Was wirklich gegen trockene Augen hilft

Es brennt, juckt und schmerzt: ein trockenes Auge. Neue Erkenntnisse über die Ursachen ermöglichen eine gezieltere Behandlung

von Dr. Reinhard Door, aktualisiert am 16.03.2016

Ein Gefühl wie Schleifpapier: Trockene Augen

Masterfile/

Wer es nicht selbst erlebt, versteht das Leiden wahrscheinlich kaum. Es hört sich auch so banal an: trockenes Auge. "Es eine reine Befindlichkeitsstörung zu nennen, verharmlost das Problem zu sehr", sagt Professor Claus Cursiefen, Direktor des Zentrums für Augenheilkunde an der Universitätsklinik Köln. "Aber zum Glück hat das trockene Auge nur äußerst selten schwere Folgen."

In bestimmten Fällen sollte man zum Arzt: wenn das Auge rot wird, schmerzt oder an Sehschärfe verliert. Die Beschwerden lassen sich in der Regel leicht lindern – auch deshalb, weil Mediziner die Ursachen immer besser verstehen. So haben sie in den letzten Jahren erkannt, dass meist nicht die Tränendrüsen versagen, sondern die Zusammensetzung der Flüssigkeit nicht stimmt (siehe Grafik).


Drei-Schichten-Schutz: Der Tränenfilm schützt die Hornhaut und ermöglicht scharfes Sehen

W&B/Astrid Zacharias

Bei der Mehrzahl der Patienten ist die schützende Fettschicht der Tränen zu dünn oder löchrig. Das fördert die Verdunstung des Tränenfilms, er reißt rascher auf. Die sogenannten Meibom-Drüsen bilden das Fett und scheiden es an den Lidrändern aus. Sie können sich entzünden, zu viel oder zu wenig Fett oder eine falsche Mischung produzieren. Dann verstopft das Sekret oft die Ausführgänge.

Lidrand pflegen, Tränenschicht stabilisieren

Der Fokus der Behandlung liegt deshalb auf dem Lidrand. Feuchtwarme Kompressen helfen, das Sekret aufzuweichen, eine Lidrandmassage unterstützt die Drüsen. Die Technik lässt man sich am besten beim Augenarzt zeigen. Zudem gibt es in der Apotheke spezielle Tropfen und Gele, die Fettanteile enthalten und so die Tränenschicht stabilisieren. Verursachen Erreger die Entzündung der Drüsen, wird der Arzt Antibiotika verordnen. In hartnäckigen Fällen kann er die Ausführgänge mit Mini-Sonden weiten.

Relativ neu ist die Erkenntnis, dass eine entzündete Augenoberfläche zu trockenen Augen führt. "Da gibt es viele Gemeinsamkeiten mit einer Autoimmunerkrankung, einem Angriff des Abwehrsystems auf körpereigene Strukturen", erklärt Professorin Elisabeth Messmer, Oberärztin an der Universitäts-Augenklinik München.

Als Gegenmittel sind seit Kurzem Ciclosporin-Tropfen für schwere Formen des trockenen Auges zugelassen. Sie sind jedoch so teuer, dass sie nur selten angewandt werden. Vergleichsweise billig ist entzündungshemmendes Kortison. Es eignet sich allerdings nur für einen Kurzzeiteinsatz, weil es das Risiko für den grauen (Katarakt) und den grünen Star (Glaukom) erhöht.

Augentropfen: Austesten, was für einen am besten ist

Hilft die Behandlung der Meibom-Drüsen nicht, bilden Augentropfen die Basistherapie. Sie sollten bei regelmäßiger Anwendung kein Konservierungsmittel enthalten. Bezahlen muss der Patient die Tropfen selbst. Dabei gilt: ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Im Allgemeinen beginnt man mit dünnflüssigen Lösungen. Reichen sie nicht aus oder muss man zu oft nachtropfen, kann ein Umstieg auf dickflüssigere Präparate helfen.

Diese können allerdings die klare Sicht beeinträchtigen. Manche Patienten träufeln deshalb tagsüber die Tropfen ins Auge und geben nachts ein spezielles Gel oder eine Salbe in den Bindehautsack. Andere dagegen bevorzugen ein Spray, das auf die geschlossenen Lider gesprüht wird und – Färbetests beweisen es – über die Lidränder tatsächlich ins Auge gelangt.

Mit einer Mär räumt Professor Gerd Geerling, federführender Autor einer Leitlinie zum trockenen Auge, auf: "Es stimmt nicht, dass künstliche Tränen die körpereigene Tränenproduktion dauerhaft unterdrücken."



Bildnachweis: Masterfile/, W&B/Astrid Zacharias

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