Fragen an die Experten: Herz und Kreislauf
Bluthochdruck und niedriger Blutdruck

Wie entsteht erhöhter oder zu niedriger Blutdruck?

Der Normalwert für den Blutdruck hat sich aus großen Bevölkerungsstudien herauskristallisiert

Zunächst einmal: Die Natur kennt natürlich keinen festen Grenzwert für einen „normalen“ Blutdruck. Allerdings hat sich in großen Bevölkerungsuntersuchungen gezeigt, dass mit zunehmender Blutdruckhöhe das Risiko für Herz- und Kreislaufkrankheiten konstant wächst. Deshalb wurde von internationalen Fachgesellschaften ein Grenzwert festgelegt, über dem das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen signifikant zunimmt. Dieser Wert liegt bei 140/90 mmHg.

Der Blutdruck steigt immer dann, wenn die Blutgefäße durch Nervenimpulse – vom Kreislaufzentrum im Gehirn ausgehend – und durch kreislaufwirksame Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin oder Angiotensin enger gestellt werden. Dann nimmt der Gefäßwiderstand zu. Lässt der Gefäßwiderstand nach, fällt auch der Blutdruck wieder. Diese im Lauf der menschlichen Entwicklungsgeschichte auf einen optimalen Blutdruck von 120/80 mmHg austarierte Blutdruckeinstellung kann durch viele Faktoren, zum Beispiel Vererbung, Stress, Lebensstil (Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel) oder bestimmte Krankheiten, etwa eine Nierengefäßverengung oder eine hormonproduzierende Geschwulst, gestört sein. Stehen die arteriellen Blutgefäße dauerhaft unter gefäßverengenden Einflüssen, wird sich allmählich ein erhöhter Blutdruck etablieren.

Zu niedriger Blutdruck wird erst dann problematisch, wenn lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden können. Das ist in der Regel bei systolischen Blutdruckwerten unter 90 mmHg der Fall. Wenn der Blutdruck so tief sinkt, kann das Folge einer akuten Kreislaufregulationsstörung oder einer akuten Erkrankung sein. Beispiele für akute Kreislaufregulationsstörungen sind ein orthostatischer Kollaps (plötzlicher Blutdruckabfall im Stehen) oder ein Kreislaufschock. Letzterer wiederum kann als Folge schwerer akuter Erkrankungen wie Herzinfarkt, Lungenembolie, Blutvergiftung (Sepsis) oder erheblicher Blutverlust auftreten. Typische Begleiterscheinungen des akuten Blutdruckabfalls sind (oder können sein): Schwindel, Ohnmacht, blasses Gesicht, Schweißausbruch, Brustschmerzen.

Niedriger Blutdruck allein mit systolischen Werten zwischen 90 bis 110 mmHg ist dagegen kein Krankheitszustand und bedarf auch keiner Behandlung.


Professor Dr. med. Wolfram Delius, München


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