Fragen an die Experten: Herz und Kreislauf
Hoher Blutdruck

Was ist eher auf hohen Blutdruck verdächtig: Ein hochroter Kopf oder plötzliche Blässe?

In Sachen Diagnose & Therapie ist und bleibt der Arzt Ansprechpartner Nr.1

Jeder kennt das: Wenn Karikaturisten oder Comic-Zeichner Menschen in Rage darstellen wollen, malen sie ihnen einen hochroten Kopf. Falsch ist das nicht. Ärger oder andere Emotionen lösen im Körper Stress-Alarm aus: Das Herz schlägt schneller und stärker, es wird mehr Blut gefördert und die Blutgefäße werden enger gestellt. Der Blutdruck steigt. Wie die rote Gesichtsfarbe anzeigt, gibt es auch Menschen, bei denen nicht alle Gefäße eng gestellt, sondern im Gegenteil sogar besser durchblutet werden. Dies hängt wahrscheinlich von einer individuell unterschiedlichen Reaktion auf die Stresshormone Adrenalin beziehungsweise Noradrenalin ab.

Allerdings verläuft nicht jeder Blutdruckanstieg so. Ebenso gut kann ein stärker Blutdruckanstieg bei Stress auch zu auffallender Gesichtsblässe führen – jeder kennt die Beschreibung: blass vor lauter Ärger!
In den meisten Fällen wird man aber einen Blutdruckanstieg an der Gesichtsfarbe überhaupt nicht ablesen können. 

Als Arzt muss man auch daran denken, dass es bestimmte Geschwulstarten gibt, die Stresshormone wie Adrenalin oder Noradrenalin (Sammelbegriff: Katecholamine) erzeugen. Eine Eigenart dieser Geschwülste ist es, dass sie meist anfallsartig blutdrucksteigernde Hormone ins Blut ausschütten. In der Folge kommt es dann zu krisenhaft ansteigendem Blutdruck, begleitet von schweren Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen und starkem Herzklopfen. In diesen Fällen werden die Patienten schlagartig blass. Andere Geschwulstarten wiederum regen die Produktion bestimmter Hormone an – Mediziner nennen das ein Karzinoid-Syndrom –, was zu einer plötzlich auftretenden Rötung des Gesichts und gelegentlich auch zu einem krisenhaften Blutdruckanstieg führen kann.

Die Gesichtsfarbe allein ist also kein verlässlicher Indikator zur Beurteilung des Blutdrucks und kann eine genaue Messung nicht ersetzen.

Professor Dr. med. Wolfram Delius, München



Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden. Aber diese Informationen können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten und Ihnen ergänzende Hinweise liefern.
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