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Bluthochdruck (Hypertonie)
Diagnose (1)

Den Blutdruck beispielsweise ab Mitte Dreißig von Zeit zu Zeit selbst messen und vom Arzt kontrollieren lassen – so einfach ist die Früherkennung der Hypertonie


Bluthochdruck: Das Wichtigste ist erst mal, überhaupt daran zu denken

Ab Mitte Dreißig sollte man den Blutdruck von Zeit zu Zeit kontrollieren. Noch besser wäre es, regelmäßig die kostenlos angebotenen Herz-Kreislauf-Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Ab 35 Jahren bezahlen die Krankenkassen alle zwei Jahre einen solchen Check-up.

In vielen Fällen wird das Ergebnis normal ausfallen. Werden jedoch zu hohe Blutdruckwerte festgestellt, geht es als Nächstes um die Frage: „Liegt ein Bluthochdruck vor, und wenn ja, ist er primär oder sekundär?“. Die Diagnostik beginnt mit einem Basisprogramm. Bei Verdacht auf einen sekundären Hochdruck oder Folgekrankheiten schließen sich ergänzende Untersuchungen an.


Das Basisprogramm umfasst folgende Schritte: 

- Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) 

- Ausführliche körperliche Untersuchung mit Messung des Blutdrucks

- Untersuchung des Blutes und des Harns (labormedizinische Untersuchung)

- Ableitung eines Elektrokardiogramms (EKG)

- Langzeit-Blutdruckmessung

Die Krankengeschichte des Patienten und seiner nahen Verwandten gibt dem Arzt oft schon wichtige Hinweise, insbesondere im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die Einnahme von Medikamenten kommt zur Sprache. Bei der körperlichen Untersuchung stehen Herz und Gefäße im Mittelpunkt: Abhören von Herz und Lungen mit dem Stethoskop, Pulstastung, vor allem aber die Blutdruckmessung. Ebenfalls relevant: Die Überprüfung der Körpergröße und des Gewichts.


Blutdruckmessung

Nach einer Ruhepause von wenigen Minuten wird der Druck zweimal kurz nacheinander gemessen. Eine einzelne Gelegenheitsmessung genügt nicht. Denn die in der Arztpraxis erhobenen Einzelwerte können spontan sowohl zu hoch sein (sogenannter Weißkitteleffekt, täuscht manchmal ein fehlendes Ansprechen auf die Therapie vor), als auch gelegentlich zu niedrig (versteckter oder maskierter Hochdruck).

Gemessen wird an beiden Oberarmen, etwa zwei Finger oberhalb der Armbeuge und in ruhiger Sitzposition. Bei Patienten mit Diabetes und bei älteren Menschen wird der Druck möglichst auch nach wenigen Minuten im Stehen überprüft. Außerdem sollte der Blutdruck an den Fußknöcheln im Liegen ermittelt werden. Vor allem bei der Erstdiagnostik kommt dieser Ablauf zum Tragen. Bei den späteren Verlaufskontrollen und wenn sonst keine Besonderheiten vorliegen, genügt die Messung am Oberarm.


Gemäß Herzaktion, also den Pump- und Füllungsphasen der beiden Hauptherzkammern, werden ein systolischer und ein diastolischer Druck in mmHg bestimmt. Der systolische Druck entspricht dem ersten, oberen Wert bei der Blutdruckmessung, der diastolische dem zweiten, unteren. Werte oberhalb des Normalbereiches kennzeichnen verschiedene Schweregrade der Hypertonie.

Normalwerte des Blutdrucks und Klassifikation des Bluthochdrucks*:

Optimal:

unter 120 mmHg systolisch, unter 80 mmHg diastolisch

Normal:

120 – 129 mmHg systolisch / 80 – 84 mmHg diastolisch

Hoch normal:

130 – 139 mmHg systolisch / 85 – 89 mmHg diastolisch

Hypertonie Grad 1 (leicht):

140 – 159 mmHg systolisch / 90 – 99 mmHg diastolisch

Hypertonie Grad 2 (mittelschwer):

160 – 179 mmHg systolisch / 100 – 109 mmHg diastolisch

Hypertonie Grad 3 (schwer):

ab 180 mmHg systolisch / ab 110 mmHg diastolisch

Isolierte systolische Hypertonie (Pulsdruckhypertonie):

ab 140 mmHg systolisch / unter 90 mmHg diastolisch


 * Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL© 2010


Die Werte gelten für Erwachsene aller Altersgruppen.

Die isolierte systolische Hypertonie ist, wie eingangs bereits erwähnt, Folge des Alterungsprozesses der Gefäße und der Arteriosklerose. Diese Hypertonieform ist daher charakteristisch für ältere Menschen. Wegen des erhöhten Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risikos muss der Blutdruck gerade auch in dieser Lebensphase im Auge behalten werden.

Bei Kindern ist der Blutdruck niedriger als bei Erwachsenen. Der systolische Wert liegt bei ihnen je nach Alter zwischen 90 und 120 mmHg, der diastolische unter 90 mmHg.

Apropos: Zu niedriger Blutdruck (Blutniederdruck, Hypotonie) liegt bei Erwachsenen definitionsgemäß vor, wenn der Druck unter 105/60 mmHg absinkt.

Untersuchungen des Blutes und des Harns


Bluttests beinhalten die Bestimmung der Blutfette – Gesamt-, HDL- und LDL-Cholesterin sowie Triglyzeride –, und des Blutzuckers bzw. neuerdings auch zur Erstdiagnose von Diabetes vielfach des sogenannten HbA1c-Wertes. Er ist ein Spiegelbild des mittleren Blutzuckerwertes in den zurückliegenden acht bis zwölf Wochen und wird daher auch „Blutzuckergedächtnis“ genannt. Die Analysen umfassen ferner ein Blutbild sowie die Bestimmung von Kalium, Harnsäure und Kreatinin.
Der Harn wird auf Beimengungen von Eiweiß und roten Blutkörperchen untersucht. In Verbindung mit der Kreatininbestimmung kann sich der Arzt so ein erstes Bild von der Nierenfunktion machen.


Elektrokardiogramm


Die Herzstromkurve gibt Auskunft über den Herzrhythmus und eventuelle Herzmuskelschädigungen. Spezielle, aus dem EKG errechnete Messwerte zeigen an, ob ein bestehender Hochdruck bereits Spuren am Herzen hinterlassen hat, beispielsweise eine Verdickung des Herzmuskels. 

Langzeitblutdruckmessung

Das entsprechende Gerät lässt sich unauffällig unter der Kleidung tragen. Das Registrierkästchen wird an einem Gürtel um den Bauch befestigt, die Druckmanschette am Oberarm angelegt. Die Langzeitmessung erfasst die Blutdruckwerte tagsüber (automatische Messung alle 15 Minuten) und nachts (automatische Messung alle 30 Minuten). Die aufgezeichneten Daten informieren über die Ausprägung des Hochdrucks, die Schwankungsbreite der Druckwerte (auch stark schwankende Blutdruckwerte werden als risikoträchtig angesehen) und den Therapieerfolg.


Die ergänzenden Untersuchungen beinhalten: 

- ein Belastungs-EKG 

- eine Ultraschalluntersuchung des Herzens einschließlich Farbdopplersonografie 

- eine Ultraschalluntersuchung des Bauches (Bauchschlagader)

- eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße, eventuell auch der Beingefäße

- die Untersuchung der Augen durch den Augenarzt

- eine differenzierte Harnuntersuchung: Bestimmung von Menge und Art der Eiweißausscheidung (Protein- bzw. Albuminurie)

- spezielle Bluttests und Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren


Belastungs-EKG

Hier werden Herz und Kreislauf nach einem vorgegebenen Protokoll zunehmend belastet. Entweder heißt es Rad fahren und dabei gegen einen alle zwei Minuten steigenden Widerstand in die Pedale treten (Fahrradergometrie, im Sitzen oder im Liegen) oder auf einem Band laufen (Laufbandergometrie). Die Durchführung auf dem Laufband bedeutet, dass die Geschwindigkeit und der Neigungswinkel des Laufbandes in bestimmten zeitlichen Abständen gesteigert werden, beispielsweise alle drei Minuten.

Die kontinuierliche Aufzeichnung der Herzstromkurve und wiederholte Messungen des Blutdrucks vor, während und nach der Belastung erlauben Aussagen über das Blutdruckverhalten, die Herzfrequenz, eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, mögliche Herzrhythmusstörungen, natürlich auch über subjektive Beschwerden des Patienten und seine objektive Belastbarkeit.


Ultraschalluntersuchung des Herzens

Die Echokardiografie und die sogenannte Farbdopplersonografie, wie diese beiden in der Herzdiagnostik sehr wichtigen Untersuchungen auch genannt werden, ermöglichen eine Darstellung der Größe und Funktion der Herzkammern von außen, also nicht invasiv. Nicht invasiv bedeutet: ohne einen Eingriff.

Die Dopplersonografie ist ein Verfahren zur Messung der Blutströmung im Herzen und in den Gefäßen, benannt nach dem österreichischen Physiker C. A. Doppler (1803 bis 1853). Durch eine Farbkodierung, zum Beispiel blau oder rot, wird die Strömungsrichtung des Blutes gekennzeichnet. Der Arzt sieht, ob die Herzklappen und Herzkammern normal arbeiten. Auch hochdruckbedingte Veränderungen wie zum Beispiel eine Verdickung der Herzmuskulatur oder eine Vergrößerung der linken Herzkammer sind dabei gut zu erkennen.

Ultraschalluntersuchung der Hals- und Beingefäße


Mit Hilfe der (Farb-)Dopplersonografie können der Blutfluss in den Gefäßen und deren Wandbeschaffenheit beurteilt werden. Bei Hochdruckpatienten liegt der Fokus auf den Halsschlagadern. Denn eine verdickte oder arteriosklerotisch veränderte Wand dieser das Gehirn versorgenden Gefäße (wie auch der Gehirngefäße selbst) gehört zu den kritischen Organschäden des Bluthochdrucks: Das Schlaganfallrisiko ist erhöht. Die Halsgefäße können mit dem Doppler sehr gut von außen untersucht werden.

Die Messung des Blutdrucks am Knöchel mithilfe des Dopplers erlaubt es, eine Arteriosklerose der Beingefäße zu erkennen. Auch Einengungen der Nierengefäße, ebenfalls eine mögliche Ursache von Bluthochdruck, können unter bestimmten Voraussetzungen mit der Farb-Dopplersonografie aufgedeckt werden (siehe Kapitel „Diagnose (2)“, Absatz „Hochdruck infolge einer Nierengefäßverengung“).

Untersuchung der Augen

Ohne eingreifende Maßnahmen, das heißt lediglich über eine Augenspiegelung, gibt die Netzhaut am Augenhintergrund den Blick frei auf die dort verlaufenden größeren und kleineren Arterien. Wenn der Hochdruck Netzhautgefäße geschädigt hat, kann es zu Gefäßverengungen und Einblutungen und damit verbunden zu Sehstörungen oder sogar zur Erblindung kommen (hypertensive Retinopathie).

Ab Schweregrad 3 (siehe „Klassifikation des Bluthochdrucks“, weiter oben) werden regelmäßige augenärztliche Kontrollen empfohlen. Da bei Bluthochdruck – wie allerdings auch im Zuge zu niedrigen Blutdrucks oder labiler Druckwerte mit häufigen Schwankungen – das Risiko für Durchblutungsstörungen am Sehnerv und damit für ein Glaukom (grüner Star) indirekt steigt, wird der Augenarzt den Patienten auf die Bedeutung der Glaukomfrüherkennung hinweisen (generell sollte man ab 40 den Augeninnendruck etwa alle zwei Jahre kontrollieren lassen, auch wenn die Krankenkassen das nicht bezahlen).


Differenzierte Harnuntersuchung

Dabei geht es um eine genauere Bestimmung der Eiweißausscheidung, insbesondere des Albumins. Albumin ist ein wichtiges Körpereiweiß, das die Nieren bei der Filterung des Blutes normalerweise weitgehend zurückhalten. Die Albuminausscheidung wird in eine Mikro- und Makroalbuminurie unterteilt:

Mikroalbuminurie bedeutet eine Ausscheidung von 30 bis 300 mg Albumin pro Tag (oder 20 bis 200 mg/l). Von einer Makroalbuminurie spricht man bei Albuminverlusten von mehr als 300 mg pro Tag (oder mehr als 200 mg/l). Schon eine leicht vermehrte Ausscheidung von Albumin, unterhalb der Schwelle zur Mikroalbuminurie, zeigt nicht nur eine Nierenschädigung, sondern ganz allgemein eine Gefäßschädigung und damit ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko an.



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(www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten)

www.apotheken-umschau.de; 13.09.2005, aktualisiert am 23.01.2012
Bildnachweis: Banana Stock/RYF, Stockbyte/RYF, Brand X Pictures/ RYF

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