Rauchverzicht ohne Wenn und Aber
Wer sich den Glimmstängel abgewöhnen möchte, sieht sich in einem großen Angebot an Strategien gegenüber. Eine Bewertung ist hier nicht möglich. Während der eine auf die Schlusspunktmethode schwört, setzt der andere auf den langsameren Ausstieg. Ein Langzeiterfolg, sprich dauerhafte Abstinenz oder “Immunität gegen Rückfälligkeit”, ist bei keiner Methode gewiss. Eine interessante Studie zeigte, dass spontane, ungeplante Rauchstopps vergleichsweise länger anhielten als entsprechende Vorhaben nach Plan und Kalender. Möglicherweise entwickeln ein besonderes Ereignis, ein außergewöhnlicher Anlass, eine Schicksalswende stärkere Schubkraft als bloß der feste Wille, dem blauen Dunst abzuschwören. Psychologische Verfahren mit verhaltenstherapeutischem Ansatz – ob im gruppen- oder einzeltherapeutischen Rahmen – können rauchmüden Gemütern sicherlich sinnvolle Techniken an die Hand geben und ihre Motivation stärken.
Medikamentöse Hilfen zur Raucherentwöhnung:
Das sind zum einen die Nikotinersatzpräparate. Erhältlich sind sie als Kaugummi in zwei Wirkstärken und verschiedenen Geschmacksrichtungen, als Pflaster in verschiedenen Wirkstärken, sodann als Sublingualtablette, als Inhaler, als Lutschtablette (in zwei Wirkstärken, sowie als Nasenspray (hier stärkere Gefahr der Entwicklung einer Abhängigkeit, verschreibungspflichtig und inzwischen nur noch über internationale Apotheken zu beziehen).
Je nach Anwendung der Nikotinersatztherapie sind spezifische Probleme möglich, etwa allergische Reaktionen auf das Pflaster oder Missempfindungen und Brennen in Mund und Rachen bei der oralen Therapie. Nach einem nur kurze Zeit zurückliegenden Herzinfarkt oder bei Herzrhythmusstörungen sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit muss der Einsatz besonders streng abgewogen werden.
Auch die Nichtraucherpille mit dem Wirkstoff Bupropion ist verschreibungspflichtig. Bupropion erhöht die Konzentration bestimmter Nervenbotenstoffe im Gehirn. Die Lust am Glimmstängel und Entzugserscheinungen lassen nach. Bupropion soll die Abstinenzchancen verdoppeln. Der Arzt beurteilt, inwieweit der Einsatz im Einzelfall medizinisch gerechtfertigt ist. Eine begleitende psychologische Therapie wird als sinnvoll angesehen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Blutdruckanstiege (!), Schwindel, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Übelkeit und Verstopfung. Schwerer wiegt die Möglichkeit allergischer Reaktionen und Krampfanfälle.
Ein weiterer neuer Wirkstoff ist Vareniclin. Die Substanz dockt an Nikotin-Empfangsstellen im Gehirn an, senkt das Verlangen nach Nikotin und die Entzugssymptome während der Entwöhnung. Übelkeit, Schlaflosigkeit, aber auch Benommenheit – ein Risiko beim Autofahren oder Führen von Maschinen –, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung oder auch Verschlechterungen von Depressionen bis hin zu aufkommenden Selbstmordgedanken werden als Nebenwirkungen oder Beobachtungen in diesem Zusammenhang genannt. Die Substanz ist inzwischen in Deutschland zur Raucherentwöhnung zugelassen; sie soll die Abstinenzchancen von Tabakrauchern verdreifachen.
Vorteile der Raucherentwöhnung:
- Atemwegsinfekte: Sie treten, pro Jahr gerechnet, seltener auf.
- Herzinfarkt: Das Risiko sinkt innerhalb von ein bis zwei Jahren auf das eines Nichtrauchers.
- Schlaganfall: Das Risiko reduziert sich innerhalb von ein bis drei Jahren auf das eines Nichtrauchers.
- Verschlechterung der Lungenfunktion: Risiko verringert sich nach zehn Jahren auf das Ausgangsniveau.
- Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): Das Risiko, dass die Erkrankung fortschreitet, verringert sich.
- Durchblutung der Lunge: Sie verbessert sich schon innerhalb weniger Wochen.
- Krebsrisiko: Es sinkt; nach zehn bis 15 Jahren nähert es sich wieder dem eines Nichtrauchers an.