Wer ist eigentlich betroffen?
Etwa 55% der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland leiden an Bluthochdruck, das heißt, ihre Blutdruckwerte liegen dauerhaft über 140/90 mmHg. Doch ist das Lebensalter bei weitem nicht allein ausschlaggebend. Inzwischen ist Bluthochdruck auch bei Kindern und Jugendlichen angekommen. Risikofaktoren sind, wie bei Erwachsenen, Veranlagung, Bewegungsmangel, Übergewicht, im weiteren Sinne auch Typ-2-Diabetes, der heute Kinder und junge Menschen ebenfalls nicht mehr auslässt.
Problematisch ist auch, dass nur knapp die Hälfte der Betroffenen von ihrem Hochdruck wissen und dass bei weniger als 23 Prozent durch die Behandlung Normalwerte erreicht werden. In der Altersgruppe bis etwa 45 Jahren erkranken Frauen seltener an Bluthochdruck als Männer; danach gleicht sich der Unterschied nahezu aus.
Was passiert bei Bluthochdruck?
Man weiß heute, dass in der Frühphase der Druckerhöhung aus verschiedenen Gründen das sogenannte sympathische Nervensystem, ein Teil des vegetativen Nervensystems (vgl. Absatz Stress), vermehrt stimuliert ist. Seine Botenstoffe sind das Stresshormon Adrenalin und der Nervenüberträgerstoff Noradrenalin. Die nur der medizinischen Bezeichnung nach “sympathische” Überaktivität führt zu einer Reihe ungünstiger Wirkungen am Herz-Kreislauf-System, aber auch im Stoffwechsel. Eine große, den Blutdruck mindestens ebenso stark beeinflussende Dynamik geht vom körpereigenen Renin-Angiotensin-System (RAS) aus. Angiotensin II ist maßgeblicher Bestandteil dieses Systems und spielt gerade auch bei der Entwicklung von Bluthochdruck und den Folge- beziehungsweise sogenannten Zielorgan- oder Endorganschäden eine bedeutsame Rolle. Die Wirkungen von Angiotensin II oder auch des Systems insgesamt abzuschwächen sind wichtige Angriffspunkte der modernen Hochdrucktherapie (vgl. Kapitel "Therapie").