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Experten-Sprechstunde
Bauchspeicheldrüsenkrebs

Haben sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs jetzt verbessert und wenn ja, inwiefern?

Chirurgen

Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs wird nach Möglichkeit operiert

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist leider nach wie vor eine besonders heimtückische Krebserkrankung. Unter allen bösartigen Tumoren des Verdauungstraktes macht er etwa zehn Prozent aus. Die mittlere Überlebenszeit von Patienten mit einem solchen Tumor, der bereits Metastasen gebildet hat, beträgt wenige Monate. Bei Tumoren, die so weit fortgeschrittenen sind, dass sie nicht mehr operiert werden können, liegt die Überlebenszeit bei etwa sechs bis zehn Monaten, und bei fortgeschritteneren Tumoren, die jedoch noch operiert werden können, bei elf bis 15 Monaten. Aufgrund der versteckten Lage der Bauchspeicheldrüse und des Wachstumsverhaltens des Bauchspeicheldrüsenkrebses können zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nur etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen in der Erwartung, dass der Tumor noch vollständig entfernt werden kann, operiert werden.


Eine Operation sollte nur von in der Bauchspeicheldrüsenchirurgie besonders erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden. Neben der Drüse selbst werden dabei je nach Sitz des Tumors auch angrenzende Organe mitentfernt. Fortschritte haben sich hier insofern ergeben, als inzwischen auch die teilweise Entfernung der großen Blutgefäße des Bauchraumes und die anschließende Wiederherstellung der Durchblutung möglich geworden sind.


Nach einer Operation mit vollständiger Entfernung des Tumors und seiner Umgebung lässt sich durch eine unterstützende („adjuvante“) Chemotherapie (mit Gemcitabin) die Fünf-Jahres-Überlebensrate von etwa zehn deutlich auf etwa 25 Prozent verbessern. Die  Fünf-Jahres-Überlebensrate ist ein statistischer Wert und bezieht sich auf jenen Anteil von Patienten, die fünf Jahre nach Behandlung ihrer Krebserkrankung noch leben.


Aber auch für die Patienten, die nicht mehr operiert werden können, sind durchaus Fortschritte zu verzeichnen. Im Falle eines tumorbedingten Verschlusses des Hauptgallenganges lässt sich durch ein endoskopisch einzulegendes, sich selbst entfaltendes Metallröhrchen (Stent) oft eine sehr effektive Linderung beziehungsweise Beseitigung der durch den Gallestau bedingten Gelbsucht und des Juckreizes erreichen. Ist der Zwölffingerdarm eingeengt, so lässt sich wiederum durch endoskopisches Einlegen eines Stents das meist vorhandene Erbrechen beseitigen, und eine weitgehend normale Nahrungsaufnahme wird wieder möglich.

 
Durch eine in der Regel gut verträgliche Chemotherapie mit Gemcitabin lässt sich auch im fortgeschrittenen Krankheitsstadium, etwa beim Vorhandensein von Metastasen, eine zwar nur begrenzte Verlängerung der Lebenserwartung, jedoch eine deutliche Besserung der Lebensqualität erreichen.


Die Lebensqualität der Patienten hat sich auch durch Fortschritte in der  Schmerzbehandlung verbessert. Hier sind insbesondere Pflaster, die morphiumähnliche Substanzen (Opiate) abgeben, zu nennen. Es sind aber gegebenenfalls auch gezielte schmerzausschaltende Eingriffe möglich, zum Beispiel Blockaden von Nerven in der Umgebung der Bauchspeicheldrüse durch Einspritzen geeigneter Substanzen oder die rückenmarksnahe Anwendung von Schmerzmedikamenten über entsprechende Katheter und Pumpen, die die Patienten dann auch selbst bedienen können.

 

 

Prof. Dr. med. T. Poralla, St.-Joseph-Krankenhaus Berlin


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surfmed/GesundheitPro; 12.11.2007, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: BrandXPictures/ RYF

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