Augen: So bleibt die Sehkraft erhalten

Jeder Mensch hat nur zwei Augen. Deswegen sollten wir auf sie aufpassen. Die gute Nachricht: Wir können im Alltag selbst viel dazu beitragen, das wichtige Sinnesorgan zu schützen

von Nina Himmer, aktualisiert am 08.12.2016

Durchblick: Das Auge passt sich auch an extreme Lichtverhältnisse an

plainpicture GmbH & Co KG/Frederic Cirou

Die Augen liefern uns 80 Prozent unserer Sinneseindrücke. Doch solange sie ihren Dienst tun, beachten wir sie kaum. Aufmerksamkeit bekommen sie erst, wenn ihre Leistung nachlässt, wenn sie brennen, tränen oder jucken. Dabei würde es sich lohnen, den Augen etwas Gutes zu tun – bevor es Probleme gibt. Wussten Sie zum Beispiel, dass Vitamin C vor grauem Star schützt, Tageslicht Kinder vor Kurzsichtigkeit bewahrt und Entspannung den Augeninnendruck senkt?

Ärzte sind sich einig, dass unsere Sehkraft von einem gesunden Lebensstil profitiert. Zahlreiche Studien zeigen, was ihr guttut oder schadet. Die effektivsten Tipps verraten Professorin Maren Klemm, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, und Professor Horst Helbig, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Univklinikums Regensburg.


Professor Horst Helbig ist Direktor der Uni-Augenklinik Regensburg

W&B/Thomas Dashuber

Zu viel Alkohol: Risiko für Linsentrübung steigt

Wer ab und an ein Glas Wein oder Bier trinkt, braucht sich keine Gedanken um die Sehkraft zu machen. Zwar liefern Studien Hinweise darauf, dass Hochprozentiges die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert und trockene Augen begünstigt. Doch bei einem Bierchen am Freitagabend ist nicht gleich mit gravierenden Schäden zu rechnen. Anders bei Alkoholikern: "Ihr Risiko für eine Linsentrübung durch grauen Star und für eine Makuladegeneration ist erhöht. Außerdem schädigt der alkoholbedingte Nährstoffmangel die Sehkraft."

Tabak: Qualm greift Sehnerv und Netzhaut an

Viele Raucher sorgen sich um ihre Lunge und die Atemwege. Dass Zigaretten auch den Augen schaden, ist laut Umfragen 56 Prozent von ihnen nicht bewusst. "Rauchen gilt als großer Risikofaktor für Augenkrankheiten. Es vermindert die Durchblutung, fördert entzündliche Prozesse und lässt die Linse schneller altern", sagt Helbig. Das liegt einerseits an der schlechteren Blutversorgung von Sehnerv und Netzhaut, weil Tabakkonsum die Gefäße verengt. Zum anderen liegt es daran, dass die Giftstoffe aus den Zigaretten den Sehnerv und die Nervenzellen der Netzhaut angreifen. Außerdem haben Raucher oft einen erhöhten Augen­innendruck.

Das alles summiert sich: Wer raucht, entwickelt zehnmal früher eine altersbedingte Makuladegeneration, bei der die Sehzellen in der Netzhautmitte absterben. Das Risiko für grauen Star steigt ebenfalls. Häufig betrifft die Basedowkrankheit, bei der Antikörper primär die Schilddrüse angreifen, auch die Augen. In seltenen Fällen kann es überdies zu einem Augen-Infarkt kommen. Dabei droht durch einen Gefäßverschluss plötzliche Erblindung.


Unterschiedliche Gewebe versorgen und schützen unsere Augen. Hier setzen viele vorbeugenden Maßnahmen an, die die Sehkraft erhalten.

W&B/Michelle Günther

Sonnenlicht: Brillen schützen vor UV-Strahlen

Viele denken an einen UV-Schutz für die Haut, nur wenige an den für die Augen. Dabei leiden diese genauso unter intensiver Sonnenbestrahlung. "An hellen Sommertagen, in südlichen Gefilden, im Gebirge, beim Skifahren oder am Wasser ist zusätzlicher Schutz nötig", so Klemm. Wasser und Schnee reflektieren bis zu 90 Prozent des Lichts und erhöhen das Risiko für Beeinträchtigungen – etwa für einen Augensonnenbrand, auch Verblitzung genannt. "Das ist eine schmerzhafte Schädigung der oberen Hornhaut, die sich durch Brennen, Rötungen und tränende Augen äußert", erläutert Klemm. In der Regel verheilt sie binnen ein bis zwei Tagen. Wer es aber übertreibt, riskiert chronische Schäden, wie sie oft bei Seefahrern auftreten.

Die größte Sicherheit bieten Sonnenbrillen mit ­einem Breitband-UV-400-Schutz. Sowohl UV-B- als auch UV-A-Strahlen können die Entwicklung von grauem Star, das Altern der Netzhaut und ein frühzeitiges Auftreten altersbedingter Makuladegeneration begünstigen sowie Tumore am Augenlid und an der Bindehaut verursachen. An sonnigen Tagen sollte die Brille deshalb so selbstverständlich sein wie Sonnencreme. Aber Vorsicht: "Hinter getönten Scheiben weiten sich die Pupillen und schützen die Netzhaut weniger. Deshalb muss man außerdem auf Schutz von der Seite und von oben achten", sagt Helbig und empfiehlt seitlich geschlossene Brillen oder eine Kappe.

Sonnenlicht hat aber durchaus auch gute Seiten: Aktuelle Studien zeigen, dass helles Tageslicht hilft Kurzsichtigkeit vorzubeugen. Es hemmt bei Kindern das Wachstum der Augäpfel – und das ist gut. Denn ein zu langer Augapfel führt zu Kurzsichtigkeit. Experten empfehlen, dass Kinder täglich mindestens zwei Stunden im Freien verbringen sollten.

Ernährung: Ausgewogen sollte sie sein

Vor kurzem machte in der Augenheilkunde eine Studie aus London Furore. Forscher hatten herausgefunden, dass ein Vitamin-C-reicher Speiseplan das Risiko, an grauem Star zu erkranken, um ein Drittel senkt. Offenbar sammelt das Vitamin sich in der Augenflüssigkeit und verhindert eine Trübung der Linse. "Tatsächlich spielen manche Vitamine für das Auge eine besondere Rolle, weil sie an regenerativen Stoffwechselprozessen beteiligt sind", erklärt Klemm. Das gelte vor allem für Vitamin C und A. Ersteres steckt etwa in Orangen, Brokkoli und Grünkohl; Letzteres in Karotten, Leber, Fisch, Eiern und Spinat.

Wichtiger als Einzelstoffe ist aber eine insgesamt ausgewogene Ernährung. "Übergewicht, schlechte Blutfettwerte, Diabetes, Gefäßablagerungen und Bluthochdruck sind Risikofaktoren für Augenkrankheiten, die sich über die Ernährung beeinflussen lassen", sagt Helbig.

Auch Klemm ist überzeugt: "Unsere Augen brauchen reichlich Obst, Gemüse und Vollkorn, aber wenig Zucker und Fett." Eine Ausnahme bilden Omega-3-Fettsäuren, wie sie Leinsamen und fetter Seefisch enthalten. Studien zeigen, dass ihre Aufnahme entzündungshemmend wirkt und vor trockenen Augen schützt, weil die Drüsen an den Lidrändern mehr Sekret bilden. Auch eine Schutzwirkung vor grauem Star und Netzhaut-Erkrankungen wird diskutiert.

Aus demselben Grund sollten regelmäßig Vitamin B12 und die Pflanzenpigmente Lutein und Zeaxanthin (in Grünkohl, Spinat, Mais, grünen Bohnen, Feldsalat) auf dem Speiseplan stehen. Zwar ist noch umstritten, ob sie tatsächlich vor Makuladegeneration, grauem und grünem Star schützen. Als sicher gilt aber, dass die Farbstoffe der Netzhaut helfen, UV-Strahlen zu filtern, und die Sehzellen gegen freie Radikale wappnen. Wichtig: All diese Nährstoffe sollten möglichst aus Lebensmitteln stammen. "Nahrungsergänzungsmittel bringen bei ausgewogener Ernährung keinen zusätzlichen Effekt für die ­Gesundheit", sagt Helbig.


Früherkennung: Der Augenarzt bleibt unersetzbar

Egal, was auf dem Speiseplan steht und wie fleißig man Sport treibt: Die Vorsorge beim Augenarzt ist unerlässlich, etwa um schleichend verlaufende Krankheiten wie den grünen Star frühzeitig zu erkennen.


Fachverbände raten gesunden Menschen, ab dem 40. Lebensjahr alle zwei bis fünf Jahre zur Früherkennung zu gehen. Wer erblich vorbelastet oder extrem kurzsichtig ist, raucht, unter Diabetes, Bluthochdruck oder viel Stress leidet oder eine längere Kortisontherapie hinter sich hat, sollte sich häufiger untersuchen lassen – egal, in welchem Alter. Ab dem 60. Lebensjahr ist es zudem sinnvoll, die ­Augen auf Makuladegeneration hin kontrollieren zu lassen. In der Regel zahlen die Krankenkassen die Untersuchung nicht.


Bewegung: Die Augen werden besser durchblutet

"Sport beugt Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-­Erkrankungen vor, fördert Normalgewicht und Gefäßgesundheit und hilft Stress abzubauen", sagt Maren Klemm. All das diene der Augengesundheit. "Viele Augenkrankheiten hängen mit Herzkrankheiten und Alterungsprozessen zusammen", bestätigt Horst Helbig. So gehe Bluthochdruck mit einem erhöhten Augen­innendruck einher, Gefäßkrankheiten seien eine Folge verminderter Durchblutung.

Vermutlich beugt eine Kombination aus vollwertiger Kost und ausreichender Bewegung vor. Der Berufsverband Deutscher Augenärzte empfiehlt daher neben einer gesunden Ernährung ein strammes Pensum von rund 60 Minuten Sport täglich. Egal ob Joggen, Radfahren oder ein flotter Spaziergang: Wer es schafft, sich jeden Tag mindestens eine Stunde zu bewegen, verringert das Risiko für grauen Star um 13 Prozent gegenüber Stubenhockern. So das Ergebnis einer Studie, die im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift Ophthalmology veröffentlicht wurde.

Entspannung: Schlaf und Übungen bauen Druck ab

Entspannungsübungen helfen, den Augeninnendruck zu senken und die Blutversorgung des Sehnervs zu verbessern. "Das kann den Krankheitsfortschritt bei grünem Star hinauszögern", erläutert Helbig. Ob Meditation, Musiktherapie, Hypnose, bestimmte Yoga-Praktiken oder autogenes Training – es eignet sich alles, was Stress und Ängste abbaut. Helbig und Klemm sind sich allerdings einig: Solche Übungen bilden eine gute Ergänzung für Stressgeplagte, deren Augen leiden. Sie ersetzen jedoch weder Medikamente noch regelmäßige ärztliche Kontrollen.

Auch ausreichender Schlaf erfreut die Augen: Sind sie geschlossen und müssen sie nicht arbeiten, entspannt sich ihre Muskulatur, die Sehkraft erholt sich. Vorsicht ist bei Schlafapnoe geboten – also nächtlichen Atemaussetzern. Sie betreffen vor allem Menschen, die schnarchen und tagsüber stets unerklärbar müde sind. Der auftretende Sauerstoffmangel kann die Entstehung von grünem Star begünstigen.



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