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Ausdauersport kann bei Asthma helfen

Regelmäßiges Training kann die Beschwerden von Asthmatikern verringern. Was Patienten beachten sollten, erklärt Professor Martin Kohlhäufl, Pneumologe und Chefarzt der Klinik Schillerhöhe in Stuttgart-Gerlingen


Sport: Tut auch Asthmatikern gut

Welche Vorteile haben Asthmatiker, die Sport treiben?

Professor Martin Kohlhäufl: Eine aktuelle Studie aus Brasilien konnte belegen, dass sich die körperliche Leistungsfähigkeit von Asthmatikern bessert, wenn sie Sport treiben. An der Studie nahmen 101 Patienten im Alter von 20 bis 50 Jahren mit mittelgradigem oder schwerem Asthma teil. Sie wurden in zwei Gruppen unterteilt. Alle Probanden erhielten weiterhin ihre üblichen Medikamente und Therapien. Eine Gruppe bekam zusätzlich zweimal die Woche 30 Minuten lang ein Ausdauertraining verordnet, während die andere nicht trainierte. Das Ergebnis nach drei Monaten: Asthmapatienten mit Training waren im Monat ungefähr 24 Tage symptomfrei, die Kontrollgruppe ohne Sport nur an 16 Tagen. Aber nicht nur die typischen Asthma-Beschwerden ließen nach. Auch der Gemütszustand der sportlichen Asthmatiker verbesserte sich. Mögliche psychische Krankheitsfolgen wie Angst und Depressivität traten seltener auf.

Wie sollten sich Asthmapatienten auf das Sporttreiben vorbereiten?

Martin Kohlhäufl: Für Asthmatiker ist es besonders wichtig, sich vor dem Sport gründlich und langsam aufzuwärmen. Belasten sie sich zu schnell, steigert sich die Atemfrequenz. Bei Asthmatikern kann das die Bronchien verengen und zu einem Anstrengungsasthma mit Atemnot führen. Besonders bewährt hat sich das sogenannte Intervall-Aufwärmen: Wer zwischen zügigem Gehen und schnellem Laufen wechselt, bereitet seine Lunge Schritt für Schritt auf die körperliche Belastung vor. Das Aufwärmen lässt außerdem die Muskeln elastischer und leistungsfähiger werden und die steigende Körpertemperatur kurbelt den Stoffwechsel an.


Was ist bei Kindern mit Asthma zu beachten?

Martin Kohlhäufl: Jüngere Kinder sind zu Beginn der Sportstunde manchmal kaum zu bremsen. Trotzdem sollten sie keinesfalls auf das Aufwärmtraining verzichten. Eine gute Methode ist, mit spielerischen Entspannungsübungen zu beginnen und dann langsam intervallweise aufzuwärmen. Beim Sport immer wichtig: an nötige Pausen denken.

Welche Sportarten sind für Asthmatiker geeignet?

Martin Kohlhäufl: Die Deutsche Atemwegsliga empfiehlt besonders Sportarten, die in Form von Intervallbelastungen ausgeführt werden können. Dazu gehören Laufen und Radfahren. Noch besser geeignet ist Schwimmen, da hier die Wahrscheinlichkeit, ein Anstrengungsasthma auszulösen, am geringsten ist. In Frage kommt auch Krafttraining, das die Atemmuskulatur stärkt und Schnelligkeitstraining – etwa bei Kurzstrecken.

Sport und Asthma: Muss der Arzt die Medikamente anpassen?

Martin Kohlhäufl: Die ärztlich verordnete, medikamentöse Dauertherapie soll Asthmapatienten in die Lage versetzen, ihren Alltag mit allen normalen körperlichen Belastungen gut zu bewältigen. Vor allem im Kindes- und Jugendalter gehören dazu auch Sport und andere körperliche Aktivitäten. Je nach Sportart und der damit verbundenen höheren Belastung kann es passieren, dass die Standarddosis der Medikamente nicht ausreicht, um einen Asthmaanfall zu verhindern. Deswegen sollten Betroffene vorab mit ihrem betreuenden Arzt sprechen und die Medikamente an die sportliche Belastung anpassen.

Was tun, wenn doch mal die Luft wegbleibt?

Martin Kohlhäufl: Die Belastung durch Sport ist für Asthmapatienten nicht immer vorhersehbar. Was im Ernstfall zu tun ist, sollten sie deshalb im Vorfeld mit ihrem Arzt besprechen. Verkrampft die Atemwegsmuskulatur durch die hohe Anstrengung, sind sogenannte Beta-Sympathomimetika meist eine schnelle Hilfe. Sie erweitern die Atemwege und vermindern den Muskelspasmus der glatten Atemwegsmuskulatur. In Absprache mit dem Arzt kann der Asthmatiker sie auch prophylaktisch vor der Sportstunde anwenden.

Wie oft sollten Asthmapatienten Sport treiben?

Martin Kohlhäufl: Mindestens sechzig Minuten pro Woche. Es ist egal, ob das Training am Stück oder etwa auf zweimal dreißig Minuten verteilt wird.


Prof. Dr. med M. Kohlhäufl, Internist

Unser Experte: Professor Martin Kohlhäufl ist Chefarzt der Klinik Schillerhöhe (Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie). Standort des Robert-Bosch-Krankenhauses ist in Stuttgart-Gerlingen.



Bastian Fersch / www.apotheken-umschau.de; 13.09.2011, aktualisiert am 13.09.2011
Bildnachweis: W&B/privat, W&B/Jan Greune

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