Sport bei Asthma? Jetzt erst recht!

Viele Menschen mit Asthma scheuen sich aus Angst vor Atemnot, Sport zu treiben. Dabei bessert Bewegung die Beschwerden. Man muss nur wissen, wie man es angeht

von Barbara Erbe, aktualisiert am 11.12.2015

Geht bei Asthma: Laufen, schnaufen, trotzdem bei Atem bleiben

Mauritius/Alamy

Asthmapatienten, die sich täglich bewegen, haben eine zweieinhalb mal so gute Kontrolle über ihre Asthma-Beschwerden, wie diejenigen, die das nicht tun. 30 Minuten täglich radeln, spazieren gehen oder gemächliches Yoga reichen, damit die Beschwerden nachlassen. Dieses Studienergebnis der kanadischen Concordia-Universität belegt mit umfassenden Daten, was Lungenärzte in der Praxis tagein, tagaus erleben, berichtet Dr. Gerd Schauerte, Fachbereichsleiter Gesundheit am CJD Asthmazentrum in Berchtesgaden: „Wir beobachten, dass Freizeitsport selbst Menschen mit schwerem Asthma belastbarer, zuversichtlicher und zufriedener macht.“

Auch Atemmuskeln brauchen Training

Zwar verstärkt körperliche Anstrengung die Atmung, was bei Ungeübten zunächst einmal zu Verkrampfungen führen kann, erklärt der Pneumologe: „Deshalb ist es wichtig, die persönliche Belastbarkeit von einem Arzt einschätzen zu lassen, bevor man mit einem Sport beginnt, und sich auch Tipps zu Trainingsmöglichkeiten und -intensität holen.“ Wer langsam anfängt und sich allmählich steigert, ist aber auf der sicheren Seite und kräftigt Stück für Stück seine Atmung. Die braucht – wie jede Körperfunktion – ein gewisses Training. „Sonst nimmt ihre Leistung ab und Betroffene kommen mit den alltäglichen Anstrengungen nicht mehr so gut zurecht“, erklärt der Asthmaexperte.


Gerade wer sich täglich bewegt, beispielsweise weil er zur Arbeit radelt, regelmäßig spazieren geht oder Nordic-Walking betreibt, trainiert seine Atemwege und entwickelt eine tiefere, kräftigere Atmung, betont die Patientenberaterin Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund: „Dadurch vermindert sich die Atemarbeit für die Lunge und Asthma-Betroffene werden insgesamt belastungsfähiger.“

Sportmediziner Dr. Folker Boldt nennt das „Ökonomie der Atmung“. Ein trainierter Mensch braucht weniger oft einzuatmen, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen: „Damit wird er souveräner und kann sich im Alltag mehr zutrauen.“ Er fühlt sich wohler, und vor allem verschwindet die Angst.

Kurzatmigkeit durch Bewegungsmangel

Viele Asthma-Betroffene fürchten Kurzatmigkeit, sie empfinden sie als beklemmend. Tatsächlich kann sie beim Sport auftreten. Doch viele verwechseln schon die notwendige Mehratmung damit, berichtet Schauerte: „Wer sich dann schont, macht es nur noch schlimmer. Denn dann sind schon geringe Belastungen Höchstleistungen.“ Die gefürchteten Verkrampfungen treten, so Schauertes Erfahrung, nur auf, wenn ein Patienten entweder medikamentös schlecht eingestellt ist oder konditionell (noch) wenig belastbar. Es lohnt sich, etwas an dieser Situation zu ändern: Wer dagegen gut eingestellt ist und seine Belastungsfähigkeit steigert, kann klassische Asthma-Auslöser wie Allergene, Abgase, Anstrengung und auch Infekte im Alltag besser wegstecken. „Das gilt für jugendliche Asthmatiker ebenso wie ältere Asthma-Patienten,“ sagt der Experte.

Überprüfen mit Peak-Flow Messung oder Pulsoximeter

Um herauszufinden, ob eine empfundene Kurzatmigkeit einem Trainingsmangel oder dem Asthma geschuldet ist, gibt es eine sichere Methode: die Messung des Atemflusses mit einem sogenannten Peak-Flow-Meter. Das ist ein handliches Gerät mit einem Mundstück, in das man nach dem Einatmen kräftig hinein pustet beziehungsweise ausatmet. Damit lässt sich die Leistungsfähigkeit der Atemwege (= Peak Flow, also „Spitzenfluss") bestimmen. „Messen Sie den Peak Flow, bevor Sie mit dem Sport beginnen, und messen Sie ihn noch einmal, sobald Sie schwer atmen müssen“, rät Lungenarzt Schauerte. „Ist der Peak Flow bei der zweiten Messung weniger als 15 bis 20 Prozent abgefallen – und das ist meist der Fall – spricht das für Trainingsmangel als Ursache. Die Kurzatmigkeit liegt höchstwahrscheinlich nicht am Asthma.“

Eine weitere, ebenso einfach Messmöglichkeit bietet das Pulsoximeter. Das ist ein kleiner Clip, der kurz an Finger, Ohrläppchen oder auch Zeh befestigt wird und dort per Infrarotsensor den Sauerstoffgehalt des Blutes misst. „Wenn das Gerät signalisiert, dass genügend Sauerstoff im Blut ist, ist die Kurzatmigkeit schon weniger beängstigend“, meint Mediziner Boldt von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Wichtig ist allerdings, wenn nötig vor der Belastung ein bis zwei Hübe Asthmaspray zu inhalieren. „Sport ist eine wichtige Ergänzung der Therapie, nur in leichten Fällen von Asthma kann er tatsächlich die Medikamente ersetzen.“

Besonders geeignet: Ausdauersport

Im Grunde gibt es kaum einen Sport, den Asthma-Betroffene nicht betreiben können, meint Schauerte. Wer sich aber unsicher fühlt, sollte eine Sportart wählen, die sich bei Bedarf schnell unterbrechen lässt: Also lieber Laufen und Radfahren als Wildwasserpaddeln oder Klettern in den Bergen. Zudem sind länger andauernde und dafür nicht so intensive Belastungen für Asthmatiker besser geeignet als kurze, starke Belastungen wie etwa Sprints beim Fußball. Liegt allergisches Asthma vor, kann beispielsweise der Ausflug ins Hallenbad oder die Sporthalle bei einer Pollenallergie während der Pollenflugzeit hilfreicher sein als die Bewegung im Freien, ergänzt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund.

Für alle Sportarten ist es gleichermaßen wichtig, sich vor dem Training mindestens zehn Minuten intervallmäßig aufzuwärmen, damit sich der Körper an die Anstrengung gewöhnt. Danach sollten sich Belastungs- und Entspannungsphasen abwechseln, und das Training sollte mit einer zehnminütigen Abkühl-Phase enden. Bestimmte Atemtechniken wie die Lippenbremse helfen dabei: Dabei atmet man so lange wie möglich gegen die nur einen Spalt weit geöffneten Lippen aus, so dass die Luft langsam und gleichmäßig entweicht.

Grundsätzlich gilt: Sportler mit Asthma sollten ihr Spray immer zur Hand haben. Dauer und Intensität des Trainings sollten sich nach der aktuellen Leistungsfähigkeit und Lungenfunktion richten. Ob man besser draußen oder drinnen sportelt, hängt vom Wetter ab: Im Winter kann zum Beispiel der schnelle Wechsel aus einem beheizten Raum in die klate Außenluft einem Asthma-Patienten zusetzen. Auch feuchte Kälte kann bei manchen Atembeschwerden bis hin zum Asthmaanfall auslösen. Ansonsten gilt laut Schauerte: „Jede Bewegung hilft – je mehr, desto besser.“



Bildnachweis: Mauritius/Alamy

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