Die nachfolgend – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – beschriebenen Geschwülste sind vielfältig. Die häufigsten Alternativen, die der Arzt berücksichtigen wird, sind ein Lipom, ein Fibroadenom oder eine bösartige Veränderung. Ein Sonderfall – zwischen Gut und Böse stehend und als bösartige Geschwulst kein typischer Brustkrebs – ist der Phylloides-Tumor. An der Brustwarze und im Bereich des Warzenhofs können sich außerdem verschiedene gutartige Tumoren oder Knoten bilden, die der Haut oder ihr zugehörigen Drüsen bzw. der Muskulatur zugeordnet werden (im Brustwarzenbereich gibt es vegetativ gesteuerte kleinste Muskeln, die ihn zusammenziehen können). Sehr selten entwickelt sich ein bösartiges Melanom (schwarzer Hautkrebs). Auch vom Binde- und Lymphgewebe der Brust können Tumoren ausgehen.
Lipom
Der häufigste gutartige Geschwulsttyp in der Brust bei Frauen nach den Wechseljahren ist das Lipom: eine weiche, langsam wachsende, abgekapselte Fettgewebswucherung. Lipome können auch an anderen Körperstellen auftreten, zum Beispiel als unter der Haut „verschiebbare“ Knoten an Giedmaßen oder als rundliche Gebilde in inneren Organen. In der Brust selbst können sich zudem Lipome bilden, die zusätzlich aus Bindegewebe bestehen (dann Fibrolipome genannt) oder auch Drüsenzellen enthalten (Adenolipome).
Symptome: Ein Lipom kann, muss aber nicht als weicher, abgrenzbarer Knoten in der Brust tastbar sein und macht auch sonst keine Beschwerden. Es fällt vor allem an fettarmen Brüsten auf. Ansonsten wird es meist zufällig in einer Mammografie oder in einem Ultraschallbild der Brust entdeckt.
Diagnose: In erster Linie werden Ultraschall und Mammografie eingesetzt, die üblichen bildgebenden Verfahren, wenn es um die Brust geht. Im Zweifelsfall erfolgt eine Gewebeentnahme.
Brustkrebsrisiko: ohne Auswirkung.
Therapie: Eine weitere Behandlung ist bei eindeutiger Diagnose nicht nötig. Falls die Geschwulst an Größe zunimmt, sollte sie sicherheitshalber entfernt werden.
Adenom
Es gibt verschiedene Formen dieses gutartigen Geschwulsttyps aus Drüsengewebe. Am häufigsten sind sogenannte laktierende Adenome, die in der Schwangerschaft und Stillzeit auftreten, oder – außerhalb davon – tubuläre Adenome. Tubuläre Adenome betreffen Frauen in der fruchtbaren Zeit vor den Wechseljahren. Laktierende Adenome können auch in anderen Körperbereichen vorkommen, zum Beispiel in der Achselhöhle oder an den Schamlippen. Sie beruhen dann auf „irrtümlich“ dort angesiedelten Inseln aus Brustdrüsengewebe.
Symptome: Lipome treten meist als einzelner oder mehrere im Gewebe verschiebbare(r) Knoten in Erscheinung. Normalerweise werden sie nicht größer als drei oder vier Zentimeter. Bei einem laktierenden Adenom tröpfelt Milch aus der Brustwarze.
Diagnose: In bildgebenden Untersuchungen der Brust wie Mammografie und Ultraschall können Adenome Fibroadenomen sehr ähnlich sehen. Während der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit wird die Brust in erster Linie mit Ultraschall untersucht. Die Diagnose wird letztendlich feingeweblich gestellt.
Brustkrebsrisiko: keine Beeinflussung.
Therapie: Tubuläres Adenom: Entfernung. Laktierende Adenome bilden sich nach dem Abstillen auch spontan zurück. Die genaue Therapieplanung erfolgt aber am besten in einem Brustzentrum, wo zuständige Fachärzte gemeinsam über die jeweils geeignete Vorgehensweise beraten (siehe Informationen im letzten Kapitel). Brusttumoren sind bei schwangeren Frauen selten. Etwa drei Prozent aller Brustkrebserkrankungen treten in der Schwangerschaft auf. Laktierende Adenome sind ebenfalls selten, entsprechen aber den häufigsten gutartigen Tumoren bei schwangeren und stillenden Frauen. Während eine Brustkrebserkrankung auch in der Schwangerschaft operativ behandelt werden muss, ist dies bei einem laktierenden Adenom, feingeweblicher Nachweis vorausgesetzt, nicht nötig, es sei denn, die Geschwulst ist sehr groß, was wiederum eher selten ist. In der Stillphase ist auch medikamentös beschleunigtes Abstillen ein Weg, um den Tumor zum Schrumpfen zu bringen.
Adenom der Brustwarze
Dabei handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der von Zellen der Sammelmilchgänge in der Nähe der Brustwarze ausgeht. Das Haupterkrankungsalter fällt in das fünfte Lebensjahrzehnt. Sehr selten sind auch Männer betroffen, was generell für Erkrankungen der Brust gilt. Ein Adenom der Brustwarze kann äußerlich einen sogenannten Paget-Tumor nachahmen und feingeweblich auch einem Milchgangspapillom nahe stehen (siehe jeweils weiter unten im Text).
Symptome: Kleine Vorwölbung oder Wucherung an der Brustwarze, Wundsein mit Juckreiz (Ekzem), Geschwürbildung, Absonderung von blutiger Flüssigkeit. Manchmal ist die Brustwarze auch eingezogen.
Diagnose: Die üblichen bildgebenden Verfahren geben nähere Auskunft. Auch eine Gewebeprobe (Biopsie) wird entnommen.
Brustkrebsrisiko: kein Einfluss. Gleichzeitig oder später auftretender Brustkrebs im Bereich der Brustwarze oder brustwarzennah in einem Milchgang wurden gelegentlich bei Adenomen beobachtet, sodass immer eine genaue Diagnostik empfehlenswert ist.
Therapie: Sicherheitshalber wird das Gebilde komplett entfernt.
Adenose
Wenn Drüsenläppchen vergrößert sind oder vermehrt Drüsengewebe enthalten, nennt der Arzt das „Adenose“. Dazu kommt es häufiger im Rahmen fibrozystischer Veränderungen der Brust (siehe entsprechendes Kapitel). Eine der möglichen Varianten ist die sklerosierende Adenose, bei der die vergrößerten Drüsenläppchen durch narbenähnliches Bindegewebe verzogen sind. Sowohl bei „einfacher“ wie bei sklerosierender Adenose können sich Verkalkungen bilden.
Symptome: kleine, rundliche Knoten, knotiger Tasteindruck oder fehlender Tastbefund.
Diagnose: Mammografie, Ultraschalluntersuchung der Brust, Biopsie mit feingeweblicher Untersuchung.
Brustkrebsrisiko: Bei ausgeprägter („komplexer“) sklerosierender Adenose ist das Brustkrebsrisiko etwa eineinhalb bis zweifach erhöht. Die gutartigen Veränderungen können mitunter zusammen mit verschiedensten Formen von Zellwachstum (Proliferation) in der Brustdrüse bis hin zu Brustkrebs vorkommen.
Therapie: Kontrollen genügen bei einfacher Adenose meistens. Wurde eine sklerosierende Adenose festgestellt, so wird der Arzt empfehlen, die Veränderung zu entfernen (operative Exzision).
Adenomyoepitheliom
Diese gutartige Geschwulst kommt sehr selten vor. Feingeweblich ist sie durch verschiedene Merkmale gekennzeichnet, darunter Drüsengewebe mit verwandschaftlichen Beziehungen zu Speicheldrüsengewebe und Muskelzellen. Übermäßiges und artveränderndes Wachstum (Hyperplasie, Atypie) von Zellen kommt ebenfalls vor.
Symptome: tastbarer Knoten in der Nähe der Brustwarze oder weiter entfernt davon in der Brust.
Diagnose: Es wird die übliche Brustdiagnostik einschließlich der Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) eingesetzt. Da dieser Geschwulsttyp, so selten er ist, vor allem von Brustkrebs abgegrenzt werden muss, wird er eingehend überprüft werden.
Brustkrebsrisiko: eventuell leicht erhöht, insbesondere bei Veränderungen, die einer atypischen Hyperplasie von Milchgangszellen entsprechen oder nahe stehen (vgl. Kapitel „Fibrozystische Mastopathie“)
Therapie: vollständige Entfernung und Kontrollen.
Hamartom
Bei diesen Tumoren herrscht Namensvielfalt, denn Hamartome werden auch „Fibroadenolipom“, „Lipofibroadenom“ oder „Adenolipom“ genannt. Der Grund: Die gutartigen, abgekapselten Geschwülste bestehen aus Drüsen-, Fett- und Bindegewebswucherungen (sogenannte Mischtumoren). Wie es dazu kommt, ist unklar. Teilweise gibt es Verbindungen zu einer Erbkrankheit namens Cowden-Erkrankung, bei der sich auch in anderen Organen Hamartome bilden können, etwa in der Schilddrüse, im Magen-Darm-Trakt oder in der Gebärmutter.
Symptome: Eventuell ist ein Hamartom als schmerzloser Knoten tastbar. Häufiger aber handelt es sich um einen Befund, der bei der Mammografie entdeckt wird.
Diagnose: Mammografie, Ultraschall, Biopsie mit feingeweblicher Untersuchung.
Brustkrebsrisiko: kein Einfluss.
Therapie: Entfernung der Geschwulst.
Papillom
Die warzenähnliche Wucherung geht von den Zellen aus, die den Milchgang auskleiden. Papillome treten am häufigsten im Alter von 30 bis 50 Jahren auf. Es gibt verschiedene Ausprägungen. Ein einzelnes Papillom findet sich meistens in einem größeren Milchgang nahe der Brustwarze (zentraler Sitz). Kommen mehrere vor – ein Umstand, den der Arzt „multiple Papillome“ nennt –, befinden sie sich oft weiter entfernt von der Brustwarze (peripher) in kleinen Milchgängen am Übergang zu Drüsenläppchen. Eine Sonderform kann bei jüngeren Frauen (Alter unter 30 Jahren) vorkommen, auch an beiden Brüsten. Manchmal tritt in der jeweiligen Familie gehäuft Brustkrebs auf, sodass möglicherweise eine familiäre Neigung zu Tumorerkrankungen der Brust vorliegt.
Symptome: Blutige oder auch klare Flüssigkeitsabsonderungen aus der Brustwarze sind das Leitsymptom von Papillomen der Brust. Sie können manchmal auch als kleiner Knoten in der Nähe der Brustwarze tastbar sein. Die Geschwulst kann aber auch zu klein sein, um getastst zu werden – es sei denn, es hat sich gleichzeitig eine Zyste gebildet. Die eher in der „Peripherie“ der Brust liegenden „Mehrfach-Papillome“ verursachen wiederum seltener Absonderungen aus der Brustwarze.
Diagnose: Standardverfahren ist die Mammografie, bei Absonderungen aus der Brust zusätzlich auch eine Röntgenuntersuchung des Milchgangs (Galaktografie). In manchen Zentren wird auch eine Duktuskopie, die Spiegelung des Milchgangs, durchgeführt. Das Sekret wird analysiert. Hinzukommt in der Regel eine Biopsie mit feingeweblicher Untersuchung.
Brustkrebsrisiko: Bei einem einzelnen Papillom ist das Risiko für Brustkrebs nicht erhöht. Finden sich mehrere Papillome, so kommt es auch häufiger zur Veränderung von Milchgangszellen, die einer atypischen duktalen Hyperplasie (ADH) entsprechen. Auch ist das Risiko für das sogenannte Duktale Carcinoma in situ (DCIS), eine Brustkrebsvorstufe (siehe unter Brustkrebs), wie auch für Brustkrebs etwas erhöht.
Therapie: Komplette Entfernung der Geschwulst und des angrenzenden Teils des Milchgangs. Der Schnitt wird dabei möglichst um den Rand des Warzenhofs gelegt. Der Arzt wird eine regelmäßige Kontrolle beider Brüste empfehlen, wenn mehrere oder einzelne, stark ausgeprägte Papillome gefunden wurden.
Phylloides-Tumor (Cystosarkoma phylloides, phylloider Tumor)
Diese Sonderform des Fibroadenoms wird auch als „Riesenfibroadenom“ bezeichnet. Feingeweblich steht der Geschwulsttyp Fibroadenomen nahe. Ein Phylloides-Tumor kann aber auch Ähnlichkeit mit bösartigen Bindegewebstumoren haben, sogenannten Sarkomen (siehe Kapitel „Krebserkrankungen der Brust“). Das Haupterkrankungsalter liegt zwischen 30 und 55 Jahren, doch können Frauen aller Altersgruppen diese Geschwulstart entwickeln. Im Unterschied zum normalen Fibroadenom ist ein Phylloides-Tumor besonders stark von Bindegewebswucherungen durchsetzt. Die verantwortlichen Zellen bestimmen, ob ein Phylloides-Tumor eher gutartig ist oder ob er in eine bösartige Richtung weist. Letzteres betrifft etwa ein Fünftel bis die Hälfte der Erkrankten. Bei einem Teil der bösartigen Varianten können sich Tochtergeschwülste bilden, vor allem in der Lunge. Die Geschwulst selbst wächst oft überstürzt, mit Ausläufern weit ins gesunde Gewebe hinein („phylloid“ bedeutet blattförmig). Daher kann der Tumor sehr groß werden. Wegen des zerlappten Wachstums kann es manchmal schwierig sein, das erkrankte Gewebe restlos zu entfernen. Das erklärt eine gewisse Rückfall-(Rezidiv-)Tendenz. Bisweilen offenbart eine ursprünglich gutartige Geschwulst, die wiedergekehrt ist, dann auch bösartige Züge. Phylloides-Tumoren werden von den üblichen Brustkrebsformen abgegrenzt.
Symptome: Meistens schmerzloser, gelegentlich aber auch schmerzhafter Knoten in der Brust. Die darüberliegende Haut ist mitunter stark gespannt. Unbehandelt kann der Tumor die Haut auch schädigen und nach außen durchbrechen.
Diagnose: Es werden die Standardverfahren zur Untersuchung der Brust wie Sonografie und Mammografie eingesetzt. Die Diagnose ergibt sich aus einer Gewebeprobe. Besonders bei jungen Frauen mit einem schnell wachsenden „Fibroadenom“ wird der Arzt berücksichtigen, dass möglicherweise eine Geschwulst vom Typ des Phylloides-Tumors vorliegt, und den Befund eingehend überprüfen.
Therapie: Der Tumor wird mit einem Saum gesunden Gewebes von einem Zentimeter Breite entfernt. Falls dies nicht möglich ist, muss die Brust abgenommen werden. Gegebenenfalls schließt sich eine Strahlentherapie an. Nur selten müssen auch Achsellymphknoten entnommen werden. Danach wird die Patientin in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Bei Metastasen wird eine Chemotherapie durchgeführt.
Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 25.04.2012
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