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Bluthochdruck (Hypertonie)
Ursachen und Risikofaktoren

Bluthochdruck kommt in zwei Formen vor: als primäre und sekundäre Erkrankung. Primärer Bluthochdruck ist eine der häufigsten Kreislaufkrankheiten. Der viel seltenere sekundäre Hochdruck tritt infolge anderer Erkrankungen auf, manchmal auch in der Schwangerschaft oder unter Medikamenten


Es gibt einen oberen (systolischen) und einen unteren (diastolischen) Blutdruckwert. Hier ein Bild zur Langzeitmessung

Vorab: Über den Blutdruck

Wie kommt der Blutdruck überhaupt zustande? Der Herzzyklus durchläuft zwei Phasen: Die Pump-Phase (Systole) und die Blutfüllung (Diastole). In den Gefäßen baut sich dementsprechend ein systolischer und diastolischer Druck auf. Der (höhere) systolische Druck entsteht, wenn das Herz sich zusammenzieht und das Blut in die Gefäße pumpt. Der (niedrigere) diastolische Druck ergibt sich, wenn das Herz wieder erschlafft, um sich erneut mit Blut zu füllen. Außerdem beeinflussen die elastischen, herznahen großen Schlagadern wie auch die kleineren Organschlagadern (Widerstandsgefäße) den diastolischen Druck. Die Druckverhältnisse passen sich dem aktuellen Bedarf des Körpers durch erhöhte Herzleistung und durch Eng- oder Weitstellung der Widerstandsgefäße an. Dadurch ist stets eine ausreichende Durchblutung gewährleistet.

Der Blutdruck ist also keine konstante Größe. Tageszeitliche Schwankungen sind normal. Auch körperliche Aktivität und die seelische Verfassung beeinflussen ihn. Die Unterschiede zwischen Menschen mit normalem und erhöhtem Druck werden vor allem bei den Durchschnittswerten tagsüber und nachts deutlich.



Bei Bluthochdruck verdicken sich die Gefäßwände und werden steifer. Es bilden sich Ablagerungen

Bei älteren Menschen kann mit nachlassender Elastizität und Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose) der systolische Blutdruck deutlicher steigen. Der diastolische Druck dagegen fällt manchmal wieder ab. Diese Veränderung wird isolierte systolische Hypertonie (siehe Kapitel „Diagnose (1)“) genannt.

Allerdings entwickelt sich auch die klassische primäre Hypertonie, bei der sowohl der systolische als auch der diastolische Druck nach oben tendieren, mit zunehmendem Lebensalter sehr häufig (siehe nächster Abschnitt). Bis ins hohe Lebensalter wird jeweils eine medikamentöse Blutdrucksenkung auf möglichst normale Werte empfohlen (Kapitel „Therapie“). Liegt ein sekundärer Bluthochdruck vor, wird angestrebt, die zugrunde liegende Ursache zu beheben. Ist das nicht möglich, muss der Blutdruck wie bei primärer Hypertonie mit Medikamenten gesenkt werden. Manchmal wird dieser Weg auch zuerst beschritten.

Wer ist überhaupt von Bluthochdruck betroffen?

Etwa 55% der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland hat Bluthochdruck, also Druckwerte über 140/90 mmHg. Bis etwa 45 Jahre erkranken Frauen seltener an Bluthochdruck als Männer; danach gleicht sich der Unterschied aus. Nur knapp die Hälfte der Betroffenen wissen, solange sie noch beschwerdefrei sind, von ihrem Problem. Dadurch verlieren sie wichtige Jahre der Korrektur. Inzwischen ist Bluthochdruck leider auch bei jungen Menschen angekommen, hauptsächlich infolge von Übergewicht. Es gehört bei allen Altersgruppen, ebenso wie Bewegungsmangel oder im weiteren Sinne auch der Typ-2-Diabetes (der Kinder und junge Menschen heute ebenfalls nicht mehr verschont), zu den beeinflussbaren Risikofaktoren.

Was passiert bei Bluthochdruck?

In der Frühphase der Druckerhöhung wird aus verschiedenen Gründen das „sympathische Nervensystem“, das zum vegetativen Nervensystem gehört (sehe unten: „chronischer Stress“), vermehrt aktiviert. Seine Botenstoffe sind das Stresshormon Adrenalin und der Nervenüberträgerstoff Noradrenalin. Die bloß dem Namen nach „sympathische“ Überaktivität führt zu einer Reihe ungünstiger Effekte am Herz-Kreislauf-System. Auch auch im Stoffwechsel gibt es nachteilige Effekte, was sich wiederum an den Gefäßen auswirkt.

Außerdem wird der Bluthochdruck vom sogenannten Renin-Angiotensin-System (RAS) aufrechterhalten. Namentlich seine Komponente Angiotensin II beeinflusst den Blutdruck maßgeblich. Hier setzt die moderne Behandlung von Bluthochdruck an (vgl. Kapitel „Therapie“).

Mit den erhöhten Blutdruckwerten sind auch Schäden der empfindlichen Gefäßauskleidung, des Endothels, verbunden. Dadurch kommt es leicht zu Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose). Arteriosklerotische Auflagerungen engen die Lichtung der Gefäße ein, die Schlagadern verlieren an Geschmeidigkeit. Dem Blutstrom wird durch die verengten Gefäße mehr Widerstand entgegengesetzt, was den Blutdruck wiederum erhöht – ein Teufelskreis entsteht. Im Bereich der linken Herzkammer nimmt die Muskelmasse zu, was für die Herzarbeit eher nachteilig ist. Schwerwiegende Folgen eines nicht oder unzureichend behandelten Hochdrucks sind Schlaganfall, Herzkranzgefäßerkrankungen (Koronare Herzkrankheit) bis hin zum Herzinfarkt, Herzschwäche und Nierenversagen. Aufgrund dieser Folgeschäden wird Bluthochdruck indirekt zur dritthäufigsten Todesursache weltweit.


Was sind die Riskofaktoren?

Bei primärem Bluthochdruck sind die Risikofaktoren klar definiert und großteils über den Lebensstil beeinflussbar:


- Bauchbetontes Übergewicht (Bauchfettsucht)

- Zu hoher Salzverbrauch

- Zu starker Alkoholkonsum

- Rauchen

- Bewegungsmangel

- Chronischer Stress


Erbanlagen, Alter und Geschlecht – also nicht regulierbare Faktoren – spielen allerdings ebenfalls eine Rolle. Bei „Veranlagung“ zu Bluthochdruck können die vom Lebensstil abhängigen Risiken leichter Einfluss nehmen.

Im Einzelnen:


Übergewicht: Nicht nur die Fettpolster als solche, sondern ihre Verteilung spielen eine Rolle, wenn es darum geht, mögliche Kreislaufrisiken einzuschätzen. Besonders dem Bauch und der Taille gilt heute das Augenmerk. Hier lässt sich sehr einfach mit dem Taillenumfang Maß nehmen. Wenn er bei Männern (derzeit) 102 und bei Frauen 88 Zentimeter überschreitet, so ist das ein „dickes“ Warnzeichen, und zwar unabhängig von der Körpergröße. Mit der Taille wächst das Gesundheitsrisiko. So könnte sich zum Beispiel in absehbarer Zeit ein Typ-2-Diabetes entwickeln. Für Herz und Kreislauf verheißt das nichts Gutes.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass das Bauchfett zahlreiche ungünstige Veränderungen im Körper auslöst. Zum Beispiel sprechen Leber-, Muskel- und Fettgewebszellen schlechter auf das zuckersenkende Hormon Insulin an (Insulinresistenz). Der Körper benötigt dann mehr Insulin. Das führt letztlich dazu, dass auch der Blutdruck steigt. Zudem erhöht sich das Risiko für eine Zuckerstoffwechselstörung, den zuvor schon erwähnten Typ-2-Diabetes. Die Insulinresistenz kann im Rahmen der Fettsucht sogar zur Folge haben, dass der Hochdruck sich hartnäckig festsetzt.

Eine weitere „Gewichtsgröße“ ist der Body-Mass-Index (BMI). Damit wird das Körpergewicht beurteilt. Berechnet wird der BMI, indem man das Körpergewicht (in kg) durch das Quadrat der Körpergröße (in m) teilt. Übergewicht beginnt bei einem BMI von 25 (kg/m2), ab 30 (kg/m2) besteht eine Fettsucht.

Da auch nomal- oder untergewichtige Menschen vermehrt Bauchfett entwickeln können, ist bei ihnen der zusätzliche Blick auf die Taille unerlässlich, wenn es darum geht, ein mögliches Herzrisiko abzuschätzen. Wer es im Vorfeld selbst angehen möchte, hat neben Blutdruckkontrollen und BMI-Bestimmung zusätzlich mit dem Messen des Taillenumfangs eine gute Handhabe. Weiteres ergibt sich bei Bedarf aus ärztlichen Untersuchungen.


Kochsalz: Natriumchlorid, gemeinhin Speise- oder Kochsalz genannt, kann Bluthochdruck begünstigen. Dabei reagieren die an der Druckregelung maßgeblich beteiligten kleineren Arterien, die Arteriolen, empfindlicher auf Kreislaufhormone. Der durchschnittliche Kochsalzkonsum ist in Deutschland mit etwa acht bis zwölf Gramm pro Tag zu hoch. Insbesondere bei Bluthochdruck wird eine Obergrenze von täglich fünf bis sechs Gramm empfohlen. Maßgebliche Salzquellen sind Brot, Brotbeläge (Wurstwaren, Schinken, Käse) wie überhaupt industriell verarbeitete Lebensmittel. Zu viel Kochsalz kann auch eine blutdrucksenkende Behandlung erschweren. Mehr dazu siehe Kapitel „Wissenswertes für Patienten“.


Alkohol: Akut in größerer Menge konsumiert, erhöht das Genussgift den Blutdruck vorübergehend, und bei dauerndem Zuspruch chronisch. Dann schadet Alkohol nicht nur Blutdruck, Herz und Kreislauf, sondern auch anderen empfindlichen Organen wie Leber und Gehirn.


Rauchen: Der blaue Dunst greift die Gefäße an, besonders die Herzkranzgefäße und Beinarterien. Die beim Rauchen (übrigens auch von Wasserpfeifen!) aufgenommenen Schadstoffe, insbesondere sogenannte freie Radikale, zerstören das gefäßerweiternde Potenzial der zarten Auskleidung der Gefäße, des Endothels. Dadurch fördern sie die Arteriosklerose (siehe unten). Auch die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtern sich. Sprichwörtlich bekannt ist das Raucherbein: Schmerzhafte Durchblutungsstörungen mit zunehmend eingeschränkter Gehstrecke machen den Betroffenen das Leben schwer. Es drohen Gewebeschäden mit Amputationsgefahr. Wie Sie vom Nikotin loskommen, lesen Sie im Kapitel „Wissenswertes für Patienten“.


Bewegungsmangel: Körperliche Inaktivität schwächt den Körper auf der ganzen Linie, abgesehen davon, dass sie den Fettansatz steigert. Herz, Kreislauf und Lungen körperlich inaktiver Menschen arbeiten unökonomisch. Schon bei kleinen Anstrengungen, die Trainierte locker wegstecken, reagiert das Herz hochtourig. Knochen, Muskeln und Gelenke verlieren an Substanz, der Stoffwechsel ist unterfordert und einseitig auf Anbau statt Abbau der Fettdepots ausgerichtet. Sogar das Gehirn wird träger und die Psyche anfälliger.

Regelmäßige, moderate Bewegung mündet in einen gesünderen Lebensstil, erhöht das Wohlbefinden und kann vor vielen Krankheiten, darunter Bluthochdruck, schützen. Bei hypertonen Menschen trägt körperliche Aktivität oft dazu bei, erhöhte systolische und diastolische Druckwerte erfolgreich zu senken.


Stress: Wird er lange Zeit nicht ausgeglichen oder überwunden, kann Stress den Blutdruck über den Schalter des vegetativen Nervensystems nach oben treiben. Das vegetative Nervensystem, besonders der „Sympathikus“ genannte Anteil, steuert viele lebenswichtige Funktionen, allen voran Blutdruck und Kreislauf. Der Sympathikus stellt die Weichen für schnelle Leistungssteigerungen und ist daher auch direkt an der Stressreaktion beteiligt. Dämpfende Impulse werden über den „Parasympathikus“ genannten Anteil des vegetativen Systems vermittelt – Entspannung und Stressausgleich haben also auch eine physiologische Grundlage. Unbewältigter Stress führt außerdem oft zu Schlafstörungen. Auch sie beeinflussen den Blutdruck ungünstig.


Welche Rolle spielt die Arteriosklerose?

Gefäßverkalkung ist ein komplexer Schädigungsprozess und Alterungsvorgang der Gefäße. Maßgeblich beschleunigt wird er durch Rauchen, Fett- sowie Zuckerstoffwechselstörungen und Bluthochdruck. Beim sogenannten metabolischen Syndrom ist eine Arteriosklerose praktisch vorprogrammiert. Hier liegen gleich mehrere, mindestens aber drei der nachfolgend genannten Herzkreislauf-Risiken vor:

- Hoch normaler Blutdruck (ab 130/85 mmHg) oder Bluthochdruck

- Bauchbetontes Übergewicht (siehe oben)

- Erhöhte Nüchtern-Blutzuckerspiegel (über 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l) bis hin zu Diabetes

- Ein zu niedriges, gefäßschützendes HDL-Cholesterin (Männer: unter 40 mg/dl, Frauen: unter 50 mg/dl) sowie ein kritischer Triglyzeridspiegel des Blutes von mindestens 150 mg/ dl (Triglyzeride sind Neutralfette).

Diese zusätzlichen Parameter hat der Arzt auch im Blick, wenn erstmals ein Bluthochdruck festgestellt wird. So kann er sich ein genaueres Bild von den möglichen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren beim Betroffenen machen und entsprechende Therapien vorschlagen.

Risikofaktoren bei sekundärem Bluthochdruck 

Spezielle Risikofaktoren und Vorbeugemöglichkeiten der sekundären Hypertonie-Formen sind nicht bekannt. Manchmal gibt es aber gewisse Überschneidungen zwischen den primären und sekundären Formen.

Zum Beispiel kann als Folge der Arteriosklerose und Ursache eines dann möglicherweise schwer beherrschbaren Bluthochdrucks manchmal eine Verengung der Nierenarterie auf einer oder beiden Seiten festgestellt werden. Allerdings ist das eher eine seltene Form des sekundären Bluthochdrucks (siehe Kapitel „Diagnose (2)“). Die Betroffenen sind meistens über 55 Jahre alt, häufig auch Raucher. Die Arteriosklerose erstreckt sich bei ihnen oft noch auf andere Gefäße. Dass Rauchen Gefäßverkalkungen fördert, wurde schon gesagt. Offenbar spielt es auch bei einer anderen Form der Nierenarterienverengung, der sogenannten fibromuskulären Hyperplasie, als Risikofaktor teilweise eine gewisse Rolle.

Nicht zuletzt wird auch bei Patienten mit Schlafapnoe (Kapitel „Diagnose (2)“) nicht selten die eine oder andere, durch den Lebensstil beeinflussbare Problematik entdeckt, die das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen erhöht: Übergewicht, Zucker- und Fettstoffwechselerkrankungen, Rauchen und Bluthochdruck.



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www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 23.01.2012
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