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Knoten in der Brust:
Krebserkrankungen

In Deutschland erkrankt jede zehnte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs (Mammkarzinom). Fortschritte in Diagnostik und Therapie haben die Überlebenschancen in den letzten Jahren verbessert.

Frau tastet sich die Brust ab

Gefühl für Veränderungen: Die Selbstuntersuchung wird einmal im Monat empfohen

 

In Deutschland erkrankt etwa jede zehnte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs  (Mammkarzinom). Fortschritte in Diagnostik und Therapie haben die Überlebenschancen in den letzten Jahren verbessert.

Hinter Brustkrebs verbergen sich allerdings zahlreiche, sehr verschiedene Erkrankungen. Ausführliche Informationen zu den häufigsten Formen des Mammakarzinoms finden Sie im Beitrag „Brustkrebs“. Nachfolgend geht es um einige Sonderformen wie das inflammmatorische Karzinom, den Paget-Tumor, Lymphome und Sarkome der Brust.


Inflammatorisches Karzinom

Diese auch als entzündlicher Brustkrebs bezeichnete bösartige Erkrankung der Brust kann sowohl von den Milchgängen als auch von den Drüsenläppchen ausgehen. Sie tritt sehr selten auf – nur etwa ein bis sechs Prozent aller Brustkrebserkrankungen betreffen diesen Tumortyp. Ein Häufigkeitsgipfel findet sich im Alter von etwa 59 Jahren. Extrem ungewöhnlich ist dieser Tumor bei Männern, die grundsätzlich, wenn auch sehr selten, an Brustkrebs erkranken können. Wie bei „normalem“ Brustkrebs ist die genaue Erkrankungsursache unbekannt. Der recht aggressiv wachsende Krebs verbreitet sich schon frühzeitig über die Lymphspalten in der Haut, verstopft die Lymphgefäße und führt zu einem Rückstau der Lymphe (zur Lymphe siehe Kapitel „Die Brust kennenlernen“). Dadurch schwillt die Brust an.

Symptome: Es kommt manchmal zu einem Knoten, in der Regel aber zu einer deutlichen Rötung oder Violettverfärbung und zur Verhärtung der Haut. Meistens betrifft das den unteren Anteil der Brust. Auch eine Grübchenbildung und Furchung der Haut, eine sogenannte Apfelsinenhaut, ist typisch. Die erkrankte Brust fühlt sich heiß an und kann schmerzen. Durch die begleitende Schwellung nimmt die Brust an Größe zu (Seitenunterschied!). Die Brustwarze kann abgeflacht oder eingezogen sein und schuppen. Fieber entwickelt sich seltener. Jede Brustentzündung – insbesondere wenn sie außerhalb der Stillzeit auftritt –, die nach Behandlung mit Antibiotika nach einer Woche nicht abgeklungen ist, muss unbedingt gründlich untersucht werden, um ein inflammatorisches Karzinom auszuschließen.


Diagnose: Außerhalb der Stillzeit sind Brustentzündungen (nicht puerperale Mastitis, siehe Kapitel „Brustentzündung“ in diesem Beitrag) zunächst immer auffällig. Bei einem entzündlichen Brustkrebs fehlt Fieber meistens. Eine Entzündung kann zwar auch nach einer Operation oder Bestrahlung auftreten, aber sie entwickelt sich in der Regel in zeitlichem Zusammenhang mit der Behandlung. Der Arzt führt eine Mammografie und möglichst zügig auch eine Haut- und Gewebebiopsie durch. Lautet das Ergebnis „inflammatorischer Brustkrebs“, werden noch detaillierte Untersuchungen des Brustkorbs, der Leber, des Knochensystems und der Lymphknoten in der Achselhöhle angeschlossen, um genau zu erkennen, welchen Bereich der Tumor einnimmt. Meistens wird die Erkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium festgestellt, bei dem die Lymphknoten bereits befallen sind, oder es haben sich in anderen Organen Tochtergeschwülste gebildet (metastasiertes Stadium).


Therapie: Der relativ aggressiv wachsende Krebs muss energisch bekämpft werden. Die Überlebenschancen sind dadurch gestiegen. Eine Chemotherapie vor der Operation, die sogenannte neoadjuvante Therapie, verbessert zunächst einmal die Chancen der operativen Behandlung. Denn dadurch kann der Tumor verkleinert werden und sich von der Haut zurückziehen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Wundheilung. In der Regel wird die Brust abgenommen. Anschließend wird die Chemotherapie fortgesetzt und danach eine Strahlenbehandlung angeschlossen. Meistens wird ergänzend noch eine weitere Chemotherapie durchgeführt. Ob stattdessen eine Therapie möglich ist, welche die Geschlechtshormone blockiert (Anti-Hormonbehandlung) oder eine Behandlung mit einem speziellen Antikörper, hängt von den biologischen Eigenschaften des Tumors ab (siehe nachfolgenden Absachnitt).


Paget-Tumor der Brust

Die Paget-Erkrankung tritt bei etwa ein bis zwei Prozent der an Brustkrebs erkrankten Frauen auf. Das Haupterkrankungsalter fällt ins fünfte Lebensjahrzehnt. Es kommt zu einer ekzemähnlichen Veränderung der Brustwarze. „Ekzem“ ist zuächst nur ein Oberbegriff für eine Reihe entzündlicher, nicht ansteckender, aber juckender Hautveränderungen, die mit einer Rötung, Bläschen, Knötchen, Krusten, Nässen und Schwellung einhergehen. In neun von zehn Fällen eines Ekzems im Brustwarzenbereich verbirgt sich dahinter Krebs, entweder Brustkrebs oder ein duktales Carcinoma in situ (DCIS). Das ist eine von einem Milchgang ausgehende Krebsvorstufe. Die Krebszellen sind hier nicht über den Milchgang hinaus in die Umgebung vorgedrungen, es handelt sich also um einen nicht invasiven Krebs. Demgegenüber überschreitet der „normale“, invasive Brustkrebs die Ortsgrenzen. Der Tumor kann im frühen Stadium auf den Milchgangsbereich unmittelbar hinter der Brustwarze beschränkt sein.
Die eigentlichen Ursachen unbekannt. Hormonelle und erbliche Einflüsse spielen eine Rolle. Ein DCIS wird ähnlich wie Brustkrebs behandelt.

Symptome: Typisch ist ein hartnäckiger, rötlicher Hautausschlag der Brustwarze und des Warzenhofs, der in eine leicht nässende, blutende oder Krusten bildende, aber nicht abheilende Wunde übergeht. Die Veränderungen können mit Schmerzen oder einem Brennen verbunden sein. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen ist ein Knoten tastbar.

Diagnose: Wichtig ist zunächst die Abgrenzung von anderen ekzemähnlichen Hauterkrankungen, die jedoch meistens vom Warzenhof auf die Brustwarze übergreifen und nicht, wie bei der Paget-Erkrankung, sich zunächst an der Brustwarze selbst entwickeln. Der Arzt wird die bildgebenden Diagnostikverfahren, wie sie für die Brust üblich sind, einleiten. Zusätzlich wird er einen Zellabstrich oder ausgepresstes Sekret aus der Brustwarze mikroskopisch untersuchen lassen und natürlich auch eine Gewebeprobe, eventuell ultraschallgesteuert, aus dem erkrankten Bereich entnehmen.


Therapie: Der Tumor wird operativ entfernt. Das Ausmaß der Operation – ob es nur um einen Anteil der Brust (einschließlich Brustwarze) geht oder um die Brust als Ganzes – hängt von der Art und Ausbreitung des Tumors ab. Brustwarze und Warzenhof und ein Teil des darunterliegenden Gewebes müssen auf jeden Fall weggenommen werden. Auch die Nachbehandlung hängt vom Einzelfall ab. Sie kann in einer Bestrahlung, bei hormonempfindlichen Formen auch in einer Anti-Hormontherapie, sodann einer Chemotherapie bestehen. Eine Antikörper-Therapie kann infrage kommen, wenn das Tumorgewebe vermehrt den HER-2-Faktor ausbildet und dann besonders stark auf körpereigene Wachstumsreize reagiert. Eine Antikörper-Therapie kann diesen Mechanismus unterbrechen.



Lymphknoten, Lymphadenopathie, Lymphome

Ein leicht vergrößerter Lymphknoten im Brustgewebe oder in der Achselhöhle kann gutartig sein und muss auch nicht zwangsläufig getastet werden können. Er entspricht dann einem relativ typischen Befund in der Mammografie bis zu einer bestimten Größe. Tastbare vergrößerte Lymphknoten, zum Beispiel in der Achselhöhle, können aber auch Ausdruck einer Infektion im Bereich der Hand sein. Die Mehrzahl der Lymphknotenschwellungen (Lymphadenopathien) ist harmlos. Sie können eine einzelne oder auch mehrere, nicht miteinander verbundene Lymphknotenstationen betreffen – zum Beispiel neben der Achselhöhle auch die Gegend über den Schlüsselbeinen und am Hals. Je nach Ursache kommen weitere Krankheitszeichen hinzu, etwa Fieber, eine ungewollte Gewichtsabnahme, Nachtschweiß, Schluckbeschwerden, Husten, Oberbauchbeschwerden, Veränderungen des Blutes und vieles mehr. Am häufigsten stecken harmlose Virusinfekte (Erkältungskrankheioten) der oberen Luftwege dahinter. Infrage kommen aber auch andere erregerbedingte Infektionskrankheiten, seltener eine andere Krebserkrankung, darunter Brustkrebs, eine bösartige Lymphknotenkrankheit oder eine sogenannte Systemerkrankung. Bösartige Lymphknotenkrankheiten umfassen wiederum eine größere Zahl von krankhaften Veränderungen des lymphatischen Systems, die unter dem Oberbegriff „maligne Lymphome“ zusammengefasst werden.
Die Diagnose ergibt sich bei Unklarheiten in der brustbezogenen Bildgebung (Mammografie, Ultraschall) aus einer Biopsie, wenn die Symptome nicht von vornherein in eine ganz andere Richtung weisen und damit abweichende zielgerichtete Diagnosewege nahelegen. Die Therapie gestaltet sich entsprechend der definitiven Diagnose. Ist sich der Radiologe sicher, dass ein Mammogramm einen einzelnen, nicht verdächtigen Lymphknoten aufweist, sind  keine weiteren Maßnahmen außer den üblichen Kontrollen beim Frauenarzt notwendig. Er wird auch entscheiden, in welchem Rhythmus weitere Mammografien stattfinden sollen.


Sarkom

Ein Sarkom ist eine eher aggressive Tumorform. Sarkome können schnell wachsen und neigen zur Wiederkehr. Sie gehen vom Bindegewebe aus und variieren feingeweblich stark. Es bestehen auch Verbindungen zum Phylloides-Tumor (siehe Kapitel „Andere Brusterkrankungen“). Nach der entsprechenden Diagnose aus einer Biopsie und bestimmten weiterführenden Untersuchungen werden diese Tumoren vollständig und mit einem größeren Saum gesunden Gewebes entfernt. Manchmal ist es unumgänglich, die Brust abzunehmen. Die weitere Behandlung sollte möglichst in einer interdisziplinären Ärztekonferenz (sogenanntes Tumorboard) in einem zertifizierten Brustzentrum festgelegt werden (Informationen im letzten Kapitel).



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Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 25.04.2012
Bildnachweis: Ingram/RYF

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