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Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis)

Oft ist eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse durch Gallensteine verursacht. Doch es gibt weitere Auslöser. Mehr über Ursachen, Symptome und Behandlung


Anatomie: Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und benachbarte Strukturen

Die Bauchspeicheldrüse (das Pankreas) ist rund 15 Zentimeter lang, wiegt etwa 100 Gramm und liegt quer im Oberbauch an der hinteren Bauchwand. Das Organ gibt täglich etwa einen bis zwei Liter Verdauungssekret in den Dünndarm ab. Diese Flüssigkeit enthält Enzyme (wie Trypsin, Chymotrypsin, Amylase und Lipase). Sie zerlegen die Nahrungsbestandteile, so dass sie aus dem Dünndarm ins Blut aufgenommen werden können.

Damit sich die Bauchspeicheldrüse nicht selbst verdaut, entstehen manche Enzyme zunächst als inaktive Vorstufe. Sie werden erst dann aktiviert, wenn sie den Dünndarm erreicht haben.

Die Bauchspeicheldrüse gibt außerdem wichtige Hormone ins Blut ab, wie Insulin – das den Blutzucker senkt – und Glukagon, das den Blutzucker steigert.



Beratender Experte: Professor Dr. Markus W. Büchler, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Allgemeine, Viszerale und Transplantationschirurgie der Universität Heidelberg

Was ist eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse heißt Pankreatitis. Ärzte unterscheiden eine akute und eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, bei der es wiederholt zu Entzündungsschüben kommt.

Bei der akuten Bauchspeicheldrüsen- entzündung entzündet sich das Organ und kann seine Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen.

Es werden zwei Verlaufsformen unterschieden: eine leichtere mit Schwellung und Funktionsstörung sowie eine schwere Form. Letztere führt zum Gewebsuntergang von Teilen der Drüse oder der gesamten Drüse. Diese schwere Entzündung zieht oft weitere Organe wie Lunge, Herz, Darm oder Nieren in Mitleidenschaft und kann lebensbedrohlich sein.

Mehr zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapie der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung lesen Sie in den folgenden Kapiteln.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Bildnachweis: Fotolia/Bilderzwerg, W&B/Bernard Limberger
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Bauchspeicheldrüse

Gallenblase Solarplexus Ganglion Bauchschlagader Nervenfasern Dünndarm Bauchspeicheldrüsengang Milz Dünndarm Linke Niere Läppchen Milz Milzschlagader Bauchspeicheldrüsengang Läppchen mit Drüsengewebe Bauchspeicheldrüsengang Hauptgallengang Bauchspeicheldrüsengang Vater'sche Papille

Wie alle inneren Organe erhält auch die Bauchspeicheldrüse neben chemischen, z.B. hormonellen Steuersignalen, solche des vegetativen, nicht willentlich steuerbaren Nervensystems. Die hier abgebildeten Nervenfasern gehören zum Sympathikus, der neben dem Parasympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems ist. Die sympathischen Nervenfasern ziehen von der Wirbelsäule kommend an Arterien entlang zu den inneren Organen. Ihre Nervenknoten (Ganglien) liegen hier im Bereich des 1. Lendenwirbels kurz überhalb der Bauchspeicheldrüse um die Bauchschlagader (Aorta abdominalis) und die von ihr abgehenden Arterienäste. Sie sind untereinander über zahlreiche Nervenfasern verbunden. So bilden sie ein strahlenartiges Geflecht aus Nervenfasern und Ganglien, das man aufgrund seines Aussehens früher als Sonnengeflecht oder Solarplexus bezeichnete. Es ist als äußerst empfindliche Region bekannt. Ein Schlag auf den Solarplexus kann bei einem erwachsenen Menschen zur Bewusstlosigkeit führen.

Die Bauchspeicheldrüse ist aus vielen kleinen Läppchen zusammengesetzt. Der Hauptteil eines Läppchens besteht aus Drüsengewebe, das den Verdauungssaft produziert. Er enthält vor allem Verdauungsenzyme zur Spaltung von Eiweißen, Fetten und Zuckern, deren Menge angepasst an die jeweils gegessene Nahrung schwankt. Das Sekret fließt in zahlreiche kleine Gänge, die schließlich in den zentralen Bauchspeicheldrüsengang münden.

Die Pankreasläppchen, die reichlich mit Blutgefäßen und Nerven versorgt werden, bestehen hauptsächlich aus Drüsengewebe. Seine Zellen bilden das Bauchspeicheldrüsensekret mit Verdauungsenzymen. In das Drüsengewebe sind inselartig die hormonproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse eingelagert. Diese Zellgruppen werden nach dem deutschen Arzt Paul Lagerhans (1847-1888), auch als Langerhans-Inseln bezeichnet. Sie kommen vor allem im Bereich von Pankreaskörper und -schwanz vor, kaum im Pankreaskopf.

Der Bauchspeicheldrüsengang (Ductus pancreaticus), der vom Schwanz zum Kopf durch die gesamte Bauchspeicheldrüse zieht, führt dem Darm das in den Pankreasläppchen gebildete Verdauungssekret mit Enzymen zu. Er mündet mit der so genannten Vater’schen Papille in den Dünndarm. Kurz vor der Mündung vereint er sich häufig mit dem Hauptgallengang, in dem das andere wichtige Verdauungssekret, die Galle aus der Leber, zum Darm fließt. Seltener führen beide Gänge getrennt in den Darm.

Der Hauptgallengang mündet mit einer kleinen Aufwerfung (Papille) der Darmschleimhaut in den Dünndarm. Diese Mündung wird nach dem deutschen Anatom Abraham Vater (1684 - 1751) als Vater'sche Papille bezeichnet. Hier ist der Gallengang von einem ringförmigen Schließmuskel umgeben, der dauerhaft zusammengezogen ist und so ein Ausfließen von Galle und Bauchspeicheldrüsensekret verhindert, wenn der Darm leer ist. Sobald der Speisebrei aus dem Magen den Dünndarm erreicht, bewirkt ein Hormon in der Darmwand die Öffnung des Schließmuskels und den Abfluss der Verdauungssäfte in den Darm.

Die Gesamtheit aller Langerhans-Inseln bezeichnet man häufig als Inselorgan. Jede Langerhans-Insel enthält etwa 3000 Inselzellen, die in A, B und D-Zellen unterschieden werden. Die meisten, etwa 75 bis 80 Prozent, sind vom B-Typ. Sie bilden das wichtige Stoffwechselhormon Insulin, das die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in die Körperzellen fördert. Die A-Zellen, deren Anteil etwa 20 Prozent beträgt, bilden Glukagon, den Gegenspieler zum Insulin. Glukagon unterstützt bei niedrigem Blutzuckerspiegel den Abbau von Energiereserven vor allem aus der Leber. Beide Hormone werden innerhalb der Läppchen direkt in Blutgefäße abgegeben, was als endokrine Drüsenfunktion bezeichnet wird (Pfeile). Etwa 5 bis 10 Prozent der Zellen sind vom D-Typ. Sie bilden das Hormon Somatostatin, das regulierend auf die A- und B-Zellen wirkt und deren Hormonproduktion dämpft.

Die exokrinen Drüsenzellen der Bauchspeicheldrüse sitzen in beerenförmigen Drüsenendstücken (Acini), aus denen die Läppchen aufgebaut sind. In jedem Endstück beginnt eine der kleinen Verzweigungen des Bauchspeicheldrüsenganges. Die Drüsen- oder auch Azinuszellen geben bei Bedarf das leicht basische Verdauungssekret mit den Verdauungsenzymen in den Ausführungsgang, also nicht in die Blutbahn oder direkt ins Gewebe ab (Pfeile). Dies wird als exokrine Drüsenfunktion bezeichnet. Die Produktion des Sekrets setzt bereits wenige Minuten nach der Nahrungsaufnahme ein und hält einige Stunden an. Angeregt wird sie durch Nervensignale und chemisch durch das Hormon Cholezystokinin aus der Darmschleimhaut, wenn Speisen den Magen bzw. den Darm erreichen.

www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 17.06.2014, erstellt am 13.09.2005
Bildnachweis: Fotolia/Bilderzwerg, W&B/Bernard Limberger

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