Bluthochdruck (Hypertonie)
Ursachen und Risikofaktoren

Es gibt einen primären und sekundären Bluthochdruck. Primärer Bluthochdruck ist eine eigenständige Herz-Kreislauf-Erkrankung. Er wird durch alle Risikofaktoren gefördert, die sich gegen Herz und Gefäße richten, ist aber auch selbst ein solcher Risikofaktor. Der seltenere sekundäre Hochdruck tritt bei verschiedenen Erkrankungen, manchmal in der Schwangerschaft oder unter Medikamenten auf

Gefäßsystem unter Druck: Die Betroffenen merken davon meistens lange nichts. Der zu hohe Blutdruck schädigt die Gefäße. So gerät die Versorgung von Herz, Niere und Gehirn in Gefahr, und damit auch die Funktion dieser lebenswichtigen Organe

Blutdruck und Durchblutung 

 

Der systolische Druck baut sich auf, wenn das Herz sich zusammenzieht und das Blut ins Gefäßsystem pumpt. Der diastolische Druck entsteht, wenn das Herz wieder erschlafft, um sich erneut mit Blut zu füllen. Die Höhe des Blutdrucks wird jedoch in erster Linie durch Eng- oder Weitstellung der kleineren Organarterien, der sogenannten Widerstandsgefäße oder Arteriolen, reguliert. Dadurch ist beim Gesunden stets eine bedarfsgerechte Organdurchblutung gewährleistet. Je nach Messpunkt, Körperlage, Tageszeit und -ablauf sowie körperlicher Aktivität und seelischer Verfassung herrschen im arteriellen Gefäßsystem schon im Normalfall unterschiedlich hohe Druckwerte. Beim älteren Menschen steigt vor allem der systolische Blutdruck, weil die Elastizität der Arterien nachlässt. Dies entspricht der isolierten systolischen Hypertonie (siehe Kapitel "Früherkennung und Diagnostik (1)"). Doch auch die klassische primäre Hypertonie kommt mit zunehmendem Lebensalter häufiger vor. Hauptmerkmal ist ein erhöhter Gefäßwiderstand. Sowohl der systolische als auch der diastolische Druck tendieren zunächst einmal längere Zeit nach oben. Bis ins hohe Lebensalter ist eine medikamentöse Blutdrucksenkung vielfach erfolgversprechend (siehe Kapitel "Therapie").

 

Gesunde Arterien (oben im Bild) sind sehr elastisch, das Blut kann ungehindert fließen. Bei einem Bluthochdruck verdicken sich die Gefäßwände (unten im Bild). Sie verlieren an Elastizität. An der Gefäßinnenwand entstehen Ablagerungen, sogenannte Plaques.

Wer ist eigentlich betroffen?

 

 

Etwa 55% der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leiden an Bluthochdruck, das heißt, ihre Blutdruckwerte liegen dauerhaft über 140/90 mmHg. Doch ist das Lebensalter bei weitem nicht allein ausschlaggebend. Inzwischen ist Bluthochdruck auch bei Kindern und Jugendlichen angekommen. Risikofaktoren sind, wie bei Erwachsenen, Veranlagung, Bewegungsmangel, Übergewicht, im weiteren Sinne auch Typ-2-Diabetes, der heute Kinder und junge Menschen ebenfalls nicht mehr auslässt.

Problematisch ist auch, dass nur knapp die Hälfte der Betroffenen von ihrem Hochdruck wissen und dass bei weniger als 23 Prozent durch die Behandlung Normalwerte erreicht werden. In der Altersgruppe bis etwa 45 Jahren erkranken Frauen seltener an Bluthochdruck als Männer; danach gleicht sich der Unterschied nahezu aus.

 

 

Was passiert bei Bluthochdruck?

 

 

Man weiß heute, dass in der Frühphase der Druckerhöhung aus verschiedenen Gründen das sogenannte sympathische Nervensystem, ein Teil des vegetativen Nervensystems (vgl. Absatz Stress), vermehrt stimuliert ist. Seine Botenstoffe sind das Stresshormon Adrenalin und der Nervenüberträgerstoff Noradrenalin. Die nur der medizinischen Bezeichnung nach “sympathische” Überaktivität führt zu einer Reihe ungünstiger Wirkungen am Herz-Kreislauf-System, aber auch im Stoffwechsel. Eine große, den Blutdruck mindestens ebenso stark beeinflussende Dynamik geht vom körpereigenen Renin-Angiotensin-System (RAS) aus. Angiotensin II ist maßgeblicher Bestandteil dieses Systems und spielt gerade auch bei der Entwicklung von Bluthochdruck und den Folge- beziehungsweise sogenannten Zielorgan- oder Endorganschäden eine bedeutsame Rolle. Die Wirkungen von Angiotensin II oder auch des Systems insgesamt abzuschwächen sind wichtige Angriffspunkte der modernen Hochdrucktherapie (vgl. Kapitel "Therapie").  

 

Hochdruck schädigt gezielt die empfindliche Gefäßauskleidung, das Endothel, und ist damit einer der zentralen Risikofaktoren für Arteriosklerose. Sowohl die Schlagadern als auch der Herzmuskel werden unter anhaltender Druckerhöhung steifer, dicker und weniger leistungsfähig. Entwickeln sich zusätzlich zur verminderten Elastizität arteriosklerotische Veränderungen, wird der Gefäßdurchmesser signifikant kleiner (siehe Abbildung oben), und der Widerstand gegenüber dem Blutfluss ist deutlich erhöht. Schwerwiegende Folgen eines nicht oder unzureichend behandelten Hochdrucks sind Schlaganfall, Herzkranzgefäßerkrankungen (Koronare Herzkrankheit) bis hin zum Herzinfarkt, Herzschwäche, Nierenversagen und Erblindung. Bluthochdruck ist die dritthäufigste Todesursache weltweit.

 

Primärer Bluthochdruck 

 

Die Risikofaktoren sind klar definiert und großteils über den Lebensstil beeinflussbar: bauchbetontes Übergewicht (Bauchfettsucht), zu hoher Salzverbrauch (bei entsprechender Salzempfindlichkeit), zu starker Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, chronische Stressbelastung, Rauchen, und nicht zuletzt die Arteriosklerose selbst. Auch Erbfaktoren, Alter und Geschlecht spielen beim Bluthochdruck eine Rolle. Die erbliche Komponente, also "Veranlagung", dürfte die Wirkung der anderen Risikofaktoren verstärken. 

 

Hautfalte

Bauchbetontes Übergewicht: Es liegt vor, wenn der Taillenumfang bei Männern 102 cm und bei Frauen 88 cm überschreitet. Die Grenzen sind unabhängig von der Körpergröße. Eine weitere Richtschnur ist der Body-Mass-Index (BMI): Körpergewicht (in kg) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in m).
Übergewicht beginnt bei einem BMI von 25 kg/m2, ab 30 kg/m2 besteht eine Fettsucht. Das innere Bauchfett löst eine ganze Reihe komplizierter Stoffwechselveränderungen aus, beispielsweise eine verminderte Ansprechbarkeit der Leber-, Muskel- und Fettgewebszellen auf das zuckersenkende Hormon Insulin. Dieser Umstand heißt Insulinresistenz. Der Körper benötigt dann mehr Insulin, und dies führt letztlich dazu, dass auch der Blutdruck steigt und sich eine Zuckerstoffwechselstörung, der Diabetes mellitus Typ 2, anbahnt. Hier droht sogar ein doppeltes Problem: Die Insulinresistenz kann im Rahmen der Fettsucht sogar zu einer Therapieresistenz des Hochdrucks führen. Dann lässt er sich – trotz Ausschöpfung der medikamentösen Möglichkeiten – nicht ausreichend senken (siehe Kapitel "Therapie").

 

Kochsalz: Natriumchlorid, gemeinhin Speise- oder Kochsalz genannt, kann vor allem bei entsprechender Empfindlichkeit Bluthochdruck begünstigen. Dabei reagieren die an der Druckregelung maßgeblich beteiligten kleineren Arterien, die Arteriolen, empfindlicher auf Kreislaufhormone. Der durchschnittliche Kochsalzkonsum ist in Deutschland mit ca. 10-12 Gramm pro Tag sicher deutlich zu hoch. Insbesondere Bei Bluthochdruck wird eine Obergrenze von täglich 6 Gramm empfohlen. Zu viel Kochsalz kann auch eine blutdrucksenkende Behandlung erschweren.

 



Alkohol
: Akut in größerer Menge konsumiert, erhöht das Genussgift den Blutdruck vorübergehend, und bei dauerndem "Zuspruch" chronisch. Dann schadet Alkohol nicht nur Blutdruck, Herz und Kreislauf, sondern auch anderen empfindlichen Organen wie der Leber.

Rauchen: Der blaue Dunst greift die Gefäße, vorzugsweise die Herzkranzgefäße und Beinarterien, gezielt von innen an. Sprichwörtlich bekannt ist das Raucherbein: Schmerzhafte Durchblutungsstörungen mit zunehmend eingeschränkter Gehstrecke machen den Betroffenen das Leben schwer. Es drohen Gewebeschäden und Amputationsgefahr. Die beim Rauchen (übrigens auch von Wasserpfeifen!) aufgenommenen Schadstoffe, insbesondere sogenannte freie Radikale, zerstören das gefäßerweiternde Potenzial der zarten Auskleidung der Gefäße, des Endothels. Dadurch fördern sie die Arteriosklerose (siehe unten). Auch die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtern sich. Wie Sie vom Nikotin loskommen, lesen Sie im Kapitel "Wissenswertes für Patienten".

 

 

Bewegungsmangel: Körperliche Inaktivität schwächt den Körper nahezu global, ganz abgesehen davon, dass sie den Fettansatz steigert. Herz, Kreislauf und Lungen körperlich inaktiver Menschen arbeiten unökonomisch; schon bei kleinen Anstrengungen, die Trainierte locker wegstecken, reagieren Puls und Blutdruck hochtourig. Knochen, Muskeln und Gelenke verlieren an Substanz, der Stoffwechsel ist unterfordert und einseitig auf
Mehrung statt Verbrauch der Fettdepots ausgerichtet. Sogar das Gehirn wird träger und die Psyche anfälliger.

 

 

Stress: Kann er lange Zeit nicht überwunden oder ausgeglichen werden, treibt Stress den Blutdruck über den Schalter des vegetativen Nervensystems nach oben. Das vegetative Nervensystem, besonders der “Sympathikus” genannte Anteil, steuert viele lebenswichtige Funktionen, darunter eben Blutdruck und Kreislauf. Der Sympathikus stellt die Weichen für schnelle Leistungssteigerungen und ist daher auch direkt an der Stressreaktion beteiligt. Dämpfende Impulse werden über den “Parasympathikus” genannten Anteil des vegetativen Systems vermittelt – Entspannung und Stressausgleich haben also auch eine physiologische Grundlage. Unbewältigter Stress führt im übrigen auch zu Schlafstörungen, die den Blutdruck wiederum ungünstig beeinflussen.

 

Arteriosklerose und Bluthochdruck

Da die Arteriosklerose mit Bluthochdruck gepaart ist, dazu noch kurz einige Informationen. Deutlich gefäßschädigend wirken sich Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen aus. Dies gipfelt in der für Herz und Gefäße denkbar heikelsten Konstellation, nämlich dem metabolischen Syndrom. Dabei liegen gleich mehrere, mindestens aber drei der nachfolgend genannten Haupt-Herzkreislauf-Risiken vor. Das sind ein hoch normaler Blutdruck (ab 130/85 mmHg) oder Bluthochdruck, bauchbetontes Übergewicht (siehe oben), erhöhte Nüchtern-Blutzuckerspiegel (über 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l) bis hin zu Diabetes, ein zu niedriges, gefäßschützendes HDL-Cholesterin (Männer: unter 40 mg/dl, Frauen: unter 50 mg/dl) sowie ein kritischer Triglyzeridspiegel des Blutes von mindestens 150 mg/dl. Eine andere Bezeichnung für Triglyzerid ist Neutralfett. Auch wenn blutfett- und/oder blutdrucksenkende Medikamente eingenommen werden müssen, werden die zugrunde liegenden Regulationsstörungen als Risikosituation eingestuft. 

 

Sekundärer Bluthochdruck 

 

Spezielle Risikofaktoren und Vorbeugemöglichkeiten der sekundären Hypertonie sind nicht bekannt. Allerdings beobachten Hochdruckspezialisten heute zunehmend ein Phänomen, welches sie "echte therapieresistente Hypertonie" nennen. Dabei sprechen die Patienten ungenügend auf die eigentlich alle Möglichkeiten ausschöpfende Therapie an. Einige der manchmal verantwortlichen Faktoren sind (auch vorbeugend) beeinflussbar: Fettleibigkeit, zu hohe Kochsalzaufnahme und überhöhter Alkoholkonsum. Mehr zu diesem Thema im Kapitel "Früherkennung und Diagnostik (2)". Eine gesunde Lebensweise ist also in jedem Fall der beste “Garant” für Gefäßgesundheit und körperliche Fitness. Rauchverzicht schont nicht zuletzt die Nieren, die bei jeder Hypertonieform ursächlich in die Entwicklung oder Verfestigung des Bluthochdrucks einbezogen sind oder es werden.


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