Über die Hälfte der 50-jährigen Menschen leiden an Bluthochdruck, aber nur jeder zweite davon weiß das auch. Ein erhöhter Blutdruck macht oft über viele Jahre hinweg keine oder nur geringe Beschwerden, und die Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchung werden immer noch zu wenig genutzt. Daher beginnt die Blutdrucksenkung mit Medikamenten in vielen Fällen erst sehr spät, und die Betroffenen sind oft schon im reiferen Alter. Gerade bei älteren Menschen können die üblichen Dosierungen der Blutdrucksenker aber häufig einen stärkeren Blutdruckabfall bewirken als bei jüngeren Menschen. In der Anfangsphase der Therapie sind Schwindel und Müdigkeit daher häufige Begleiterscheinungen. Oft kann das durch eine Anpassung der Dosis, den Einsatz besser verträglicher Medikamente oder eine Medikamentenverteilung, die den Blutdruckspitzen im Tagesverlauf angepasst ist, gemildert werden. Letztlich ist die Therapie bei älteren Patienten aber oft die Suche nach einem Kompromiss: Es gilt die gesundheitlichen Vorteile einer Blutdrucksenkung, allen voran die Verminderung des Risikos für Schlaganfall und Herzinfarkt, zu wahren, gleichzeitig aber dafür zu sorgen, dass der Schwindel als häufig nicht vermeidbare Nebenwirkung noch erträglich und gesundheitlich verträglich bleibt. So wird man sich im höheren Alter gelegentlich mit der Absenkung des Blutdrucks auf systolische Werte im Bereich von 140 bis 150 mmHg zufriedengeben müssen.
Professor Dr. med. Wolfram Delius, München
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