Funk und Fernsehen, Printmedien und das Internet – alle Kanäle der Nachrichtenverbreitung befeuern uns rund um die Uhr mit neuen Informationen zum Ausbruch des Vulkans in Island. Die meisten Berichte drehen sich um die Auswirkungen auf den Flugverkehr.
Uns interessieren aber vor allem die gesundheitlichen Folgen dieses Naturspektakels. Daher haben wir Dr. Wolfgang Straff, den Fachgebietsleiter für Umweltmedizin am Umweltbundesamt zu Rate gezogen.
Welche Auswirkungen hat die Vulkanwolke auf unsere Gesundheit?
Zu diesem Zeitpunkt noch gar keine. In Deutschland sind weder die Feinstaubkonzentrationen noch andere gesundheitlich interessante Werte in Bodennähe erhöht. Nach unseren Luftmessungen und auch denen der Länder besteht noch keinerlei Grund zur Sorge.
Wenn die feinen Partikel der Wolke allerdings absinken, dann kann die Gesamtbelastung ansteigen. In diesem Fall müsste man eventuell Vorsichtsmaßnahmen empfehlen. Das gilt natürlich vor allem für empfindliche Menschen mit Lungenerkrankungen, wie beispielsweise Asthmatiker.
Was könnte an der Wolke gefährlich werden?
Momentan ist noch nicht abschließend analysiert, woraus die Wolke eigentlich besteht. Klar ist, dass sie sich aus vielen winzigen Teilchen zusammensetzt. Alle Partikel, die kleiner sind als 10 Mikrometer gelten als Feinstaub. Sie können inhaliert werden, in tiefere Bereiche der Lunge eindringen und dem Organ Schaden zufügen. Größere Teilchen fangen die Schleimhäute vorher ab. Sie können beim Einatmen zwar Husten auslösen, aber sie gelangen nicht weiter in den Körper hinein.
Falls die Wolke auch Schwefelsäure beinhaltet, würde auch dieser Stoff die Lunge reizen. Das ist vor allem bei empfindlichen Menschen wie Asthmatikern ein Problem. Für eine endgültige Warnung ist eine zuverlässige Analyse notwendig.
Wie wird die Wolke absinken?
Das kann zum einen durch Regen passieren. Dieser Fall wäre wahrscheinlich relativ günstig, denn so setzt sich der Staub gleich ab und wirbelt nicht mehr in der Luft herum. Ansonsten wird der Staub langsam durch Gravitation die Erdoberfläche erreichen.
Muss die Wolke auf jeden Fall gefährlich werden?
Nein. Wenn sich die Aschewolke erst weit verteilt und dann nach und nach absinkt, kann sich die Luftkonzentration vor Ort unter Umständen nur unwesentlich verändern. Und das muss dann auch keine gesundheitlichen Folgen haben. Die Warnungen, die England oder die Weltgesundheitsbehörde WHO herausgeben haben, sind zur Zeit für Deutschland noch nicht notwendig.
Scheinbar dürfen wir aufatmen, das Umweltbundesamt gibt erst einmal Entwarnung. Trotzdem sollte vor allem Asthmapatienten das Geschehen aufmerksam verfolgen. Die kleinen Teilchen, die der Vulkan Eyjafjallajökull in die Atmosphäre spuckt, sollen eine sehr raue und scharfkantige Oberfläche haben. Atmet man diese Partikel ein, können sie die Lunge reizen und unter Umständen auch einen Asthmaanfall hervorrufen.
Und da in manchen Fällen bereits kalte Luft einen Anfall auslösen kann, ist leicht vorstellbar, was die kratzigen Teilchen bewirken würden. Beim allergischen Asthma hingegen führt meist der Kontakt mit Pollen, Staubarten, Schimmelpilzsporen, Tierhaaren oder chemischen Lösungsmitteln zum Ausbruch der Krankheit.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de; 20.04.2010, aktualisiert am 25.06.2010
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