Drucken

Knoten in der Brust – Ursachen: Fibrozystische Mastopathie

Knotig verhärtete Brüste und Brustschmerzen hängen oft mit fibrozystischen Veränderungen des Brustgewebes zusammen, einer fibrozystischen Mastopathie


Fast die Hälfte aller Frauen um die dreißig bis vierzig hat wegen fibrozystischer Veränderungen Beschwerden – meistens in beiden Brüsten

Mastopathie – was bedeutet das?

Der Begriff Mastopathie beschreibt verschiedene Veränderungen des Brustgewebes, die ohne oder mit Beschwerden einhergehen können und sich überwiegend unter dem Einfluss von Hormonen entwickeln. Fibrozystische Mastopathien treten vor allem bei Frauen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren auf.

Die Brustveränderungen werden unterschiedlich eingestuft: Das reicht von „normal“ über „kaum krankhaft“ bis zur Bewertung „mäßig erhöhter Risikofaktor für Brustkrebs“. Daher müssen viele dieser Veränderungen auch nicht behandelt werden, während andere zumindest regelmäßger Kontrollen bedürfen.

Wie der Name schon sagt, bedeutet fibrozystisch zweierlei: Zum einen vermehrt sich das Bindegewebe in der Brust (Fibrose), das dann teilweise auch narbigen Charakter annehmen kann. Zum anderen bilden sich Zysten (siehe auch Kapitel „Ursachen: Zyste, Fettgewebsnekrose“). Das sind flüssigkeitshaltige, bläschenartige Hohlräume im Gewebe, die erweiterten Endstücken der Milchgänge am Drüsenläppchen (mehr dazu im Kapitel „Die Brust kennenlernen“) entsprechen.

Die Zysten sind nicht gerade klein und können auch als Knoten tastbar sein. Das Drüsengewebe kann zunehmen, sodass sich die Läppchen insgesamt vergrößern (Adenose, siehe auch Kapitel „Ursachen: Andere Geschwülste“).


Formen der fibrozystischen Mastopathie

Ärzte unterscheiden feingeweblich („nach Prechtel“) drei Schweregrade. Die Mastopathie Grad I entspricht der einfachen fibrozystischen Form. Das Bindegewebe ist nur leicht vermehrt, und es finden sich wenige Zysten.

Ist die Tendenz zur Vermehrung des normalen Gewebes in einzelnen Milchgängen erhöht, so entspricht das Grad II. Hier kann ein wechselndes Bild aus kleinen Knötchen, Narbenzügen und verengten Milchgängen entstehen.

Beim Grad III besteht eine noch deutlichere Vermehrung von Drüsenzellen im Bereich der Milchgänge (Hyperplasie). Damit kann auch ein Wandel im Zellbild einhergehen: Es entstehen Zellen mit sogenannten atypischen Hyperplasien, das heißt, die neu hinzugekommenen Zellen haben ihren Charakter etwas verändert und weichen vom normalen Zelltyp mehr oder weniger ab. Eine entsprechende Ausprägung heißt atypische duktale Hyperplasie (ADH).

Fibrozystische Veränderungen betreffen in der Regel beide Brüste. In der zweiten Zyklushälfte, also in der Zeit zwischen dem Eisprung und der Monatsblutung, sind sie ausgeprägter und können dann auch mehr Beschwerden machen. Nach den Wechseljahren bilden sie sich je nach Ausprägung häufig zurück, sofern keine Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden eingenommen werden.

Fibrozystische Mastopathie: Symptome

Manche Frauen haben keinerlei Beschwerden, und der Befund wird zufällig bei einer Unterschung entdeckt. Andere tasten in der Brust einzelne Knoten oder ganze Areale, die knotig verändert sind. Damit verbundene Brustschmerzen sind vor der Periode am stärksten ausgeprägt. Vor den Wechseljahren können die Beschwerden noch zunehmen. Zysten lassen sich häufig als prall-elastische Knoten wechselnder Größe, abhängig vom Zyklusverlauf, tasten. Selten kann es zum Austritt von etwas trüber, aber nicht blutiger Flüssigkeit aus den Brustwarzen – meistens auf beiden Seiten – kommen. Äußerst selten zeigt die Brust Entzündungszeichen, das heißt, ein Bereich fühlt sich etwas überwärmt an, ist leicht gerötet, knotig bis verhärtet und schmerzhaft.

Diagnose

Bei fibrozystischen Veränderungen ist der Tastbefund oftmals schwer zu beurteilen. Daher wird der Arzt bei Auffälligkeiten, etwa einem tastbaren Knoten oder einem verhärteten Bereich in der Brust, eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) durchführen. Dies gilt vor allem für Frauen unter 30 Jahren, da sie ein dichtes Brustgewebe haben. In Ultraschallbildern sind insbesondere Zysten optimal darstellbar. Nur bei Bedarf wird noch eine diagnostische Mammografie angeschlossen, im Zweifelsfall auch eine Biopsie, also die Entnahme einer Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung.

Und das Brustkrebsrisiko bei fibrozystischer Mastopathie?

Einfache fibrozystische Veränderungen erhöhen das Brustkrebsrisiko nicht. Es entspricht demjenigen „brustgesunder“ Frauen. Finden sich Milchgangszellen mit atypischer Hyperplasie (ADH, Überlappung mit der Mastopathie Grad III), erhöht sich das Brustkrebsrisiko rein statistisch etwa um das Vier- bis Fünffache in der untersuchten und in der anderen Brust nach zehn Jahren. Das würde bedeuten, dass ungefähr 20 Prozent der Betroffenen oder eine von fünf Frauen später möglicherweise Brustkrebs bekommt.

Allerdings erkranken Frauen in der Altersgruppe, in der die Mastopathie meistens aufritt, von vornherein seltener an Brustkrebs, was diese Berechnungen relativiert (siehe unten). Im Einzelfall wird der Arzt immer alle relevanten Risikofaktoren bei einer Frau betrachten, bevor er ein mögliches individuelles Risiko für Brustkrebs annähernd abschätzen kann.

Sicherheitshalber wird er Befunde, die ein etwas erhöhtes Brustkrebsrisiko mit sich bringen, regelmäßig kontrollieren. Das gilt insbeosndere dann, wenn sich das Brustgewebe in der Mammografie als relativ dicht oder sehr dicht erweist. Dies gilt als eigenständiger Risikofaktor für Brustkrebs. In Kombination mit einer ADH würde es noch höher ausfallen, was eine Indikation für eine vorbeugende Anti-Hormonbehandlung sein kann. Am besten lässt eine betroffene Frau sich in einem zertifizierten Brustzentrum beraten. Informationen dazu im Kapitel „Überblick“ (unter Fachliteratur).

Therapie

Über die Behandlungs- und Selbsthilfemöglichkeiten können Sie im Kapitel Ursachen: „Zyklusabhängig“ im Beitrag „Schmerzende Brüste“ nachlesen.




Bildnachweis: ImageState/RYF
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10

Weibliche Brust

Brustwarze Milchdrüse Fettgewebe Blutgefäße Lymphknoten Milchgang Milchalveole Brustwarze Warzenvorhof Milchgang Milchdrüse Fettgewebe Venen Arterien Großer Brustmuskel Lymphknoten Großer Brustmuskel

Die Brustwarze, medizinisch Mamille, wird vom Warzenhof umgeben. Er ist wie die Brustwarze stärker pigmentiert als die normale Haut und besitzt Schweiß- und Talgdrüsen, die als kleine Erhebungen sichtbar sind. Brustwarze und Warzenhof sind von vielen Nervenfasern durchzogen, die sie sehr berührungsempfindlich machen. Durch Kontraktion glatter Muskulatur kann sich der Warzenhof bei Berührung zusammenziehen und die Brustwarze aufrichten (Erektion). An der Spitze der Brustwarze münden die von den Milchdrüsen kommenden Milchgänge.

Die Milchdrüsen bestehen aus 15 bis 20 Lappen, die durch Bindegewebe voneinander getrennt und selbst wiederum in viele weitere Läppchen unterteilt sind. Jeder Drüsen- oder Milchlappen besitzt einen eigenen Ausführgang, den Milchgang. Sie alle münden in der Spitze der Brustwarze. Die Drüsenläppchen setzen sich aus kleinen beerenförmigen Enden, den Milchalveolen zusammen, die traubenförmig um die Milchgänge herum angeordnet sind.

Die Brust besteht zum größten Teil aus Fettgewebe, das zwischen dem Drüsen- und Bindegewebe verteilt ist. Anteil und Verteilung des Fettgewebes sind individuell verschieden und bestimmen die Größe und auch die Form der Brust. Mit dem Alter verändert sich die Zusammensetzung des Brustgewebes: der Anteil des Fettgewebes nimmt zu, der des Drüsengewebes geht zurück, die Brust verliert an Größe und Spannkraft.

Die Brust wird über Gefäße aus der Achselhöhle, aber auch aus den Räumen zwischen den Rippen und aus dem Brustkorbinneren mit Blut, also Sauerstoff versorgt. Die Arterien verzweigen sich in das Brustgewebe hinein, ziehen in die Lappen und Läppchen und bis zur Brustwarze hin. An die Arterien lagern sich die Venen an, die das verbrauchte, sauerstoffarme Blut aus der Brust in Richtung Achselhöhle transportieren.

In der Achselhöhle, am Rand des großen Brustmuskels, wie auch im Inneren des Brustkorbes und am Schlüsselbein sitzen zahlreiche für die Brust wichtige Lymphknoten, die als Filterstationen in die Lymphgefäße eingeschaltet sind. In ihnen befinden sich Abwehrzellen des Immunsystems, die die Lymphe von Krankheitserregern und anderen Fremdkörpern reinigen. Als Anzeichen einer Entzündung können die Lymphknoten anschwellen, hart und schmerzhaft werden. Die Lymphgefäße dienen als Drainagesystem des Körpers, die überschüssige Gewebsflüssigkeit abtransportieren.

Über viele kleine und etwa 15 - 20 größere Milchgänge fließt die Milch von den Milchbläschen zur Brustwarze. Jedes Milchbläschen besitzt einen Ausführgang, die ein miteinander verbundenes Milchgangsystem bilden. Die kleinen Milchgänge münden in die größeren Hauptgänge, die von den Drüsenlappen zur Brustwarze ziehen. Vor ihrer Einmündung bilden sie Erweiterungen, die Milchsäckchen, die in der Stillzeit als Speicher für die Milch dient.

In den Milchalveolen, den bläschenförmigen Enden der Drüsenläppchen, beginnt nach der Geburt des Kindes die Milchproduktion. Das Milchsekret wird von einer nur eine Zelllage dünnen Schicht im Inneren der Alveolen gebildet. Vor allem das Hormon Prolaktin, das bereits während der Schwangerschaft vermehrt vom Körper produziert wird, regt die Milchbildung an. Bis zur Geburt ist die Milchsekretion gehemmt durch die Hormone Progesteron und Östradiol, die die Plazenta während der Schwangerschaft bildet. Nach der Geburt nimmt deren Konzentration mit Ausstoßung der Plazenta rapide ab und die Milchbildung setzt ein. Die Milch der ersten Tage ist eine fettarme Variante, die so genannte Vormilch, die dem Kind einen ersten Schutz vor Infektionen bietet. Erst danach wird die fetthaltige Muttermilch gebildet.

Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 10.02.2014,
Bildnachweis: ImageState/RYF

Arzt bewerten und so 1 Euro spenden

Helfen Sie anderen, einen guten Arzt zu finden. Für jede Arztbewertung spendet die Weisse Liste 1 Euro an die Stiftung "Humor hilft heilen" »

Jetzt mitmachen »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Zum Thema

Anastacia: Brustkrebsrückfall in jungen Jahren

Sie war bei der Diagnose erst 35 Jahre alt. Zehn Jahre später kämpft sie mit einem Rückfall. Unser Experte sagt: Kein Einzelfall »

Schmerzende Brüste (Mastodynie)

Spannungsgefühle und Schmerzen in der Brust, die mit dem Monatszyklus kommen und gehen, sind in der Regel harmlos »

Ratgeber

Brustkrebs

Brustkrebs (Mammakarzinom) ist eine bösartige Geschwulst im Brustdrüsengewebe. Mehr über Risikofaktoren, Diagnose und Therapie »

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages