Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe

Mit einer Biopsie gewinnt der Arzt eine Gewebeprobe vom Patienten. Diese Probe kann das Labor auf krankhafte Veränderungen untersuchen, zum Beispiel per Mikroskop
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 10.10.2016

Untersuchung eines Prostata-Tumors: Dabei erfolgt die Biopsie über den Enddarm

W&B/Szczesny/Neisel

In der Regel kommt eine Biopsie dann infrage, wenn der Arzt eine Gewebsvermehrung ertastet oder gesehen hat. Oder eine bildgebende Methode macht einen Krankheitsherd sichtbar. Zu den bildgebenden Methoden zählen Röntgen, Computertomografie (CT), Kernspintomografie (MRT), Sonografie (Ultraschall), Szintigrafie und Positronen-Emissions-Tomografie (PET). In vielen Fällen kann nur die Untersuchung des gewonnenen Gewebes unter dem Mikroskop klarstellen, ob es sich bei dem Herd beispielsweise um eine gutartige Wucherung oder eine bösartige Krebserkrankung handelt.

Manchmal entnehmen Ärzte bei Verdacht auf einen Krankheitsherd auch mehrere Biopsien aus einem Organ. Ein Beispiel dafür sind Stanzbiopsien der Prostata.


Einteilung nach Organen

Biopsien können fast alle Organe betreffen. Hier als Beispiel einige Biopsiearten samt jeweils einem typischen Grund für den Eingriff:

  • Hautbiopsie: auffälliges Muttermal
  • Muskelbiopsie: bei unklarer Muskelerkrankung
  • Knochenmarkbiopsie: bei Störungen der Blutbildung
  • Hirnbiopsie: Verdacht auf Hirntumor oder Entzündungsherd
  • Schilddrüsenbiopsie: mit Ultraschall entdeckter Knoten
  • Lungenbiopsie: durch Computertomografie entdeckter unklarer runder Herd
  • Brustbiopsie: bei einem Knoten in der Brust
  • Magenbiopsie: in der Magenspiegelung sichtbare Veränderung der Schleimhaut
  • Leberbiopsie: bei unklarer Erkrankung der Leber, die einen Umbau des Lebergewebes vermuten lässt
  • Nierenbiopsie: nach der Transplantation einer Niere, um Abstoßungsreaktionen zu erkennen
  • Dünndarmbiopsie: Verdacht auf Zöliakie
  • Darmbiopsie: bei einer Darmspiegelung sichtbare Schleimhautwucherung
  • Blasenbiopsie: durch Spiegelung der Blase entdeckte Auffälligkeit
  • Prostatabiopsie: Abklärung eines Tumorverdachts
  • Gebärmutterausschabung: bei einer Störung der Monatsblutung

Darmpolypen kann der Arzt im Rahmen der Darmspiegelung oft vollständig entfernen

Thinkstock/Hemera

Einteilung nach Umfang der Biopsie

Schneidet oder sticht der Arzt in einen Krankheitsherd hinein und entfernt nur einen Teil des Gewebes, spricht er von einer Inzisionsbiopsie (Inzision = Hineinschneiden). Beispielsweise nehmen Chirurgen bei Verdacht auf ein sogenanntes Weichteilsarkom (bösartiger Tumor) an den Armen oder Beinen öfter eine Inzisionsbiopsie vor.

Bei der vollständigen Entfernung eines Krankheitsherdes handelt es sich um eine Exzisionsbiopsie (Exzision = Herausschneiden). Exzisionsbiopsien sind beispielsweise die Abtragung eines Polypen im Darm mittels Darmspiegelung, oder auch das komplette Beseitigen eines Muttermals. Ebenso entfernt der Arzt bei einer sogenannten Konisation einen Gewebekegel aus dem Gebärmuttermund mit vollständigen Krebsvorstufen und frühen Tumorstadien.


Einteilung nach Werkzeugen

Je nach dem Instrument, mit dem der Arzt die Biopsie vornimmt, gibt es folgende Bezeichnungen der Biopsien. Per Nadel durchgeführte Biopsien kontrolliert der Arzt oft mit einem zeitgleich eingesetzten bildgebenden Verfahren, zum Beispiel Ultraschall. Diese Werkzeuge kommen zum Einsatz:

- Feinnadelbiopsie (FNB): Mit einer Spritze samt einer bis zu 1,1 Millimeter dicken Nadel punktiert der Arzt verdächtige Knoten. Wegen der dünnen Nadel kann er im Gegensatz zur Stanzbiopsie auf eine Betäubung verzichten. Durch die angesetzte Spritze erzeugt er wie bei einer Blutabnahme Unterdruck und gewinnt einzelne Zellen aus dem Zielgebiet. Mit einer Feinnadel werden oft Schilddrüse, Speicheldrüse, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse und Prostata punktiert.

- Stanzbiopsie: Die bei einer Stanzbiopsie verwendeten Nadeln sind bis zu 2,2 Millimeter dick. Das erfordert in der Regel eine örtliche Betäubung. Per Stanzbiopsie kann der Untersucher Gewebezylinder gewinnen, von denen der Laborarzt später dünne Schnitte anfertigt und unter dem Mikroskop begutachtet. Stanzbiopsien setzen die Ärzte unter anderem bei der Brustdrüse, der Leber und der Prostata ein.

- Hochgeschwindigkeitsstanzbiopsie: Diese ausgefeilte Technik setzen Ärzte bei im Ultraschall sichtbaren Knoten in der weiblichen Brust ein. Die Stanznadel besteht dabei aus einer soliden Nadel mit einer zwei Zentimeter langen seitlichen Aussparung und einer geschliffenen Hohlnadel, welche die solide Nadel umhüllt. Mit einem auslösbaren Mechanismus schießt zuerst die solide Nadel in den Knoten, und Gewebe des Knotens fällt in die Aussparung. Danach schnellt die Hohlnadel vor und trennt das Gewebe in der Aussparung ab.

- Jetnadelbiopsie: Sie ist ein Mittelding zwischen Stanzbiopsie und Feinnadelbiopsie. Die Nadel ist feiner als bei der Stanzbiopsie, erlaubt aber noch Untersuchungen von zusammenhängendem Gewebe.

- Vakuumbiopsie: Das besondere an der Vakuumbiopsie ist die bis zu 4 Millimeter dicke "gefensterte" Hohlnadel mit einer seitlichem Öffnung. Sobald die Nadel im Zielgebiet ist, legt der Arzt einen Sog an, der durch die seitliche Öffnung Gewebe in die Nadel hineinsaugt. Innerhalb der Nadel trennt dann ein rotierendes Messer das Gewebe ab. Die Vakuumbiopsie nützen die Ärzte beispielsweise bei der Brustdrüse und der Prostata.


Oft per Biopsie untersucht: Der "Wächterlymphknoten" bei Brustkrebs

W&B/Martina Ibelherr

- Biopsie durch Operation: Bei einer Krebserkrankung ist es oft wichtig, den nächsten Lymphknoten im Lymphabflussgebiet zu entnehmen und zu untersuchen. Per Mikroskop stellt das Labor dann fest, ob sich dort bereits Krebszellen eingenistet haben. Diesen sogenannten Wächterlymphknoten entfernt der Arzt vollständig im Rahmen einer Operation.

- Zangenbiopsie: Hierbei verwendet der Arzt eine Biopsiezange mit zwei Haltegriffen. Durch das Zusammendrücken der Haltegriffe knipst der Arzt mit der Spitze der Zunge Gewebe ab. Spezielle Biopsiezangen können auch durch ein Endoskop geführt werden und tief im Körper Gewebsproben gewinnen. Zangenbiopsien gibt es zum Beispiel im Bereich der Lunge, des Magens und des Darms.

- Kürettage: Bei der Kürettage setzt der Arzt scharfkantige Schaber ein, sogenannte Küretten. Damit trägt er Schleimhaut oder Haut ab. Beispiele sind die Ausschabung der Gebärmutter und die Gewinnung von Hautproben bei Pilzerkrankungen der Haut.

- Zellabstrich: Im Rahmen der Krebsfrüherkennung gewinnt der Arzt mit Bürstchen oder kleinen Spateln Zellen aus der Schleimhaut des Gebärmutterhalses. Diese Zellen überträgt er anschließend auf einen Objektträger.


So sieht ein bösartiger Hauttumor (Basaliom) unter dem Mikroskop aus

Image Source/ RYF

Untersuchung des gewonnenen Gewebes

Ein spezialisiertes Labor untersucht die Gewebeprobe nach der Entnahme. Zuerst zerschneidet sie der Facharzt für Gewebeuntersuchungen, der sogenannte Pathologe, in feine Schichten und färbt sie. Anschließend betrachtet er die Schichten unter dem Mikroskop. Die Art der Zellen gibt ihm Hinweise darauf, aus welchem Organ die Probe stammt. Er kann auch sehen, ob es sich um gutartiges oder bösartiges Gewebe handelt, also Krebs. Ist es Krebs, kann die Untersuchung in der Regel auch zeigen, ob der Tumor an dieser Stelle entstanden ist, der ob es sich um eine Absiedlung (Metastase) handelt von einem Tumor aus einer ganz anderen Körperregion.

Je nachdem, wie stark sich die Krebszellen von dem Ausgangsgewebe unterscheiden, kann der Pathologe auch eine Aussage über die Eigenschaften des Tumors treffen, beispielsweise wie aggressiv er in anderes Gewebe hineinwächst.

Molekularbiologische Tests können außerdem bei einigen Krebsarten zeigen, ob die Zellen bestimmte Rezeptoren besitzen, die sie angreifbar machen für Medikamente gegen Krebs.


Risiken durch die Biopsie

Biopsien sind in der Regel nur minimale Eingriffe mit geringen Gefahren. Am Ort der Entnahme können kleinere Blutungen bzw. Blutergüsse entstehen. Um Infektionen durch die Biopsie auszuschließen, verabreichen die Ärzte den Patienten mitunter vorsorglich ein Antibiotikum. Weitere mögliche Risiken hängen von dem Ort der Biopsie ab, und davon, ob eine Betäubung (Kurznarkose) erforderlich war.

Bei den allermeisten Tumorarten ist Studien zufolge keine Verschleppung von einzelnen Tumorzellen durch die Biopsie zu befürchten. Ein Beispiel für eine Ausnahme sind Weichteilsarkome. Bei ihnen halten es Ärzte für nötig, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen: So wird dort bei einer Biopsie die eigentliche Punktionsnadel durch eine umhüllende Führungsnadel zurückgezogen, damit nicht einzelne Tumorzellen im Stichkanal hängenbleiben können. Außerdem wählen die Ärzte den Stichkanal so, dass sie ihn gegebenenfalls bei einer anschließenden Operation des Tumors mit entfernen können.


Quellen:
1. Deutsches Krebsforschungszentrum Krebsinformationsdienst: Biopsie: So werden Gewebeproben entnommen. Online: www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/biopsie.php (Abgerufen am 1.8.2013)

2. Kaufmann M, Costa S, Scharl A: Die Gynäkologie, 3. Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag 2013

3. Böhm M, Hallek M, Schmiegel W (Hrsg): Innere Medizin, begr. von Classen M, Diehl V, Kochsiek K, 6. Auflage, München Elsevier Urban & Fischer Verlag 2009



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