erste Zyklusphase verlängert ist, kann die Gesamtdauer des Zyklus normal sein. Jedoch sind aufgrund des Östrogenüberschusses unter anderem Brustbeschwerden möglich. Gelbkörperschwäche  kann auch Ursache ungewollter Kinderlosigkeit sein.

Diagnose: Sie richtet sich nach dem Beschwerdebild. Dabei kommt es darauf an, ob die Betroffenen auch an Zyklusstörungen oder ungewollter Kinderlosigkeit leiden. Ein klassisches Diagnoseinstrument ist die Basaltemperaturkurve. Sie kann erkennen helfen, wie lange die Zyklusphasen dauern und ob Eisprünge aufgetreten sind. Die Frauen registrieren ihre Körpertemperatur morgens vor dem Aufstehen. Die Werte können in entsprechende Kurvenblätter eingetragen werden. Die Kurve wird gebildet, indem man die einzelnen Messwerte miteinander verbindet. Ein bis zwei Tage nach dem Eisprung steigt die Körpertemperatur um etwa 0,4 Grad Celsius an, ein Effekt des Progesterons. Sie bleibt bis kurz vor der nächsten Regelblutung erhöht. Es gibt auch spezielle digitale „Frauenthermometer“, die die Messwerte und andere eingegebene Daten über mehrere Zyklen speichern. Die Daten können auf einen PC übertragen werden. Bei Bedarf lässt der Frauenarzt Progesteron im Blut nach dem Eisprung, eventuell auch weitere Hormone wie beispielsweise Prolaktin, bestimmen. Er wird außerdem die Höhe der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) mittels Ultraschall messen. Bei unerfülltem Kinderwunsch können gezielte Untersuchungen durchgeführt werden, um anschließend eventuell eine Fruchtbarkeitsbehandlung einzuleiten. Auf Fruchtbarkeitsstörungen bei der Frau spezialisierte Gynäkologen nennen sich Fertilitätsmediziner oder Fachärzte für gynäkologische Endokrinologie.

Therapie: Zur Unterstützung der Gelbkörperphase kann der Arzt Gelbkörperhormon, ein Progesteronpräparat, verordnen. Im Rahmen der Fruchtbarkeitsbehandlung wird bei entsprechender Indikation unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle das Medikament Clomifen gegeben. Es kann über eine Anregung der Hirnanhangsdrüse Eisprünge auslösen. Zur Therapie bei erhöhtem Prolaktinspiegel siehe unten.

Eine andere Form der Hormonstörung liegt vor, wenn der Eisprung ausbleibt, das Eibläschen – der Follikel – fortbesteht (Follikelpersistenz) und wochenlang Östrogene bildet. Der Gelbkörper kann sich dann nicht entwickeln. Die eigentliche Regelblutung bleibt aus. Die Gebärmutterschleimhaut wächst heran, wird aber nicht umgebaut, wie es unter normalem Progesteroneinfluss der Fall wäre. Schließlich kommt es zur Dauerblutung. Diese sogenannte „dysfunktionelle Blutung“ ist aber gegenüber dem dabei auch möglichen Brustspannen das bei weitem bedeutendere Symptom, sodass diese Zyklusstörung hier nicht weiter vertieft wird.

Hyperprolaktinämie: Ein für die Brustdrüse ebenfalls relevantes Hormon ist das zuvor schon mehrfach genannte Prolaktin. Es wird von der Hirnanhangsdrüse ausgeschüttet – für die Fruchtbarkeit bei Frau und Mann genügen „Spuren“ davon.

Frauen haben in der fruchtbaren Lebensphase etwas höhere Prolaktinwerte als Männer. Ein Zuviel des Hormons heißt Hyperprolaktinämie. Das Prolaktin-System kann über Mechanismen der Hirnanhangsdrüse auch die Funktion der Keimdrüsen, also der Eierstöcke und Hoden, stören.

Als eine der möglichen Ursachen von zyklisch auftretendem Brustspannen kommt, wie zuvor schon erläutert, mitunter eine latente (mäßige) oder vorübergehende (intermittierende) Hyperprolaktinämie infrage. Denkbar ist aber auch eine erhöhte Empfindlichkeit des Brustdrüsengewebes auf in normaler Menge vorhandenes Prolaktin. Wenn eine Frau „nur“ unter Mastodynie leidet, ist es in der Regel nicht nötig, Prolaktin zu messen.
Die Hyperprolaktinämie kann wiederum zahlreiche Ursachen haben, darunter körperlicher oder psychischer Stress, bestimmte Schlafphasen (siehe „Diagnose“), Manipulationen an der Brustwarze, Orgasmus, Schilddrüsenunterfunktion, bestimmte Medikamente (darunter einige Psychopharmaka, Opiate und Kalziumantagonisten) oder ein Tumor der Hirnanhangsdrüse, zum Beispiel ein Prolaktinom. Brustspannen oder -schmerzhaftigkeit sind bei manifester Hyperprolaktinämie keine Leitsymptome, da andere Beschwerden in den Vordergrund rücken. Das Krankheitsbild wird dennoch kurz erläutert, weil die Mastodynie oft damit in Verbindung gebracht wird. Bei Männern führt eine Hyperprolaktinämie zu  Sexualhormonmangel und damit verbundenen Veränderungen (Hypogonadismus, siehe Kapitel „Bei Männern“). Seltener treten Absonderungen aus den (vergrößerten) Brüsten auf.
Weitere Ursachen der Hyperprolaktinämie sind ein gestörter Stoffwechsel infolge chronischer Leberschädigung, durch verringerte Ausscheidung bei Nierenschwäche oder als Folge von Verletzungen der Brustwand.

Symptome: Bei Frauen, die einen erhöhten Prolaktinspiegel haben, kommt es häufig zu milchigen Absonderungen aus der Brust (Brustmilchfluss, Galaktorrhö), ohne dass die Betroffenen schwanger sind oder stillen. Es kann aber auch eine Hyperprolaktinämie ohne Galaktorrhö vorliegen, oder Letztere tritt nicht spontan, sondern nur nach Druck auf eine oder beide Brustwarzen auf. Eine maßgebliche Erhöhung des Prolaktinspiegels, also eine manifeste Hyperprolaktinämie, führt in achtzig Prozent der Fälle zu Galaktorrhö. Vor allem ist sie aber mit Zyklusstörungen bis hin zum Ausbleiben der Regel (Amenorrhö) und Unfruchtbarkeit, eventuell auch mit weiteren körperlichen Symptomen, zum Beispiel Sehstörungen oder Kopfschmerzen, verbunden (auch Männer können bei Hyperprolaktinämie unter Unfruchtbarkeit leiden.

Diagnose: Grundsätzliches dazu unter „Diagnose“ in diesem Beitrag. Bei Verdacht auf eine maßgebliche Hyperprolaktinämie wird der Blutspiegel von Prolaktin bestimmt. Die Prolaktin-Ausschüttung unterliegt einem festen Zeittakt, mit Spitzenwerten im Schlaf (sogenannter REM-Schlaf, mehr zu REM im Beitrag „Schlafstörungen“). Die höchsten Blutspiegel fallen in die frühen Morgenstunden zwischen vier und sechs Uhr. Daher wird bei die Blutabnahme frühestens eine bis zwei Stunden nach dem Aufstehen vorgenommen. Wegen der häufigen Schwankungen sind mehrere Messungen, mindestens zwei, nötig. Normalwert: Bei Frauen 10 bis 25 Nanogramm / Milliliter, bei Männern: 10 bis 20 Nanogramm / Milliliter (manchmal werden diese Werte auch mit den Maßeinheiten Mikrogramm / Liter angegeben). Prolaktinspiegel im Bereich von 25 bis 200 Nanogramm / Milliliter werden nachkontrolliert. Werte über 200 Nanogramm / Milliliter können auf eine prolaktinbildende Geschwulst der Hirnanhangsdrüse (Prolaktinom) oder eine sich ähnlich auswirkende, andere Gehirngeschwulst hinweisen. Genauere Informationen liefert ein bildgebendes Verfahren, zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT) der Hirnanhangsdrüse. Bei Sehstörungen ist immer auch der Augenarzt gefragt. Außerdem muss bei jeder krankhaften Sekretion aus der Brustwarze – mit und ohne Schmerzen – auch die Brust selbst abgeklärt werden –, insbesondere wenn das Symptom nur auf einer Seite bemerkt wird und sich hinsichtlich Prolaktin keine krankhaften Veränderungen ergeben. Wichtig zu wissen ist, dass auch gutartige Brusterkrankungen mit Schmerzen, Geschwulstbildung und Absonderungen, aus der Brustwarze, sogar blutigen, einhergehen können. Die Diagnose stützt sich dann auf eine Analyse der Flüssigkeit und eine Röntgenuntersuchung (Mammografie) der Brust, eventuell ergänzt durch eine Röntgen-Kontrastdarstellung des verantwortlichen Milchgangs. Meistens wird auch eine Ultraschalluntersuchung (Mamma-Sonografie) durchgeführt. Gegebenenfalls schließt sich die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) zur feingeweblichen Untersuchung an.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen der Erkrankung, ihrer Ausprägung, den Begleitumständen (siehe auch Abschnitt „PMS“ weiter oben). Bei einem Tumor der HIrnanhangsdrüse mit Hyperprolaktinämie kommen verschiedene Behandlungswege in Betracht. Ziel ist, die Therapie möglichst gut mit dem individuellen Befund, dem Risikoprofil und den Bedürfnissen der Betroffenen in Einklang zu bringen. Häufig werden Prolaktinhemmer eingesetzt. Die Dosis dieser Medikamente wird der behandelnde Arzt, ein auf diesem Gebiet erfahrener Facharzt für gynäkologische Endokrinologie, behutsam austarieren. Die Prolaktinhemmer (Bromocriptin, Cabergolin und andere) wirken dopaminähnlich. Daher heißen sie auch Dopaminagonisten. Den Prolaktinspiegel erhöhende Tumoren der Hirnanhangsdrüse können sie verkleinern. Die Behandlung, die meistens lange Zeit fortgeführt werden muss, hilft oft eine Operation zu vermeiden. Andererseits kann der Tumor mit der Zeit größer werden. Dann kann er zu Komplikationen führen, zum Beispiel Sehstörungen in Form von Gesichtfeldausfällen, die Operation kann aufwendiger werden. Daher ist ein früherer Eingriff manchmal vorteilhaft. Dabei bietet sich womöglich auch eine mikrochirurgische Operationstechnik an, bei der sich der Neurochirurg einen Zugang über die Nebenhöhlen verschafft. Plant eine Patientin mit Prolaktinom eine Schwangerschaft, sollte die Geschwulst eventuell vorher entfernt werden, da der Tumor während der Schwangerschaft wachsen kann. Inwieweit welcher Dopaminagonist ohne Beeinträchtigung des Ungeborenen in der Schwangerschaft eingenommen werden kann, ist nicht genau bekannt. Auch wenn ein Dopaminagonist schlecht vertragen wird, wenn bereits Sehstörungen durch den Tumor bestehen, diese rasch zunehmen oder nicht innerhalb von ein bis drei Monaten auf die Medikamentenbehandlung ansprechen, ist eine Operation notwendig. Falls der Tumor fortschreitet oder nach der Operation wiederkehrt, kann er auch strahlentherapeutisch versorgt werden. Hier gibt es verschiedene Techniken bis hin zum Gamma-Knife, ein sogenanntes radiochirurgisches Verfahren.
Zur Behandlung von Brusttumoren siehe Knoten in der Brust und Brustkrebs.


Fibrozystische Mastopathie

Mastopathie bedeutet „Brustleiden“. Bei einer fibrozystischen Mastopathie vermehrt sich zum einen das Bindegewebe in der Brust, es nimmt einen derben, narbenähnlichen Charakter an (Fibrose). Zum anderen bilden sich Zysten. Das sind flüssigkeitshaltige Bläschen im Gewebe, die erweiterten Endstücken der Milchgänge entsprechen. Die Zysten können manchmal als Knoten tastbar sein.

Wenn auch das Gewebe der Drüsenläppchen zunimmt, vergrößern sie sich insgesamt (Adenose). Die Tendenz zur Vermehrung der Drüsenzellen selbst – entweder im Bereich der Milchgänge oder aber der Drüsenläppchen – wird Hyperplasie genannt. Ärzte unterscheiden feingeweblich drei Schweregrade der Mastopathie. Grad I entspricht der einfachen fibrozystischen Form. Grad II enthält vermehrt Hyperplasien von Drüsenzellen. Beim Grad III hat sich mit der Hyperplasie auch ein Wandel im Zellbild vollzogen: Es sind sogenannte atypische Hyperplasien entstanden, das heißt, die neu gebildeten Drüsenzellen haben ihren „Charakter“ deutlich verändert.

Der fibrozystische „Umbau“ betrifft in der Regel beide Brüste. In der zweiten Zyklushälfte, also in der Zeit zwischen dem Eisprung und der Monatsblutung, sind die Veränderungen ausgeprägter und können dann auch mehr Beschwerden machen. Dabei spielen offenbar Ungleichgewichte der Sexualhormone – Östrogene und Gestagene – mit einem gewissem Östrogenüberhang in der zweiten Zyklushälfte eine Rolle. Nach den Wechseljahren bilden sich die Veränderungen zurück, sofern keine Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden eingenommen werden.

Symptome: Spannungsgefühl und Brustschmerzen im Rahmen der fibrozystischen Mastopathie sind vor der Periode am stärksten ausgeprägt. Zysten lassen sich häufig als prall-elastische Knoten wechselnder Größe, abhängig vom Zyklus, tasten. Selten kann es zum Austritt von unblutiger Flüssigkeit aus den Brustwarzen (meistens auf beiden Seiten) kommen.

Diagnose: Bei fibrozystischen Veränderungen ist der Tastbefund oftmals schwer zu beurteilen. Daher wird der Arzt bei Auffälligkeiten, etwa einem tastbaren Knoten oder einem verhärteten Bereich in der Brust, eine bildgebende Darstellung wie die Ultraschalluntersuchung (Mamma-Sonografie) veranlassen. Dies gilt vor allem für Frauen unter 30 Jahren, da sie ein dichtes Brustgewebe haben. In Ultraschallbildern sind insbesondere Zysten optimal darstellbar. Oft wird noch eine diagnostische Mammografie angeschlossen, im Zweifelsfall auch eine Biopsie.

Therapie: Keine Behandlung, aber Kontrolle – in vielen Fällen ist das der geeignete Weg. Ein gut sitzender BH, eventuell nach Maß, kann hilfreich sein. Manche Frauen setzen auf eine Umstellung der Ernährung, vor allem auf weniger Kaffee und Tee, sie verabschieden sich von Nikotin, Süßigkeiten, vor allem Schokolade, und salzigen Snacks. Sie sagen „Ade“ zu tierischen Fetten und rotem Fleisch und bemühen sich um mehr körperliche Bewegung. Wer es nicht so rigoros mag, kann das Rezept zumindest in der zweiten Zyklushälfte ausprobieren.
Eventuell kann ein leichtes Schmerzmittel, zum Beispiel ein nicht steroidales Antirheumatikum, an den kritischen Tagen angezeigt sein. Als pflanzliche Präparate, die Brustschwellungen vor der Menstruation günstig beeinflussen können, werden häufig Auszüge aus Mönchspfeffer genannt. Die Beratung durch den Arzt und Apotheker ist hier immer sinnvoll (siehe oben, PMS).

Liegen größere Zysten vor, so kann der Arzt die Flüssigkeit mit einer feinen Nadel absaugen und untersuchen lassen. Die Zysten und damit verbundene Beschwerden verschwinden dann. Eine solche Punktion kann eventuell auch wiederholt werden. Liegen viele Zysten vor, so beruht dies auf einer chronischen Form dieser Mastopathie, die die betroffenen Frauen voraussichtlich bis zu den Wechseljahren begleiten wird. Danach geht sie meistens zurück. Eine Operation ausgeprägter, aber sonst nicht weiter auffälliger fibrozystischer Veränderungen ist nicht angezeigt. Dabei müsste der Drüsenkörper insgesamt entfernt werden, da sich der „Umbau“ meistens über weite Teile der Brust erstreckt.

Die Einnahme einer Anti-Baby-Pille unterdrückt den hormonellen Zyklus (je nach Präparat oder Anwendungsform sogar die Blutungen), damit auch die Tendenz zu fibrozystischen Veränderungen. Ob dies der geeignete Behandlungsweg ist, wird der Frauenarzt individuell entscheiden. Dabei wird er sowohl die Anliegen der Patientin, zum Beispiel den Wunsch nach Empfängnisverhütung, das Alter als auch mögliche medizinische Risiken und natürlich den Schweregrad der Mastopathie und der damit verbundenen Beschwerden berücksichtigen.

Zum Problem Milchgangserweiterung siehe nächstes Kapitel („Ursachen: nicht vom Zyklus abhängig“).




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www.apotheken-umschau.de; 18.01.2010, aktualisiert am 25.04.2012
Bildnachweis: Image Source/RYF

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