Bluthochdruck (Hypertonie): Therapie

Gegen Bluthochdruck bewähren sich seit langem Medikamente. Eine gefäßfreundliche Lebensweise und die Behandlung auslösender Grunderkrankungen gehören immer zur Therapie
aktualisiert am 16.05.2017

Medikamente können den Blutdruck nachhaltig senken

PhotoDisc/ RYF

Gegen Bluthochdruck bewähren sich seit langem Medikamente. Eine gefäßfreundliche Lebensweise und die Behandlung auslösender Grunderkrankungen gehören immer zur Therapie dazu. Mehr dazu lesen Sie im Kapitel "Bluthochdruck – Wissenswertes". Wann also Medikamente?

Die Behandlung mit Blutdrucksenkern wird eingeleitet, wenn ein gesünderer Lebensstil nicht in die Tat umgesetzt werden kann, wenn der erhöhte Blutdruck sich nach einigen Monaten nicht im wünschenswerten Maße gebessert hat, oder wenn die gemessenen Blutdruckwerte von Anfang an sehr hoch sind. Liegen zusätzliche Herz-Kreislauf-Risikofaktoren vor, etwa ein Diabetes (Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes), gilt es, den Blutdruck besonders sorgfältig im Normalbereich zu halten (siehe "Zielwerte") und natürlich auch den Risikofaktoren gegenzusteuern. Für den Blutzucker heißt das zum Beispiel, normnahe Werte zu erreichen.

Sind bereits hochdruckbedingte Organschäden eingetreten, beispielsweise an den Nieren oder am Herzen, oder besteht eine Herzkranzgefäßerkrankung (Koronare Herzkrankheit), dann ist eine umfassende Behandlung notwendig.


Allgemeine Zielwerte der Blutdrucksenkung

  • Generell sollte der Druck nach derzeitigen Empfehlungen auf Werte unter 140/90 mmHg gesenkt werden. Ausnahmen: hochbetagte Menschen (bedingt) und Schwangere mit Bluthochdruck (siehe unten, Abschnitt "Schwangerschaft").

Zielblutdruck in speziellen Situationen

  • Auch im höheren Lebensalter liegt – wie bei Jüngeren – die Grenze zum Hochdruck derzeit bei 140/90 mmHg und das Behandlungsziel darin, erhöhte Werte zu normalisieren. Die sogenannte SPRINT-Studie hat eine Diskussion über niedrigere Blutdruckzielwerte bei Patienten mit maßgeblichem Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, auch bei älteren Menschen, in Gang gesetzt. Mehr dazu im Abschnitt "Zur Sprint-Studie: Was ändert sich jetzt?" weiter unten.

    Die Therapie wird, eine normale Behandlungssituation vorausgesetzt, behutsam eingeleitet und der Blutdruck in kürzeren Abständen kontrolliert. Bei Hochdruckpatienten über 80 Jahren sollte der systolische Druck vorsichtig und unter regelmäßiger Überprüfung auf 150/90 mmHg oder darunter gesenkt werden. Die Therapie hängt natürlich vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. Prinzipiell eignen sich alle Medikamente.
  • Patienten mit Diabetes mellitus sollten nach den Leitlinien der europäischen Hypertoniegesellschaft (siehe Kapitel "Bluthochdruck – Fachliteratur" in diesem Beitrag) auf Blutdruck-Werte unter 140/85 mmHg eingestellt werden. Falls bei einem Diabetiker ein beginnender Nierenschaden festgestellt wurde, wird eine Behandlung des Blutdrucks auch bereits bei hoch normalen Werten empfohlen. Die Therapie hat hier unter anderem zum Ziel, die Nieren abzuschirmen. Auf einen beginnenden Nierenschaden kann zum Beispiel eine vermehrte Eiweißausscheidung hinweisen (siehe Abschnitt "Urineiweiß-Differenzierung" im Kapitel "Bluthochdruck – Diagnose").

Blutdrucksenker im Überblick

Zur medikamentösen Behandlung des Hochdrucks stehen folgende Medikamente, einzeln oder kombiniert einsetzbar, zur Verfügung:

  • Diuretika
  • ACE-Hemmer
  • AT-1-Rezeptor-Antagonisten
  • Betarezeptorenblocker
  • Kalziumantagonisten
  • Reninantagonist Aliskiren und ältere Reservearzneistoffe

Diuretika

In diese Rubrik gehören Thiaziddiuretika, Schleifendiuretika und kaliumsparende Diuretika. Bei diesen reihen sich auch sogenannte Aldosteronantagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon ein. Diuretika senken schon in niedriger Dosis den Blutdruck. Sie wirken zunächst gefäßerweiternd, ab einer bestimmten Dosis steigern sie die Kochsalzausscheidung und reduzieren im gleichen Zuge das Flüssigkeitsvolumen im Körper. Diuretika eignen sich besonders zur Kombination mit anderen Blutdrucksenkern, da sie auch in niedriger Dosierung deren Wirkung verstärken. Bei Herzschwäche und Nierenschwäche sind sie unverzichtbar.

Insbesondere Thiaziddiuretika können den Cholesterin-, Fett- und Zuckerstoffwechsel ungünstig beeinflussen. Die Ausscheidung der Harnsäure kann beeinträchtigt (Folge: der Harnsäurespiegel im Blut steigt, ein Problem, wenn jemand zu Gicht neigt), die von Kalium und Magnesium gesteigert werden (Folge: Kalium- und Magnesiummangel, oft ungünstig bei Neigung zu Herzrhythmusstörungen). Dennoch wird der Arzt individuell entscheiden, ob die mit einem Thiaziddiuretikum erreichte Drucksenkung nicht doch mehr Vor- als Nachteile für die Gesundheit bringt.

ACE-Hemmer, AT-1-Rezeptorantagonisten und der Reninantagonist Aliskiren

ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptor-Antagonisten und die Substanz Aliskiren senken den Blutdruck, indem sie in das körpereigene Renin-Angiotensin-(Aldosteron-)System (RAS) eingreifen.

In Kürze: Das Enzym Renin aktiviert den Stoff Angiotensin I, der durch das Enzym ACE (Abkürzung für Angiotensin converting enzyme) in Angiotensin II umgewandelt wird. Angiotensin II ist ein hochwirksamer Blutdruckstimulator. ACE-Hemmer blockieren seine Bildung, allerdings nicht vollständig, da Nebenwege offen bleiben. AT-1-Rezeptor-Antagonisten hemmen vor allem die sehr blutdruckwirksame Angiotensin-II-Bindung an den AT-1-Rezeptor. Mehr dazu im Kapitel "Bluthochdruck – Ursachen, Risikofaktoren".

Beide Arzneistoffgruppen können diabetische Nierenschäden verlangsamen und das Risiko für einen Schlaganfall senken. Die Dämpfung des RAS ist günstig beim Hochdruckherz (verdickte und/oder vergrößerte linke Herzkammer) sowie bei einer Herzmuskel- und Nierenschwäche. Wenn sich unter einem ACE-Hemmer ein Reizhusten einstellt, ist der Wechsel zu einem AT-1-Rezeptor-Antagonisten empfehlenswert.

Der Arzneistoff Aliskiren, der derzeit nicht zu den Blutdrucksenkern der ersten Wahl gehört, hemmt die Aktivität des Enzyms Renin, insofern der Name Reninantagonist. Dadurch werden deutlich weniger Angiotensin I, Angiotensin II und Aldosteron aktiv, der Druck sinkt. Zu den häufigen Nebenwirkungen von Aliskiren gehört Durchfall. RAS-wirksame Blutdrucksenker im "Doppelpack" (duale RAS-Blockade durch einen ACE-Hemmer und einen AT-1-Rezeptor-Antagonisten) werden nicht empfohlen. Für Aliskiren besteht diesbezüglich sogar eine Gegenanzeige, nämlich bei Patienten, die einen Diabetes oder eine Nierenfunktionsstörung haben.

Betarezeptorenblocker

Betarezeptorenblocker (kurz: Betablocker) schirmen den Organismus gegen die Wirkung des antreibenden Sympatikus beziehungsweise der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ab, indem sie die entsprechenden Empfangsstellen oder Rezeptoren an den Zellen blockieren. Es gibt verschiedene solcher Rezeptoren. Beta-1-Rezeptor-selektive Arzneistoffe wie zum Beispiel Metoprolol oder Bisoprolol zielen dabei besonders auf die Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin am Herzen; nicht beta-1-selektiv sind Propranolol oder Pindolol. Sie können beispielsweise auch gegen Migräne eingesetzt werden. Andere Betablocker, die als Nebeneffekt mehr oder weniger deutlich die Gefäße erweitern können, sind zum Beispiel Carvedilol und Nebivolol. So ist etwa Carvedilol auch bei arterieller Verschlusserkrankung der Beine (pAVK, Verkalkung der Beinarterien) vertretbar, sofern nicht schwer ausgeprägt.

Nicht angezeigt (kontraindiziert) sind Betablocker bei Bronchialasthma, schweren chronischen Lungenkrankheiten (Ausnahme zum Beispiel: COPD), ausgeprägten Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen (zu Carvedilol siehe oben), akuter Herzschwäche, deutlich verlangsamtem Herzschlag oder Herzblock. Vorsicht geboten ist bei einer Betablockerbehandlung von Diabetikern, die zu Unterzuckerungen neigen. Zudem können Betablocker einen Diabetes bei entsprechender Veranlagung begünstigen. Auch Patienten, die an einer Depression, Schuppenflechte (Psoriasis) oder erektilen Dysfunktion leiden, sollten möglichst keine Betablocker einnehmen.

Der Stellenwert der Betablocker in der Hochdrucktherapie hat sich verändert. Für Patienten mit einem Hochdruckherz, mit einem überaktiven Sympathikus-Nervensystem, mit einer Herzkranzgefäßerkrankung, nach einem Herzinfarkt oder mit Herzschwäche ist ihr therapeutischer Nutzen unumstritten. Die Schutzwirkung im Hinblick auf das Schlaganfallrisiko ist weniger ausgeprägt, für einen Herzinfarkt dagegen gut belegt.

Kalziumantagonisten

Gegen Bluthochdruck werden lang wirksame wirksame Kalziumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ, etwa Amlodipin oder Lercanidipin, eingesetzt. Sie bremsen den Einstrom von Kalzium in die Zellen, entspannen die Gefäßmuskulatur und verbessern so die Elastizität der Gefäße. Daher sind sie auch bei "stabiler" Herzkranzgefäßerkrankung (Koronare Herzkrankheit) geeignet. Das Schlaganfallrisiko beeinflussen sie günstig, und Diabetes ist keine Einschränkung. Mögliche unerwünschte Effekte sind Gesichtsrötungen, Kopfschmerzen, Fußschwellungen, Schlafstörungen, Hautreaktionen.

Bewährte Medikamentenkombinationen

Bei der Ersttherapie wird oft eine niedrig dosierte Medikamentenkombination eingesetzt. Infrage kommt beispielsweise ein Hemmer des RAS plus ein Kalziumantagonist. Diese Kombination scheint sich besonders bei Hochdruckpatienten anzubieten, die wegen bestimmter Begleiterkrankungen, etwa Diabetes oder Koronare Herzkrankheit, ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben. RAS-Hemmer oder Betablocker können auch mit einem Diuretikum gepaart werden. Die Kombination eines ACE-Hemmers und eines AT-1-Rezeptor-Antagonisten, also von RAS-Blockern, ist nicht empfehlenswert.

Wann ist der beste Einnahmezeitpunkt?

Die Regel lautet: Einnahme zu Beginn der Aktivphase. Viele Betroffene kommen mit der morgendlichen Einnahme ihres Medikamentes tatsächlich auch gut zurecht. Manchmal ist jedoch die Anwendung eines der Medikamente oder eines weiteren am Abend günstig, um den Blutdruck nachts oder tags wie nachts noch besser in den Griff zu bekommen. Bei zu tiefen Blutdruckwerten in der Nacht ist die abendliche Einnahme dagegen nicht sinnvoll. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt dazu beraten.


Blutdruckkontrolle in der Arztpraxis: Erst nach Beruhigung wird gemessen

W&B/Jan Greune

Weißkittelhochdruck und maskierter Hochdruck: Harmlos oder heimtückisch?

Es kommt immer wieder vor, dass Patienten bei der Blutdruckmessung in der Arztpraxis erhöhte Werte haben – manchmal schon, bevor sie den Arzt erblicken. Messen sie zu Hause nach, ist alles im grünen Bereich. Ein Fall von Weißkittelhochdruck? Bei der mutmaßlich maskierten Hypertonie ist es genau umgekehrt: Der Arzt misst einen normalen, allenfalls grenzwertigen Blutdruck, während Selbstmessungen der Betroffenen eindeutig erhöhte Werte ergeben. Pure Aufregung das eine, systematischer Messfehler das andere?

Klarheit kann in beiden Fällen in der Regel eine ambulante Langzeitblutdruckmessung bringen – anhand des mittleren Blutdrucks in 24 Stunden und des Blutdruckverlaufes tagsüber und nachts. Der sogenannte Weißkittelhochdruck ist nicht weiter besorgniserregend, wenn sich bei genauerer Prüfung der Blutdruck als normal (oder normalisiert) und mögliche Risikofaktoren als gut kontrolliert erweisen.

Der maskierte, vermeintlich normale oder mit Medikamenten gut eingestellte, de facto aber unkontrollierte Blutdruck ist die problematischere Variante, weil er häufig mit "heimlichen" Herzkreislaufrisiken einhergeht  – von Dauerstress bis Rauchen, von Bauchfett bis Diabetes, von Übergewicht bis Schlafapnoe. Letztere betrifft häufiger Männer unter 65 Jahren, und offenbar nicht einmal wenige. Hier heißt es: aufpassen, den Blutdruck zuverlässig kontrollieren und optimieren. Das Kapitel "Bluthochdruck – Ursachen, Risikofaktoren" informiert Sie genauer.


Wenn die Therapie nicht anschlägt – Einnahmeprobleme & Co. ?

Anfangs ist Geduld gefragt: Die meisten Blutdrucksenker erreichen erst nach drei bis vier Wochen ihre volle Wirkung. Erst dann lässt sich der Therapieerfolg beurteilen. Das gilt auch, wenn die Dosis erhöht wird. Tatsächlich benötigen viele Patienten eine Dreifachkombination aus den empfohlenen Medikamenten, darunter ein Diuretikum. Bei hartnäckig hohen Werten kann der Arzt ein Medikament aus der zweiten Reihe wählen: Moxonidin, Minoxidil, alpha-Methyldopa. Lässt sich der Druck damit nicht unter 140/90 mmHg senken, gilt er als therapieresistent.

Dann können verschiedene Hindernisse vorliegen. Infrage kommen zum Beispiel andere Medikamente, welche die Wirkung der Drucksenker durchkreuzen. In diesem Fall müsste die Therapie, soweit machbar, umgestellt werden. Es kann auch sein, dass die Blutdruckmedikamente selbst zu nachteiligen Reaktionen des Körpers führen. Andere Gründe sind eine unregelmäßige oder unzureichende Einnahme.

Oft sind auch die Folgen eines ungesunden Lebensstils ausschlaggebend, der eigentlich beeinflussbar ist: Bewegungsmangel, zu hoher Salz- und Alkoholkonsum, Fettleibigkeit. Auch hier wird der Arzt spezielle Therapieoptionen prüfen, um dem Problem beizukommen. Schließlich kann eine sekundäre Hypertonie vorliegen, die bislang noch nicht bekannt ist (mehr dazu wiederum im Kapitel "Bluthochdruck – Diagnose"). Den Weißkitteleffekt, also einen nur in der Arztpraxis erhöhten Blutdruck, hat der Arzt bei dieser Problematik durch eine Langzeitblutdruckmessung in der Regel ausgeschlossen (siehe oben).

Ausweg: Baroreflex-Schrittmacher?

Eine Möglichkeit bei schwer behandelbarem Bluthochdruck ist eventuell die sogenannte Barorezeptor-Stimulation. Barorezeptoren sind spezielle Blutdruckregler in der Wand der Halsschlagadern. Sie reagieren auf Dehnungen der Gefäßwand und senden ihre Impulse an das Kreislaufzentrum im Gehirn. Dieses veranlasst notwendige Anpassungen, etwa der Herztätigkeit und des Gefäßtonus. Bei hartnäckigem Bluthochdruck kann die Empfindlichkeit der Barorezeptoren verändert sein, drucksenkende Impulse können ausbleiben. Die künstliche Stimulation mit einem Schrittmacher überspielt das gewissermaßen.

Dafür wird in einem chirurgischen Eingriff ein Zugang zur Halsschlagader geschaffen und eine Elektrode untergebracht, mit der sich die dort liegenden Barorezeptoren reizen lassen. Der angeschlossene Impulsgeber wird unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut platziert. Das Verfahren wird derzeit noch geprüft. Es kann die Medikamententherapie wohl meist nicht vollständig ersetzen.


Schwindel, Atemnot, Engegefühl der Brust sind Alarmzeichen

Dynamic Graphics/ John Foxx/ RYF

Was tun bei einer Blutdruckkrise?

Krisenhafte Blutdruckanstiege sind immer ein Alarmzeichen. Die Betroffenen spüren die sich anbahnende Entgleisung oft, aber durchaus nicht immer. Schwindel, Unruhe, Angst, Zittern, Panikgefühle, Atemnot, Engegefühl der Brust – das sind mögliche Anzeichen.

Entscheidend ist nicht allein das Ausmaß des momentanen Druckanstieges. Vielmehr sind mögliche Reaktionen sensibler Organe – Herz und Herzkranzgefäße, Hauptschlagader, Gehirn, Nieren, Augen – Gradmesser für die Gefährlichkeit der Situation. Treten also im Zuge der Druckerhöhung Brustschmerzen, ausgeprägte Atemnot, Sehstörungen oder sogar ein Kollaps auf, ist das ein absoluter Notfall; eine Behandlung in der Klinik ist unumgänglich.

Demgegenüber lässt sich eine starke Erhöhung des Blutdrucks ohne alarmierende Begleitsymptome meist gut beherrschen. Der Druck wird hier eher langsam gesenkt. Dies ist oft ambulant möglich. Vor allem dann, wenn der Hochdruck bereits bekannt und medikamentös eingestellt worden ist, noch keine Organschäden durch den Bluthochdruck eingetreten sind und eine engmaschige ärztliche Kontrolle gesichert ist. Oft legen sich sehr hohe Werte nach etwas Ruhe wieder von selbst. Um mögliche Gefahren abzuwenden, rufen Sie aber in jedem Fall Ihren Hausarzt an. Er wird Ihnen sagen, was zu tun ist und wie Sie sich jetzt am besten verhalten.


Zur Sprint-Studie: Was ändert sich jetzt?

Die 2015 publizierte US-amerikanische SPRINT-Studie könnte den Weg zu niedrigeren systolischen Blutdruckzielwerten – unter 120 mmHg – weisen, zumindest bei bestimmten Patientengruppen. Der Grund: Das Risiko für bedrohliche Herzkreislauferkrankungen lässt sich bei ihnen durch intensivere Blutdrucksenkung noch besser beeinflussen als bisher gedacht.

Wie stark der Blutdruck bei einem Patienten sinken sollte, ist und bleibt jedoch eine Entscheidung, die der Arzt individuell mit dem Betroffenen trifft. Dieser sollte für seine Verhältnisse optimale Werte erreichen und sich dabei wohlfühlen. Eine erste Konsequenz aus der rund drei Jahre lang laufenden Studie könnte sein, dass Ärzte künftig noch mehr danach schauen, wie weit sie bei der Blutdrucksenkung im Einzelfall gehen können.

Dass die intensiver behandelte Gruppe zum Beispiel mit einer um 25 Prozent niedrigeren Rate an schwerwiegenden Herz-Kreislaufkrankheiten deutlich besser abschnitt als die konventionell behandelte Vergleichsgruppe (Zielwert: unter 140 mmHg), ist jedenfalls ein Ansporn.

Wenn es nach der Studie geht, können zum Beispiel Patienten über fünfzig Jahren mit einem systolischen Ausgangsblutdruck von 130 bis 180 mmHg und erhöhtem Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche profitieren. Nach der derzeitigen Definition würde, wer bei Blutdruckwerten um 130 mmHg liegt, dagegen noch nicht als Hochdruckpatient gelten. Es leuchtet ein, dass Kardiologen die durch die Studie aufgeworfenen Fragen nun dringend klären möchten – auch im Lichte anderer, in einigen Punkten gegenteiliger Ergebnisse anderer Studien.

Im Schnitt dürfte die neue Strategie einen Blutdrucksenker mehr und zusätzliche ärztliche Kontrollen pro Patient bedeuten. In vielen Fällen werden die Beteiligten – Ärzte wie Patienten – von einer bislang gut funktionierenden Therapie begründbar nicht abrücken wollen. Somit behalten die aktuell gültigen Empfehlungen vorerst ihre Berechtigung. Das gilt auch für die Vorgaben bei Diabetikern (siehe oben, Abschnitt: "Zielblutdruck in speziellen Situationen").


Schilddrüse: Manchmal der Schlüssel zur Behebung von Bluthochdruck

W&B/Szczesny

Behandlung bei sekundärer Hypertonie

Die Therapie gestaltet sich hier nach Möglichkeit ursachenbezogen. So lassen sich zum Beispiel Funktionsstörungen der Schilddrüse, die mit einem Zuviel oder Zuwenig an Schilddrüsenhormon einhergehen, gezielt behandeln. Dann sollte sich neben anderen Beschwerden auch der Blutdruck normalisieren.

Tumoren der Nebennieren

- Mit vermehrter Aldosteronbildung (primärer Hyperaldosteronismus, Conn-Syndrom): Ein Nebennierentumor nur auf einer Seite kann beispielsweise mittels Bauchspiegelung (laparoskopische Adrenalektomie) entfernt werden. Bei einem beidseitigen Nebennierenrinden-Tumor können Medikamente vom Typ der Aldosteronantagonisten den Blutdruck senken. Dies gilt auch für eine ein- oder beidseitige Vergrößerung der Nebennierenrinde (Hyperplasie).

- Morbus Cushing: Auch hier ist die Ursache ausschlaggebend für die Therapie. Ein Tumor der Nebennierenrinde, der eigenständig Kortison bildet, kann in einer Operation oder einem laparoskopischen Eingriff entfernt werden. Spezielle Therapien sind bei Ursachen wie einem Tumor der Hirnanhangdrüse angezeigt. Am häufigsten liegt einem Morbus Cushing aber eine Langzeit-Hormonbehandlung mit Kortison oder ACTH wegen einer anderen Erkrankung, etwa einer Autoimmunkrankheit, zugrunde. Die behandelnden Ärzte bemühen sich hier stets, notwendiges Kortison so sparsam wie möglich zu dosieren. Leider haben die bei der Therapie von Autoimmunkrankheiten eingesetzten Medikamente häufig Nebenwirkungen. Der Arzt wird versuchen, die Therapie insgesamt bestmöglich auszubalancieren und Nebenwirkungen so weit wie möglich zu vermeiden.

- Phäochromozytom: Häufig kommt hier eine laparoskopische oder operative Tumorentfernung nach medikamentöser Vorbehandlung als Schutz vor Blutdruckentgleisungen zum Einsatz. Andernfalls kann eine spezielle medikamentöse Therapie helfen. Bei bösartigen Phäöchromozytom-Formen kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine nuklearmedizinische Strahlentherapie infrage kommen.

Nierenarterienstenose

Verursacht eine arteriosklerotische Nierengefäßverengung den Bluthochdruck, wird häufig eine medikamentöse Therapie eingeleitet. Zum Beispiel bietet sich hier ein Arzneimittel an, welches in das schon mehrfach genannte Renin-Angiotensin-(Aldosteron-)System (RAS) eingreift. Allerdings müssen der Blutdruck und die Nierenfunktion unter dieser Behandlung engmaschig kontrolliert werden. Wenn sich das Krankheitsbild verschlechtert oder schon Komplikationen aufgetreten sind, kann im Einzelfall ein Kathetereingriff, bei dem das Gefäß erweitert und meist noch eine Gefäßstütze eingelegt wird (Stentangioplastie), oder ein gefäßchirurgischer Eingriff erfolgen. Die Therapieentscheidung treffen die Ärzte individuell nach sorgfältiger Prüfung. Bei der seltenen fibromuskulären Nierenarterienstenose (fibromuskuläre Dysplasie, siehe Kapitel "Bluthochdruck – Diagnose") – sie kommt eher bei jüngeren (weiblichen) Patienten mit Bluthochdruck vor –, ist ein Kathetereingriff in der Regel erfolgversprechend.

Obstruktives Schlafapnoesyndrom

Die Therapie der Schlafapnoe zielt bei übergewichtigen Patienten auf gewichtsreduzierende Maßnahmen ab. Auslöser wie Alkohol oder beruhigende Schlafmittel gilt es zu meiden. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel wie zum Beispiel Unterkiefer-Biss-Schienen (Protrusionsschienen). Standardtherapie ist die nächtliche nasale Überdruck(be)atmung mit einer Atemmaske. Die Atemtherapie kann dazu beitragen, den Blutdruck zu senken beziehungsweise das Ansprechen auf blutdrucksenkende Medikamente zu verbessern. Andernfalls kann eine spezielle Schrittmachertherapie (upper airway stimulation) helfen. Manchmal kommen auch HNO-ärztliche, kieferorthopädische und kieferchirurgische Maßnahmen in Betracht.


Schwangere Frauen mit Bluthochdruck werden engmaschig ärztlich überwacht

W&B/Forster & Martin

Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Als leichter bis mittelschwerer Schwangerschaftshochdruck gelten Blutdruckwerte zwischen 140 bis 159 mmHg systolisch oder von 90 bis 109 mmHg diastolisch. Ein neu in der Schwangerschaft auftretender Bluthochdruck gehört zu den schwangerschaftsbedingten Erkrankungen (Fachbegriff: Gestosen). Manchmal kann es in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft zu Komplikationen kommen, etwa einer Präeklampsie (mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Bluthochdruck – Diagnose").

Mögliche Anzeichen sind ein deutlicher Eiweißverlust über die Nieren, häufig auch vermehrte Flüssigkeitseinlagerung. Letztere tritt allerdings bei Schwangeren recht häufig auf, wie auch ein leichter Blutdruckanstieg für sich genommen nicht unbedingt alarmierend sein muss. Sollten mehrere Faktoren zusammenkommen oder andere Verdachtsmomente bestehen, wird der Frauenarzt die Betroffene über die üblichen Schwangerschaftsuntersuchungen hinaus engmaschig kontrollieren. Das gibt allen Beteiligten mehr Sicherheit, und eine eventuell nötige Behandlung kann rechtzeitig eingeleitet werden.

Schwangere mit Bluthochdruck sollten sich körperlich schonen, gegebenenfalls auch Bettruhe einhalten. Sie sollten sich außerdem ausgewogen ernähren und die gewohnte Salzaufnahme beibehalten (also nicht salzarm essen). Von entwässernden Maßnahmen ist abzusehen. Wenn nötig und möglich – meist bei einem Blutdruckniveau ab 150 bis 160 systolisch und ab 100 mmHg diastolisch – wird ein zu hoher Druck behutsam mit einem Medikament gesenkt, um die Schwangere vor Komplikationen zu schützen. Bei Risikofaktoren wie zum Beispiel frühere Präeklampsie, vorliegende Nierenerkrankung, chronischer Bluthochdruck (schon vor der Schwangerschaft vorhanden), Diabetes in der Schwangerschaft, Alter über 40 Jahren oder Fettleibigkeit behandeln Frauenärzte die Betroffenen von der 16. bis zur 34. Schwangerschaftswoche außerdem mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure.

Nach den aktuellen Leitlinien soll eine Schwangere bei Blutdruckwerten ab 150 mm Hg systolisch oder 100 mmHg diastolisch in der Klinik vorgestellt werden. Hier kann der Gesundheitszustand von Mutter und Kind genau abgeklärt und über die medikamentöse Behandlung entschieden werden. Auch diese sollte in der Klinik stattfinden. Bei Verdacht auf eine beginnende Präeklampsie ist eine Klinikeinweisung unbedingt notwendig.

Falls der Hochdruck schon vor der Schwangerschaft bekannt war und medikamentös behandelt wurde, wird der Arzt die Behandlung auf ein in der Schwangerschaft geeignetes Medikament umstellen.

Standardmedikament ist alpha-Methyldopa, in der normalen Hochdrucktherapie inzwischen ein Reservemittel. Möglich sind außerdem zum Beispiel Kalziumantagonisten, etwa Nifedipin, allerdings nicht im ersten Drittel der Schwangerschaft. Das Medikament kommt auch infrage, wenn ein deutlich erhöhter Blutdruck akut gesenkt werden muss. Ziel ist, Mutter und Kind so effektiv wie möglich vor Komplikationen des Hochdrucks zu schützen. Die einzige ursachenbezogene, mitunter unvermeidliche Therapie ist eine vorzeitige Entbindung. Etwa drei Monate nach der Entbindung überprüft der Arzt routinemäßig den Blutdruck und Urinbefund.
Mehr Infos zu Erkrankungen in der Schwangerschaft auf unserem Partnerportal www.baby-und-familie.de



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