Fast die Hälfte aller Frauen um die dreißig bis vierzig hat wegen fibrozystischer Veränderungen Beschwerden – meistens in beiden Brüsten
Wie der Name schon sagt, bedeutet „fibrozystisch“ gleich zweierlei: Zum einen vermehrt sich das Bindegewebe in der Brust und nimmt einen narbenähnlichen Charakter an (Fibrose). Zum anderen bilden sich Zysten (siehe auch Kapitel „Zyste – Fettgewebsnekrose“). Das sind flüssigkeitshaltige Bläschen im Gewebe, die erweiterten Endstücken der Milchgänge am Drüsenläppchen entsprechen. Die Zysten sind nicht gerade klein und können auch als Knoten tastbar sein. Das Drüsengewebe kann zunehmen, sodass sich die Läppchen insgesamt vergrößern (Adenose, siehe auch Kapitel „Andere Brusterkrankungen“). Die Tendenz zur Vermehrung von Drüsenzellen im Bereich der Milchgänge oder Drüsenläppchen wird Hyperplasie genannt. Ärzte unterscheiden feingeweblich drei Schweregrade dieser als Mastopathie („Brustleiden“) zusammengefassten Vorgänge. Grad I entspricht der einfachen fibrozystischen Form. Finden sich vermehrt Zellhyperplasien, so liegt ein Grad II vor. Beim Grad III hat sich mit der Hyperplasie auch ein Wandel im Zellbild vollzogen: Es sind Zellen mit sogenannten atypischen Hyperplasien entstanden, das heißt, die Neulinge haben ihren „Charakter“ verändert.
Fibrozystische Veränderungen betreffen in der Regel beide Brüste. In der zweiten Zyklushälfte, also in der Zeit zwischen dem Eisprung und der Monatsblutung, sind sie ausgeprägter und können dann auch mehr Beschwerden machen. Nach den Wechseljahren bilden sie sich zurück, sofern keine Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden eingenommen werden. Diabetikerinnen (Diabetes mellitus Typ 1), die viele Jahre mit Insulin behandelt wurden, entwickeln gelegentlich eine ausgeprägte Form der fibrozystischen Mastopathie, die wegen einiger Parallelen von einer bösartigen Veränderung abgegrenzt werden muss.
Symptome: Es können einzelne Knoten vorhanden oder ganze Areale der Brust knotig verändert sein. Damit verbundene Brustschmerzen sind vor der Periode am stärksten ausgeprägt. Zysten lassen sich häufig als prall-elastische Knoten wechselnder Größe, abhängig vom Zyklus, tasten. Selten kann es zum Austritt von unblutiger Flüssigkeit aus den Brustwarzen (meistens auf beiden Seiten) kommen.
Diagnose: Bei fibrozystischen Veränderungen ist der Tastbefund oftmals schwer zu beurteilen. Daher wird der Arzt bei Auffälligkeiten, etwa einem tastbaren Knoten oder einem verhärteten Bereich in der Brust, eine bildgebende Darsellung wie die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) veranlassen. Dies gilt vor allem für Frauen unter 30 Jahren, da sie ein dichtes Brustgewebe haben. In Ultraschallbildern sind insbesondere Zysten optimal darstellbar. Oft wird noch eine diagnostische Mammografie angeschlossen, im Zweifelsfall auch eine Biopsie.
Brustkrebsrisiko: Einfache fibrozystische Veränderungen erhöhen das Brustkrebsrisiko nicht. Es entspricht demjenigen „brustgesunder“ Frauen. Finden sich Milchgangszellen mit atypischer Hyperplasie (atypische duktale Hyperplasie, ADH), erhöht sich das Brustkrebsrisiko etwa um das Vier- bis Fünffache (in der untersuchten und in der anderen Brust). Das bedeutet, dass ungefähr 20 Prozent der Betroffenen oder eine von fünf Frauen möglicherweise Brustkrebs bekommt, und zwar über einen Zeitraum von etwa zehn bis fünfzehn Jahren. Allerdings sind dies rein statistische Berechnungen. Im Einzelfall wird der Arzt immer alle relevanten Faktoren bei einer betroffenen Frau betrachten, bevor er eine Angabe zum individuellen Risiko für Brustkrebs machen kann. Bei Diagnose einer lobulären Neoplasie (LN) wird heute ebenfalls von einem Risikoindikator ausgegangen. Das Risiko für Brustkrebs in beiden Brüsten ist etwa um das Sieben- bis Zwölffache in ungefähr zehn Jahren erhöht.
Therapie: Keine Behandlung, aber Kontrolle – in vielen Fällen ist das der geeignete Weg. Oft kann ein gut sitzender BH, eventuell nach Maß, hilfreich sein. Manche Frauen setzen auf eine Umstellung der Ernährung, vor allem auf weniger Kaffee und Tee, sie verabschieden sich von Nikotin, süßen und salzigen Naschereien, vor allem Schokolade (siehe auch Kapitel „Krebs vorbeugen, gesund leben“). Sie sagen „Ade“ zu tierischen Fetten und rotem Fleisch und legen mehr Wert auf Obst, Gemüse sowie häufigere Fischmahlzeiten. Auch suchen sie mehr körperliche Bewegung. Wer es nicht so dogmatisch mag, kann dieses Rezept zumindest in der zweiten Zyklushälfte ausprobieren. Eventuell kann ein leichtes Schmerzmittel, zum Beispiel ein nicht steroidales Antirheumatikum, an den kritischen Tagen angezeigt sein. Als pflanzliche Heilmittel, die Brustschwellungen vor der Menstruation günstig beeinflussen können, werden häufig Präparate mit Auszügen aus Mönchspfeffer genannt. Die Beratung durch den Arzt und Apotheker ist hier immer sinnvoll. Der Arzt kann aus größeren Zysten die Flüssigkeit mit einer feinen Nadel absaugen (und untersuchen lassen). Die Zysten und damit verbundene Beschwerden verschwinden dann. Eine solche Punktion kann eventuell auch wiederholt werden. Liegen viele Zysten vor, so beruht dies auf einer chronischen Form der Mastopathie, die die betroffenen Frauen voraussichtlich bis zu den Wechseljahren begleiten dürfte (danach bildet sich die Mastopathie zurück). Eine Operation ausgeprägter, aber nicht weiter auffälliger fibrozystischer Veränderungen ist nicht angezeigt. Dabei müsste der Drüsenkörper insgesamt entfernt werden, da in diesen Fällen meistens größere Teile der Brust betroffen sind. Zur Anti-Baby-Pille und Hormontherapie nach den Wechseljahren siehe Kapitel „Zyste – Fettgewebsnekrose“. Ob eventuell andere Medikamente infrage kommen, wird der Frauenarzt im Einzelfall entscheiden.
Wurde eine atypische Hyperplasie von Milchgangszellen (ADH) oder von Zellen in Drüsenläppchen (LN) festgestellt, so wird der Arzt regelmäßige Tastuntersuchungen und Mammografien vorschlagen. Die ärztliche Beratung und Behandlung sollte dann an einem zertifizierten Brustzentrum erfolgen (weitere Informationen siehe letztes Kapitel). Bei der ADH wird im Allgemeinen für die Therapie empfohlen, an einer Studie teilzunehmen; möglicherweise kommt eine Anti-Hormontherapie infrage.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 25.04.2012
Bildnachweis: ImageState/RYF
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