In vielen Fällen erfolgt eine Infektion, ohne dass es zu Symptomen oder zu einer Erkrankung kommt. Dann findet der Arzt zwar bei einer Blutuntersuchung Hinweise, dass das Immunsystem irgendwann auf den Erreger reagiert hat. Es handelt sich in diesen Fällen aber lediglich um eine "Narbe" im Blut, die über viele Jahre bestehen bleiben kann.
Die Krankheit verläuft typischerweise in drei Phasen (siehe weiter unten), die mit unterschiedlichen Beschwerden einhergehen. Die drei Stadien müssen allerdings nicht alle durchlaufen werden. Sie können schwerer, milder und in anderer Reihenfolge auftreten. Die Diagnose ist deshalb nicht immer leicht.
Oft leiden die Patienten außerdem an vieldeutigen Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, Fieber oder unspezifischen Gelenk- und Muskelschmerzen, für die auch andere Ursachen infrage kommen. Gerade bei Vorliegen unspezifischer und vieldeutiger Symptome sollte auf der Grundlage falsch interpretierter Blutwerte nicht vorschnell von der Diagnose einer (Neuro-)Borreliose ausgegangen werden.
Die Lyme-Borreliose kann sich an zahlreichen Stellen im Körper bemerkbar machen, vor allem an der Haut, dem Nervensystem, den Gelenken und dem Herz. Die Krankheit kann chronisch werden, verursacht aber auch dann nicht immer anhaltende Beschwerden. Zwischen einzelnen Krankheitsphasen liegen manchmal lange symptomfreie Intervalle.
Phase eins – Hautinfektion (Erythema migrans)
An der Stelle des Zeckenstichs bildet sich oft nach einigen Tagen bis zu etwa vier Wochen eine typische Rötung aus. Sie ist meist kreisrund und scharf abgegrenzt. In der Regel wird ihr Durchmesser langsam größer, die Mitte wird blasser. Weil sich die Hautveränderung in dieser charakteristischen Form ausbreitet, heißt sie auch Wanderröte (Erythema migrans). Die Wanderröte ist ein deutlicher Hinweis auf eine Lyme-Borreliose. Allerdings fehlt sie in jedem zweiten Fall.
Weitere Symptome sind Fieber, Bindehautentzündung sowie Kopf-, Muskel- und Gelenkbeschwerden. Eine rasche Therapie ist in diesem Stadium der Krankheit besonders wichtig. Denn je eher die Borreliose behandelt wird, desto eher lässt sich ein chronischer Verlauf verhindern.
Phase zwei – Ausbreitung im Organismus
Nach etwa einem bis vier Monaten haben sich die Krankheitserreger im Körper verbreitet. Ist das Nervensystem befallen (akute Neuroborreliose), können Schmerzen im Ausbreitungsbereich einzelner Nerven oder Lähmungserscheinungen auftreten, zum Beispiel die Lähmung eines Gesichtsnerven (Fazialisparese). Auch Sensibilitätsstörungen kommen vor. Seltener tritt eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) mit Fieber, Kopf- und Nackenschmerzen auf. Die Krankheitserreger können außerdem das Herz in Mitleidenschaft ziehen, was sich eventuell in Form von Herzrhythmusstörungen bemerkbar macht.
Phase drei – Chronisches Stadium
Späte Symptome stellen sich nach Monaten bis Jahren ein. Betroffen sind dann vor allem Gelenke, Haut und Nervensystem. Typischerweise entzünden sich einzelne oder wenige Gelenke – am häufigsten die Kniegelenke – und schmerzen (Lyme-Arthritis). Die Beschwerden können anhalten oder in Schüben auftreten.
Vor allem an Armen und Beinen verändert sich manchmal die Haut, wird dünner und verfärbt sich bläulich (Akrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer).
Auch eine chronische Gehirn- und Rückenmarkentzündung (chronische Neuroborreliose) mit Lähmungen kann ein Spätsymptom der Borreliose sein.
Die Lyme-Borreliose kann sich im ungünstigen Fall zu einem chronischen Leiden entwickeln. Eine über Jahre bestehende Lyme-Arthitis oder Lähmungserscheinungen können für die Betroffenen belastend sein. Selbsthilfegruppen für Menschen, die unter den Folgen einer Borrelieninfektion leiden, bieten Beratung, Hilfe und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch an.
www.apotheken-umschau.de / Dr. Bößenecker;
13.09.2005, aktualisiert am 23.11.2011
Bildnachweis: Mauritius Images/Photoresearchers, Panthermedia/Rilo Naumann
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