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Wenn die Bandscheibe leidet

Streikt die Wirbelsäule, gibt es viele Behandlungsansätze, aber keine Standardtherapie. Die verschiedenen Maßnahmen im Überblick


Endlich wieder bewegen! Nur gesunde Bandscheiben machen jede Drehung mit

Unsere Wirbelsäule steckt in einem Dilemma: Zum einen soll sie stabil sein, um Kopf und Rumpf zu stützen. Zum anderen soll sie beweglich sein – schließlich wollen wir ohne Beschwerden laufen, hüpfen, tanzen. Dass wir genau dies können, verdanken wir unter anderem unseren 23 Bandscheiben. Sie sitzen zwischen den Wirbelkörpern und passen sich dank ihres weichen Gallertkerns jeder Drehung und Beugung an, fangen alle Stöße auf. Kommt es aber zu einem Bandscheibenvorfall, kann Hüpfen, Tanzen und sogar Sitzen auf einmal sehr wehtun.

Ursache für die Schmerzen: Der Faserring, der den Gallertkern umgibt, hat Risse bekommen, das Bandscheibengewebe wölbt sich. Bei einem Vorfall schließlich durchbricht der Gallertkern den Ring und drückt eventuell auf umliegende Nervenbahnen. Berührt das Gewebe keine Nerven, spüren Betroffene häufig nichts. „Es gibt Patienten, die leben jahrelang mit einem Vorfall, ohne ihn zu bemerken“, berichtet Professor Markus Schilgen, Orthopäde und leitender Arzt der Akademie für Manuelle Medizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Bei anderen strahlen die Schmerzen sogar in die Beine aus. Wird ein Nerv gequetscht, kann es zu Taubheitsgefühlen und Lähmungen kommen.


„Wie schnell der Verschleiß unseres Knorpelgewebes, also auch des Faserrings um den Gallertkern, fortschreitet, bestimmen unsere Gene“, sagt Professor Michael Mayer, ärztlicher Direktor und Chefarzt des Zentrums für Wirbelsäulenchirurgie an der Schön-Klinik München. Obwohl sich die Bandscheiben mit fortschreitendem Alter nachts immer schlechter von den Belastungen des Tages erholen und somit anfälliger für Schäden sind, können auch junge Menschen unter Problemen mit den Stoßdämpfern der Wirbelsäule leiden. Wer sich aber viel bewegt und dadurch sein Normalgewicht hält, entwickelt Symptome oft erst später und in leichterer Form. Zudem ist die Prognose nach einem Vorfall für aktive Menschen günstiger.

Bewegung spielt nicht nur für Vorbeugung und Nachsorge eine große Rolle, sondern auch während der akuten Behandlungsphase. „In den vergangenen Jahren gab es hier einen grundlegenden Strategiewechsel“, erklärt Markus Schilgen, „weg von der Schonung, hin zur Aktivierung.“ Wenn möglich, sollen Patienten trotz Rückenproblemen arbeiten und ihre Freizeit wie gewohnt gestalten. Ist wegen starker Schmerzen doch einmal eine Ruhephase nötig, soll diese nur wenige Tage dauern und von einer Therapie – etwa mit Medikamenten – begleitet werden. „Es beeinflusst auch die Psyche positiv, wenn der Alltag nicht komplett umgestellt werden muss“, meint der Orthopäde.

Häufig treten lange vor den akuten Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls Beschwerden auf. Grund: Schon der Verschleiß oder die Vorwölbung macht sich bemerkbar. „Ein Vorfall kommt selten wie aus dem Nichts“, weiß Mayer. Er rät, einen Arzt aufzusuchen, wenn Rückenschmerzen eine Woche oder länger anhalten.

Stellt dieser – meist mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Kernspin- oder Computertomografie und nach Ausschluss anderer Ursachen – einen Bandscheibenvorfall fest, lautet die Frage: Was tun? Die Auswahl an Möglichkeiten ist groß. Sie reicht von konservativen Therapien wie Schmerzmitteln oder Krankengymnastik über operative Verfahren bis hin zu Akupunktur. „Eine Operation ist nur bei etwa fünf Prozent der Patienten notwendig“, schätzt der Wirbelsäulenchirurg Mayer – entweder weil Nerven stark beeinträchtigt werden oder weil die Schmerzen trotz konservativer Maßnahmen auch nach Wochen nicht nachlassen. „Der Leidensdruck wird irgendwann zu groß“, sagt er.



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Julia Wölkart / Apotheken Umschau; 17.12.2010, aktualisiert am 29.11.2011
Bildnachweis: Getty Images/STOCK4B

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