Gelber Fleck – so lautet die Übersetzung des lateinischen Begriffs „Macula lutea“, der den Ort des schärfsten Sehens bezeichnet. An dieser Stelle der Netzhaut nehmen Menschen den Großteil aller optischen Signale wahr. Auf einer Kreisfläche von etwa fünf Millimeter Durchmesser liegen hier die Sinneszellen besonders dicht beieinander.
Da wundert es nicht, dass Ausfälle in der Makula meist zu gravierenden Sehfehlern führen. Solche Störungen nennen Mediziner „Makuladegenerationen“. Ein Leiden, das derzeit etwa zwei Millionen Deutsche trifft – Tendenz steigend.
Die meisten Fälle treten im Alter auf (altersabhängige Makuladegeneration, AMD). Aber: „Die genauen Auslöser kennen wir bis jetzt noch nicht“, sagt Dr. Sascha Fauser vom Zentrum für Augenheilkunde der Universitätsklinik in Köln.
Uhren ohne Zifferblätter
Als typisches Symptom geben Betroffene an, Gegenstände nicht mehr fixieren und sie nur undeutlich erkennen zu können. Ein klassisches Beispiel ist das Ablesen der Uhrzeit: AMD-Patienten sehen zwar die Uhr, erkennen aber die Zifferblätter nicht.
Ärzte unterscheiden zwei Arten der AMD, die „trockene“ und die „feuchte“ Form. Der für Patienten wichtigste Unterschied: Für die feuchte Form, die oft rasch fortschreitet, gibt es gute Therapien, für die trockene, die schleichend verläuft, gilt das leider nur eingeschränkt. Bei Letzterer versuchen Ärzte mit der Gabe eines hoch dosierten Cocktails aus Zink sowie den Vitaminen C, E und Betacaroten das Voranschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Neue Studien deuten außerdem darauf hin, dass das Carotinoid Lutein helfen könnte. Sicher ist das aber nicht.
Bei der Behandlung der feuchten Form greifen Ärzte zunehmend auf Substanzen zurück, die das Wachstum von Blutgefäßen hemmen. Diese sprießen im Laufe der Erkrankung unter der Netzhaut und neigen zu Blutungen. Die Wirkstoffe Ranibizumab und Bevacizumab unterbinden das.
Forscher entwickelten Bevacizumab ursprünglich zur Therapie bestimmter Krebsformen. Doch schon bald zeigten Studien, dass dieses Medikament auch die Sehfähigkeit von AMD-Patienten verbessern kann.
Derzeit streiten Mediziner, Pharmafirmen und Krankenkassen darüber, ob Ärzte bevorzugt Ranibizumab oder Bevacizumab verordnen sollten. Ranibizumab erhielt Anfang 2007 eine Zulassung für die Behandlung von AMD, ist aber extrem teuer. Bevacizumab besitzt zwar offiziell keine Zulassung, scheint aber ähnlich gut zu wirken – und kostet vor allem viel weniger.
Wie der Streit ausgehen wird, bleibt noch offen. Klar ist nur: „Seit es die neuen Medikamente gibt, sind chirurgische Verfahren wie die photodynamische Therapie nur noch in Spezialfällen vonnöten“, sagt Sascha Fauser.
Burkhardt Röper / www.apotheken-umschau.de;
10.04.2008, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: W&B/Aleksander Perkovic
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