Herz und Kreislauf:
Bluthochdruck besiegen

Lebensgefährlich, wenn die Gefäße lange unter Druck stehen. Eine engagierte Therapie steuert gegen

Beim Training: Sven S.

Jahre mit starkem Übergewicht, mit Rückenproblemen und jeder Menge Frust. Viel davon hätte er sich ersparen können, denkt Sven S. (37) heute, wenn er vor zwölf Jahren die erste Warnung seines Körpers erkannt hätte. Ein entgleister Blutdruck hatte dem damals 25-Jährigen einen längeren Kuraufenthalt sowie ungezählte Arztbesuche beschert.

 

Blutdruckexperte Professor Dieter Klaus: Als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung lenkt er die Aufmerksamkeit auf eine Kernproblematik der Bluthochdrucktherapie: Viel zu viele Patienten erreichen die Zielwerte nicht.

Was der Bremer Kurierfahrer erlebte, ist in Deutschland nicht selten: Etwa 20 Millionen Männer und Frauen leben hier mit zu hohem Blutdruck –  von Ärzten Hypertonie genannt. Experten befürchten einen rasanten Anstieg der Patientenzahlen: „Zunehmend mehr Jugendliche sind zu dick, und Übergewicht ist ein entscheidender Risikofaktor für Hochdruck“, berichtet Professor Dieter Klaus, Internist und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Im Jahr 2025 könnte die Zahl der Hypertoniker auf bis zu 30 Millionen steigen.“

 

Das gesundheitliche Leid, das durch Hypertonie entsteht, ist schon heute immens groß. „Rund zwei Drittel der Schlaganfälle sowie die Hälfte der Herzinfarkte sind eine Folge von Bluthochdruck“, berichtet Privatdozent Till Höfs. Auch der Chefarzt der Herzklinik am Klinikum Magdeburg arbeitet im wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

 

Verheerungen ohne Schmerzen

 

Ab Werten von 140 zu 90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) sprechen Mediziner von einem leichten Bluthochdruck, ab 180 zu 100 von schwerem. Das Herz-Kreislauf-Risiko steigt zusätzlich, wenn weitere Faktoren hinzukommen.
 

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„Schätzungsweise ein Drittel der Patienten weiß überhaupt nichts von seinem Leiden“, beschreibt Höfs ein Kernproblem. Denn Hypertonie tut – zumindest anfangs – nicht weh. Die Kranken spüren lange nichts von den Verheerungen, die an ihren Blutgefäßen entstehen. Meist bereiten erst irreparable Folgeschäden Schmerzen.


Längst haben Studien bewiesen, dass konsequente Blutdrucksenkung die Gesundheits-Prognose deutlich verbessert. Der wichtigste Schritt, um der Gefahr zu entgehen: „Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck messen – und wenn Sie Hypertoniker sind, messen Sie ihn am besten auch selbst“, rät Höfs. Einmal erkannt, lässt sich das Problem fast immer beherrschen, vorausgesetzt, die Patienten engagieren sich für sich selbst. „Eine Bluthochdrucktherapie“, erklärt Höfs, „ist in der Regel eine lebenslange Notwendigkeit.“

Je früher die Behandlung beginnt, desto besser. „Neben einer konsequenten medikamentösen Therapie sind dazu Veränderungen im Lebensstil sehr wichtig“, erläutert Klaus: Bewegung, Abbau von Übergewicht, eine fettärmere, salzarme Ernährung, weniger Stress und ein Rauchstopp.

Bei sonst gesunden Menschen mit leichter Hypertonie kann allein schon diese Lebensumstellung den Blutdruck wieder in den normalen Bereich bringen. Betroffene mit stärkerem Hochdruck oder weiteren Erkrankungen müssen in der Regel lebenslang Medikamente einnehmen. Doch auch sie können durch die Veränderung ihrer Alltagsgewohnheiten das Risiko für Herz und Gefäße deutlich senken.

„Besonders in der körperlichen Aktivität steckt ein enormes Potenzial. Durch Bewegung wird nicht nur das Abnehmen unterstützt und der Stressabbau gefördert. Die Menschen gewinnen dadurch auch schnell an Lebensqualität“, ergänzt Professor Peter Billigmann, Allgemeinmediziner und Sportarzt aus Polch bei Koblenz.
 


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