Wenn Tabletten den Blutdruck nicht senken

Nicht immer bekommen Patienten zu hohe Blutdruckwerte mit Medikamenten in den Griff. Welche Möglichkeiten es dann gibt

von Christian Krumm, aktualisiert am 27.04.2016

Im Blick: Bei Bluthochdruck sind regelmäßige Blutdruckkontrollen wichtig

W&B/ Martin Ley

Etwa 20 bis 30 Millionen Menschen in der Bundesrepublik haben einen zu hohen Blutdruck, schätzt die Deutsche Hochdruckliga. "Zu hoch" bedeutet in der Regel: Blutdruckwerte von 140/90 mmHg und höher. Unbehandelt drohen Folgeerkrankungen wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Mit Medikamenten bekommen Patienten das Problem meist in den Griff. Doch etwa jeder Siebte erreicht seine Zielwerte trotzdem nicht.

Das kann viele Ursachen haben: etwa, dass die blutdrucksenkenden Präparate nicht zuverlässig eingenommen werden oder die verordnete Dosis zu niedrig ist. Als "therapieresistent" gilt Bluthochdruck, wenn er trotz zuverlässiger Einnahme von drei verschiedenen, ausreichend hoch dosierten Wirkstoffen –  darunter ein harntreibendes Mittel – nicht in den Zielbereich gesenkt werden kann.


Mögliche Ursachen: Andere Arzneien oder eine Krankheit

In solchen Fällen ist zunächst Ursachenforschung wichtig. Zum Beispiel nehmen manche Betroffene zusätzlich Arzneien ein, die den Blutdruck in die Höhe treiben. Das kann etwa durch bestimmte Entzündungshemmer, Östrogene, Antidepressiva oder Neuroleptika passieren, die vor allem ältere Menschen häufig verschrieben bekommen.

Manchmal stecken aber auch Krankheiten hinter den ständig erhöhten Werten. Etwa ein Tumor, der blutdrucksteigernde Hormone produziert. Oder eine Gefäßverengung an den Nieren, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Blutdrucks spielen. In solchen Fällen kann eine gezielte Behandlung der eigentlichen Ursache, etwa die operative Entfernung des Tumors oder die Aufdehnung des verengten Gefäßes, das Problem beseitigen.

Auch ein Schlafapnoe-Syndrom, das mit nächtlichen Atemaussetzern einhergeht, zählt zu den möglichen Ursachen. Denn auf die Atempausen reagiert der Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen, die Puls und Blutdruck in die Höhe jagen. Wer nachts auffallend laute Schnarch- und Atemgeräusche macht und tagsüber ständig müde ist, sollte seinen Arzt darauf ansprechen. Bestätigt sich die Diagnose einer Schlafapnoe, kann eine spezielle Atemmaske für die Nacht nicht nur die Müdigkeit beseitigen – sondern auch den Blutdruck verbessern.


Prof. Hannes Reuter, Facharzt für Kardiologie an der Universität Köln

W&B / Malwine Rafalski

Individuelle Medikamententherapie

Doch längst nicht immer lässt sich eine Erklärung dafür finden, dass der hohe Blutdruck partout nicht sinken will. Wichtig sei dann, sagt Professor Hannes Reuter, Kardiologe am Universitären Hypertensiologiezentrum Köln, die medikamentöse Therapie optimal zu gestalten. Das heißt unter anderem: unterschiedlich wirkende, sich gut ergänzende blutdrucksenkende Mittel in der individuell effektivsten Dosis zu kombinieren – was oft Geduld erfordert.

Zudem können Ärzte in schwierigen Fällen auf verschiedene Reservemedikamente zurückgreifen. Dazu zählt etwa der Wirkstoff Spironolacton. Er hat einer aktuellen Studie von Wissenschaftlern um den britischen Kardiologen Professor Bryan Williams vom University College London zufolge großes Potenzial, hartnäckigen Bluthochdruck effektiv zu senken. Auch Substanzen, die die Blutdruckregulation im Gehirn beeinflussen oder die Blutgefäße erweitern, können helfen, erhöhte Werte in den Griff zu bekommen.


Blutdruckmessgerät

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Will der Blutdruck dennoch nicht sinken, gehen Spezialisten noch einen Schritt weiter. Bis vor Kurzem setzten sie dabei große Hoffnung auf ein Verfahren, bei dem blutdruckregulierende Nerven im Bereich der Nieren mittels eines Gefäßkatheters verödet werden. Weil eine Studie jedoch erhebliche Zweifel am Nutzen des "renale Denervation" genannten Verfahrens aufkommen ließ, wurde es vorläufig auf Eis gelegt. "Die Ergebnisse müssen aufgrund der widersprüchlichen Datenlage erst aufgearbeitet werden", sagt Reuter. Derzeit werde allerdings eine neue Methode getestet, bei der die Fasern des Sympathikusnervs um die Nieren herum mittels Ultraschall durch die Haut hindurch verödet werden.

Ähnlich wie ein Schrittmacher: die Baroflex-Aktivierung

Ein anderer, vielversprechender Ansatz für Menschen mit therapieresistentem Bluthochdruck ist die sogenannte Baroreflex-Aktivierung. Im Bereich der Halsschlagadern befinden sich Messfühler für den Blutdruck ("Barorezeptoren"). Steigt der Blutdruck, schicken diese Rezeptoren Signale an das Gehirn, das wiederum mit Signalen zur Blutdrucksenkung an Herz, Gefäße und Nieren reagiert.

"Bei Patienten, die längere Zeit zu hohen Blutdruck hatten, sind diese Barorezeptoren oft verstummt", erklärt Experte Reuter. Mittels eines implantierten Stimulators, ähnlich einem Schrittmacher, könne man sie wieder aktivieren. Das ermögliche eine zusätzliche Blutdrucksenkung von rund 25 mmHg nach zwölf Monaten.


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Bildnachweis: W&B/ Martin Ley, W&B / Malwine Rafalski

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