Auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen sitzen bestimmte Strukturen, die über die Blutgruppe des Menschen entscheiden
Blut ist nicht nur ein ganz besonderer, sondern auch ein von Mensch zu Mensch unterschiedlicher Saft. 1901 entdeckte der österreichische Pathologe Karl Landsteiner, dass es vier verschiedene Grundtypen von Blut gibt. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal seines „AB0-Systems“ sind Antigene, die auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sitzen – oder auch nicht. Der Forscher bezeichnete sie mit A und B. Auf den Erythrozyten sitzen entweder Antigene eines Typs (bei den Blutgruppen A und B), beider Typen (Blutgruppe AB) oder keins dieser Antigene (Blutgruppe 0).
Muss einem Menschen, zum Beispiel bei einer Operation oder wegen starken Blutverlusts durch eine Verletzung, Blut eines Spenders übertragen werden, wird die Blutgruppe des Empfängers bestimmt und anhand der Kreuzprobe die Verträglichkeit mit dem Spenderblut geprüft. Dr. Georg Wittmann, Arzt für Innere Medizin und Transfusionsmedizin am Klinikum München-Großhadern, erklärt: „Antikörper, die der Organismus zum Schutz vor fremden Antigenen bildet, sind schuld daran, dass sich manche Blutgruppen nicht miteinander vertragen.“ Deshalb kommen auch nur Menschen mit Blutgruppe 0 als Universalspender infrage; ihre Blutkörperchen enthalten weder A- noch B-Antigene.
Das AB0-System ist aber nur eines von vielen verschiedenen Blutgruppensystemen.
Blut der Gruppe A besitzt A-Antigene (blau) an der Oberfläche der roten Blutkörperchen und Anti-B-Antikörper im Serum. Die Antikörper (Immunglobuline) im Blutserum haben die Aufgabe, körperfremde Strukturen anhand von deren Antigenen zu erkennen, sich an sie zu binden und sie so unschädlich zu machen.
Auf Blutkörperchen der Gruppe B sitzen B-Antigene, im Serum schwimmen Anti-A-Antikörper.
AB-Blut besitzt beide Antigene, jedoch keine Antikörper.
Blut der Gruppe 0 (Null) besitzt Anti-A- und Anti-B-Antikörper, jedoch keine entsprechenden Antigene.
Das Blut des Spenders (linke Grafik), darf nicht mit dem des Empfängers (rechts) verklumpen. Klicken Sie zum Vergrößern auf die Lupe
Die große Kreuzprobe: Vor jeder Blutübertragung wird im Reagenzglas etwas Spenderblut (im Beispiel Blutgruppe A) mit dem des Empfängers (hier B) zusammengebracht. Führt diese „große Kreuzprobe“ zur Verklumpung der roten Blutkörperchen, kommt eine Transfusion nicht infrage.
Ullrich Jackus / Apotheken Umschau;
30.04.2010, aktualisiert am 24.02.2012
Bildnachweis: W&B/Szczesny, iStock/jakbchuk
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