Blutdruckselbstmessung
Druckmessen in Eigenregie ist eine geradezu optimale, einfache und zuverlässige Möglichkeit, um den Blutdruck, auch wenn alles ganz normal ist, immer im Blick zu behalten. Insbesondere erhöhte Werte lassen sich besser in den Griff bekommen, wenn man weiß und seinem Arzt genau mitteilen kann, wie der Kreislauf auf den normalen Alltagsrhythmus reagiert oder was sich bei Einnahme eines Blutdrucksenkers ändert.
Zur Selbstmessung gibt es validierte elektronische Geräte für den Oberarm und das Handgelenk. Das Messprinzip ist heute überwiegend oszillometrisch (Druckpulsaufzeichnung). Die Apparate bieten heute viele Zusatzfunktionen, etwa die Speicherung von Blutdruck- und Pulswerten oder eine Mittelwertberechnung. Neue digitale Anwendungen wie Programme für Mobiltelefone (Apps) werden das Blutdruckselbstmessen künftig noch interessanter machen.
Die elektronischen Geräte bieten zahlreiche Zusatzfunktionen, etwa Speicherung einer bestimmten Anzahl von Druck- und Pulsmesswerten, Angabe des Tagesmittelwertes, Sprachausgabeeinheit für sehbehinderte Menschen, zum Teil PC-Schnittstelle, und bei Handgelenkmessgeräten eine Herzhöhenpositionsanzeige. Die Zahlenangaben auf den elektronischen Displays sind leichter lesbar als auf dem Zeigermanometer. Bei den Oberarm-Messgeräten wird die Manschette zwei bis drei Zentimeter oberhalb der Ellenbeuge positioniert. Dann liegt sie richtig, nämlich auf Herzhöhe.
Falls der Oberarmumfang von der Norm abweicht, kann die Manschette gegen eine breitere oder schmälere ausgetauscht werden. Oberarm-Messgeräte gelten nach wie vor als am genauesten und sind beispielsweise bei bestimmten Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) zu bevorzugen. Vor dem Kauf eines Gerätes empfiehlt sich unbedingt eine ärztliche Beratung.
Praktische Tipps:
Vorbeugung
Vorbeugung kommt nie zu spät! Ideal ist es natürlich, wenn der Blutdruck normal bleibt. Steigt er eines Tages doch, dann ist es höchste Zeit, Herz und Kreislauf nachhaltiger zu „pflegen“. Aus der Beschreibung der Risikofaktoren (siehe entsprechendes Kapitel) leitet sich ab, wie die Vorbeugung von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen funktioniert: Der Lebensstil macht’s!
Übergewicht sollte unbedingt vermieden werden. Eine gesunde Ernährung bringt viel, auch wenn es banal klingt, ebenso regelmäßige körperliche Bewegung. Beim Kochsalz und Alkohol heißt es sparen, und für den allgegenwärtigen Stress empfiehlt es sich, ihn nicht Überhand nehmen zu lassen. Neue Akzente setzen, den Alltag anders organisieren, Entspannungstechniken – hier gibt es durchaus Ansatzpunkte. Rauchverzicht? Na klar! Wichtig sind aber auch soziale Zufriedenheit und Lebensfreude: Vertrauensvolle Beziehungen zu nahe stehenden Menschen vermitteln Selbstgewissheit und Bindung, gemeinsame anregende wie entspannende Aktivitäten sind Balsam für Körper, Geist und Seele.
Gesunde Ernährung
Aufgrund zahlreicher positiver Studienergebnisse haben sich die Prinzipien der “Mittelmeerküche” am ehesten um das Herz verdient gemacht. Diese Prinzipien lauten:
Anders ausgedrückt: Hinsichtlich Fett und Eiweiß sollte sich das Augenmerk auf die Qualität, also gute pflanzliche Quellen richten, und bei Kohlenhydraten wie auch Kochsalz heißt es sparen; fünf bis sechs Gramm Kochsalz pro Tag genügen. Mit der Mittelmeerkost, der angenehm aromatische Kräuter wie Rosmarin, Oregano, Lorbeer, Thymian und Petersilie, Gewürze wie Safran und Peperoncini sowie natürlich Knoblauch, Zwiebeln, Kapern und Zitronen ihren unverwechselbaren, köstlichen Geschmack verleihen, lässt sich Kochsalz durchaus einsparen. Produkte und Speisen mit viel Haushaltszucker und aus fein ausgemahlenem Mehl ohne Vollkornanteil sind dagegen ungesunde, gleichwohl beliebte Kohlenhydratlieferanten. Ungesundes, gesättigtes Fett sowie zu viel Salz sind reichlich in verarbeiteten Lebensmitteln tierischer Herkunft enthalten.
Fazit: Kochsalzarme Ernährung senkt (bei entsprechender Salzempfindlichkeit) den Blutdruck um ungefähr 7,5 mmHg systolisch und 3,5 mmHg diastolisch.
Regelmäßige körperliche Bewegung
Ausdauersport mit leichter bis mittelschwerer Belastung trainiert Herz und Kreislauf in idealer Weise. Gerade auch bei Patienten mit unkomplizierter Hypertonie Grad 1 und 2 ist sportliche Betätigung ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Infrage kommen sowohl mäßiger Kraftsport als auch Ausdauersportarten. Bei Schweregrad 3 und / oder nachgewiesenen Organschäden durch den Bluthochdruck wird von Sport abgeraten (zu den Schweregraden siehe Kapitel „Diagnose (1)“). Dies gilt auch, wenn der Ruheblutdruck trotz gezielter medikamentöser Behandlung nicht unter 140/90 mmHg sinkt. Körperliche Bewegung, etwa Spazierengehen, ist jedoch auch in dieser Situation bei weitem empfehlenswerter als ständiger Bewegungsmangel.
Das sind die Pluspunkte körperlicher Bewegung:
Um einen blutdrucksenkenden Effekt zu erzielen, bedarf es mindestens eines Ausdauertrainings von drei- bis viermal 30 bis 40 Minuten pro Woche, etwa mit Radfahren, Schwimmen, moderatem Laufen, Walking/Nordic Walking. Den größten Gesundheitsgewinn erzielt, wer täglich etwa 300 kcal zusätzlich durch Bewegung verbraucht.
Fazit: Der systolische Druck sinkt dadurch um rund 10, der diastolische um bis zu 8 mmHg.
Machen Sie lieber keine "Gewaltkuren": Überflüssige Pfunde sollten besser langsam, dafür aber dauerhaft schwinden
Normalgewicht einhalten
Was Normal- und Übergewicht ist und was Letzteres im Hinblick auf Bluthochdruck bedeutet, steht schon im Kapitel „Ursachen und Risikofaktoren“. Um abzunehmen, muss die Energiebilanz negativ sein. Das heißt, es müssen nicht nur überschüssige Kalorien vermieden, sondern es muss auch der Tagesenergiebedarf an aufgenommenen Kalorien deutlich unterschritten werden.
Der Tagesenergiebedarf setzt sich aus dem Ruheenergieumsatz – der bezieht sich auf sämtliche Körperfunktionen in Ruhe – und dem zusätzlichen Leistungsumsatz zusammen. Dabei wird eine normale Tagesaktivität und geringe körperliche Aktivität zugrunde gelegt. Eine grobe Berechnung ergibt sich aus folgender Formel: (Sollgewicht minus 15%) x 35 kcal. Das Sollgewicht nach Broca entspricht der Körpergröße in cm minus 100. Es ist eine Bezugsgröße, die noch um 10 bis 15 % nach unten korrigiert werden kann, insbesondere wenn sich jemand körperlich wirklich kaum betätigt und wenig Muskelmasse aufzubieten hat.
Rund 2.000 kcal wären dann beispielsweise der Tagesenergiebedarf einer 50-jährigen Frau, 1,70 m groß und 70 Kilogramm schwer, Sitzberuf. Möchte die Dame abnehmen, müsste sie die 2.000 kcal unterschreiten. Dabei würde es ihr sehr helfen, nicht nur beim Essen auf die bekannten „Kalorienbomben“ zu verzichten, sondern auch beim Trinken. Vorsicht also bei kalorienreichen Colagetränken aller Art, Drinks und gesüßten Säften – auch „Smoothies“, also Säften mit festen Fruchtanteilen. Dasselbe natürlich für den kalorienträchtigen Alkohol.
Eine gesunde, fett- und kohlenhydratreduzierte Ernährung und mehr Bewegung als gewohnt: Diese Strategie ist jeder Schlankheitsdiät vorzuziehen und sollte die Gewichtsabnahme langsam, aber stetig voranbringen. Abgeraten wird besonders von kurzfristigen Crash- und Null-Diäten, unter anderem wegen ihres kontraproduktiven Jo-Jo-Effektes: Nach vorübergehendem Abwärtstrend – oft schwindet vor allem das Körperwasser dahin – klettert die Waage nach Ende der Diät wieder nach oben, weil sich am gewohnten Ernährungsverhalten nichts geändert hat.
Fazit: Pro 5 kg Gewichtsabnahme sinkt der Blutdruck um etwa 4,4 mmHg systolisch und 3,6 mmHg diastolisch.
Alkohol in Maßen
Auch beim Alkohol gibt es ein gesundes Maß. Nicht zuletzt wird der Kaloriengehalt (7,2 kcal je Gramm) häufig unterschätzt. Hält man sich an die zugegebenermaßen strengen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und bleibt unter 20 Gramm (Frauen) bzw. 30 Gramm pro Tag (Männer), so liegt man wohl richtig. Es gibt sogar Anhaltspunkte dafür, dass sehr maßvoller Weingenuss Herz und Kreislauf gut tut.
Rauchverzicht ohne Wenn und Aber
Wer sich den Glimmstängel abgewöhnen möchte, sieht sich in einem großen Angebot an Strategien gegenüber. Eine Bewertung ist hier nicht möglich. Während der eine auf die Schlusspunktmethode schwört, setzt der andere auf den langsameren Ausstieg. Ein Langzeiterfolg, sprich dauerhafte Abstinenz oder “Immunität gegen Rückfälligkeit”, ist bei keiner Methode gewiss. Eine interessante Studie zeigte, dass spontane, ungeplante Rauchstopps vergleichsweise länger anhielten als entsprechende Vorhaben nach Plan und Kalender. Möglicherweise entwickeln ein besonderes Ereignis, ein außergewöhnlicher Anlass, eine Schicksalswende stärkere Schubkraft als bloß der feste Wille, dem blauen Dunst abzuschwören. Psychologische Verfahren mit verhaltenstherapeutischem Ansatz – ob im gruppen- oder einzeltherapeutischen Rahmen – können rauchmüden Gemütern sicherlich sinnvolle Techniken an die Hand geben und ihre Motivation stärken.
Medikamentöse Hilfen zur Raucherentwöhnung:
Das sind zum einen die Nikotinersatzpräparate. Erhältlich sind sie zum Beispiel als Kaugummi in zwei Wirkstärken und verschiedenen Geschmacksrichtungen, als Pflaster in verschiedenen Wirkstärken, sodann als Lutschtablette (in zwei Wirkstärken).
Je nach Anwendung der Nikotinersatztherapie sind spezifische Probleme möglich, etwa allergische Reaktionen auf das Pflaster oder Missempfindungen und Brennen in Mund und Rachen bei der oralen Therapie. Nach einem nur kurze Zeit zurückliegenden Herzinfarkt oder bei Herzrhythmusstörungen sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit muss der Einsatz besonders streng abgewogen werden.
Auch die Nichtraucherpille mit dem Wirkstoff Bupropion ist verschreibungspflichtig. Bupropion erhöht die Konzentration bestimmter Nervenbotenstoffe im Gehirn. Die Lust am Glimmstängel und Entzugserscheinungen lassen nach. Bupropion soll die Abstinenzchancen verdoppeln. Der Arzt beurteilt, inwieweit der Einsatz im Einzelfall medizinisch gerechtfertigt ist. Eine begleitende psychologische Therapie wird als sinnvoll angesehen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Blutdruckanstiege (!), Schwindel, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Übelkeit und Verstopfung. Schwerer wiegt die Möglichkeit allergischer Reaktionen und Krampfanfälle.
Ein weiterer Wirkstoff ist Vareniclin. Die Substanz dockt an Nikotin-Empfangsstellen im Gehirn an, senkt das Verlangen nach Nikotin und die Entzugssymptome während der Entwöhnung. Zahlreiche Nebenwirkungen sind beschrieben, darunter Übelkeit, Schlaflosigkeit, aber auch Benommenheit – ein Risiko beim Autofahren oder Führen von Maschinen –, Kopfschmerzen, Brustschmerzen. Auch depressive Verstimmungen oder Verschlechterungen von Depressionen bis hin zu aufkommenden Selbstmordgedanken in diesem Zusammenhang werden beobachtet. Das ebenfalls verschreibungspflichtige Medikament soll die Abstinenzchancen von Tabakrauchern verdreifachen.
Vorteile der Raucherentwöhnung:
Soziale Zufriedenheit
Für soziale Harmonie und seelisches Gleichgewicht gibt es keine Patentrezepte. Dass beides ausgesprochen gut tut und daher erstrebenswert ist, ist eine Binsenweisheit. Praktisch gesehen kommt es darauf an, dem sozialen Umfeld – Familie und Freunde – genug Beachtung zu schenken, es wirklich wichtig zu nehmen und kontinuierlich zu pflegen. Es ist ein Prozess des Gebens und Nehmens, der das Leben bereichert und innere Kraft freisetzt. Mehr Gelassenheit und der Blick auf das Wesentliche helfen ebenfalls, den Alltagsstress gesünder zu bewältigen. Entspannungstechniken, etwa Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson (Progressive Relaxation) können ein Weg sein, die Energien noch mehr zu bündeln und ganz nebenbei auch den Blutdruck zu schonen.
Wichtige Informationen finden Sie außerdem bei:
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL©
Deutsche Hypertonie Gesellschaft
http://www.hochdruckliga.de
www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 09.05.2012
Bildnachweis: W&B/Martin Ley, PhotoDisc/ RYF, Image Source/ RYF, DigitalVision/RYF, Creativ Collection/RYF, Foto: Digital Vision, Digital Vision/ RYF, W&B/Jan Greune
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