Ob Dosieraerosol, Pulverinhalator oder Vernebler: Arzneien bei Asthma sind oft zum Inhalieren gedacht
Asthma ist zwar nicht heilbar, aber mit Medikamenten lässt sich die Krankheit gut kontrollieren. Damit kann den Patienten ihre Lebensqualität weitgehend erhalten werden: Bei optimaler Therapie besteht volle körperliche Leistungsfähigkeit. Dies zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass viele berühmte Hochleistungssportler unter der Atemwegskrankheit leiden.
Eine erfolgreiche Behandlung von Asthma ruht auf mehreren Säulen:
1. Medikamente, um die Beschwerden zu lindern und die Asthmaanfälle in den Griff zu bekommen
2. Meiden der Auslöser der Erkrankung (so weit möglich) und Hyposensibilisierung (falls im Einzelfall erfolgversprechend)
3. Ergänzende Maßnahmen
4. Schulung des Patienten
5. Ständige Kontrolle des Krankheitsverlaufs durch den Arzt und den Betroffenen
Hilfe bei akuten Asthmaanfällen
Im Notfall sollte man wissen, was zu tun ist. Auch wenn Asthmapatienten zwangsläufig Erfahrungen im Umgang mit akuten Anfällen sammeln: Jedes Mal ist anders und erfordert umgehendes, richtiges Handeln. Zumal sich durch die beklemmende Atemnot bei akuten Asthmaanfällen oft Angst vor dem Ersticken einstellt und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt ist. Daher gilt:
• Ruhe bewahren
• Notfallmedikamente unverzüglich wie vom Arzt verordnet inhalieren (Achtung: Anzahl der insgesamt verabreichten Hübe notieren oder merken, da sie für den Notarzt relevant sein kann!)
Kutschersitz: Asthmatiker können Haltungen erlernen, die ihnen in bestimmten Situationen das Atmen erleichtern
• Das Atmen lässt sich durch bestimmte Körperhaltungen und Atemtechniken
erleichtern. Die Muskeln, die normalerweise die Arme an den Körper heranführen, können in diesen Stellungen dabei helfen, den Brustkorb zu weiten. In Schulungen oder von Ihrem Arzt können sich Asthmatiker solche Haltungen und Techniken zeigen lassen.
• Falls nötig, einen Notarzt rufen (insbesondere dann, wenn der Patient blau anläuft, er kaum noch sprechen kann, der Puls bei Erwachsenen mehr als 110 Schläge pro Minute beträgt oder die Beschwerden trotz der Eigenbehandlung nicht besser werden)
Wenn nach zehn Minuten noch keine deutliche Besserung eingetreten ist: Erneut Notfallmedikamente inhalieren und gegebenenfalls, falls von Arzt für diese Fälle verordnet, auch eine Kortikosteroidtablette einnehmen.
1. Medikamente
Die Wirkstoffe werden verschiedenen Gruppen zugeordnet:
Mögliche Nebenwirkungen der inhalierten Kortikosteroide sind Heiserkeit und Pilzbefall der Mundschleimhaut (Mund-Soor). Vorbeugen kann man letzterem teilweise, indem man die Medikamente vor den Mahlzeiten inhaliert oder anschließend den Mund spült. Bei langfristigem Gebrauch von Kortikosteroiden als Tabletten kann es unter anderem zu einer Gewichtszunahme, zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, Knochenentkalkung (Osteoporose) und Störungen des Mineralhaushalts kommen.
Therapie in Stufen
Der Arzt passt die Behandlung dem aktuellem Befinden und Symptomen des Patienten und den Lungenfunktionswerten an. Als Basistherapie gelten inhalative Kortikosteroide. Als Bedarfsmedikation bekommen zusätzlich alle Asthmapatienten schnell wirksame bronchialerweiternde Mittel (kurzwirksame Betamimetika).
Nur Patienten mit ganz leichtem sporadisch auftretendem Asthma bekommen ausschließlich kurzwirksame Betamimetika zum Inhalieren, damit sie für gelegentliche Asthmazustände ausgerüstet sind. Sobald ein Patient mehr als zweimal pro Woche diese Notfallmedikamente benötigt, braucht er bereits zusätzlich ein inhalatives Kortikosteroid, das er in einer niedrigen Dosis täglich einatmet. Alternativ kommt in bestimmten Fällen auch ein Versuch mit Leukotrienantantagonisten in Frage.
Reicht das niedrigdosierte inhalative Kortikosteroid nicht aus, kommen ergänzend langwirksame Betamimetika zum Einsatz, die nach Verordnung des Arztes ein bis zweimal täglich angewandt werden. Alternativ können auch die Dosis der Kortikosteroide gesteigert oder Leukotrienrezeptorantagonisten statt der langwirksamen Betamimetika versucht werden.
Als vierte Stufe kommen höhere Dosen inhalativer Kortikosteroide in Kombination mit langwirksamen Betamimetika in Frage. Gegebenenfalls können an Stelle letzterer auch Leukotrienrezeptorantagonisten oder Theophyllin versucht werden.
Als letzte Möglichkeit können Kortikosteroide auch als Tablette verabreicht werden. Bei allergischem Asthma kann auch Omalizumab, ein Antikörper gegen IgE, versucht werden, der die allergische Reaktion verhindern soll. Allerdings ist diese Behandlung sehr teuer und nur in bestimmten Fällen wirksam.
2. Meiden der Auslöser
Sind die Auslöser von Asthmaanfällen bekannt, sollten die Betroffenen sie so gut wie möglich meiden. Das gilt sowohl für Allergene, wie auch andere asthmaauslösende Reize wie kalte Luft, Nebel oder Stäube. Atemwegsinfekte sollten so früh und effizient wie möglich therapiert werden.
Stellt der Arzt die Diagnose eines durch Medikamente bedingten Asthmas, wird er die verursachenden Mittel absetzten und dem Patienten einen Allergiepass mit Nennung der Alternativen ausstellen. Bestimmte Arzneimittel, wie Betablocker, sind für Asthmatiker nicht geeignet, weil sie die Bronchien verengen und damit Atemnotsanfälle auslösen können. Weisen Sie Ihre behandelnden Ärzte daher darauf hin, wenn Sie unter Asthma leiden! Sie können dies dann bei der Auswahl der Medikamente berücksichtigen.
Bei einer Allergie gegen Pollen oder Hausstaubmilben kommt eventuell auch eine Hyposensibilisierung in Frage, bei der das Immunsystem langsam wieder an die entsprechenden Stoffe gewöhnt wird. Die Therapie dauert in der Regel drei Jahre und sollte nur von einem Spezialisten durchgeführt werden. Bei der Methode, die auch als spezifische Immuntherapie bekannt ist, werden in regelmäßigen Abständen Extrakte des entsprechenden Allergens unter die Haut gespritzt. Für die Hyposensibilisierung gibt es auch Tropfen oder Tabletten zum Einnehmen, deren Wirkung jedoch noch nicht so gut gesichert ist, wie die der klassischen Therapie mit Spritzen.
3. Ergänzende Maßnahmen
Medikamente spielen zwar eine sehr wichtige Rolle in der Therapie der chronischen Atemwegskrankheit, doch es gibt zahlreiche weitere Maßnahmen, die Asthmatikern ebenfalls helfen können:
Atmen bei Asthma will gelernt sein – auch wenn sich das eigenartig anhört. Doch eine ganze Reihe von Atemtechniken können helfen, besser Luft zu bekommen. Sie sind leicht zu erlernen, verbessern die Lebensqualität und sind eine wichtige Hilfe für Notfälle. Viele Ärzte und Physiotherapeuten bieten spezielle Atemkurse für Asthmatiker an.
Asthma und Sport sind kein Widerspruch – ganz im Gegenteil. Regelmäßiges körperliches Training gehört unbedingt mit zur Behandlung. Denn es verbessert die Lungenfunktionen und den Gasaustausch, steigert die Herzleistungsfähigkeit und Sauerstoffnutzung in den Muskeln. So gilt regelmäßiges Ausdauertraining in Kombination mit den individuell richtigen Medikamenten heute als optimale Asthmatherapie. Sportliche Überforderung sollte jedoch vermieden werden. Besprechen Sie daher unbedingt mit Ihrem behandelndem Arzt, welche Sportarten in welchem Leistungsumfang für Sie geeignet sind.
Asthmatiker müssen lernen, mit ihrer Erkrankung zu leben. Keine einfache Aufgabe. Denn chronisch krank und ständig auf Medikamente angewiesen zu sein, bedeutet auch einen gewissen Kontrollverlust. Mutlosigkeit, Zweifel und das Gefühl, ohnehin nichts bewirken zu können, stellen sich dann schnell ein. Psychotherapeutische Unterstützung kann dem Patienten sehr gut helfen, wieder zuversichtlicher im Umgang mit seiner Krankheit zu werden. Dabei empfiehlt es sich, Angehörige und Lebenspartner in die Behandlung mit einzubeziehen.
Emotionaler Stress kann Asthmaanfälle auslösen oder bestehende asthmatische Beschwerden verschlimmern. Entspannungstechniken bauen Stress ab, verbessern die Lebensqualität und erleichtern den Umgang mit Asthma.
Wer eine Entspannungstechnik erlernen möchte, sollte das zunächst mit dem Arzt besprechen. Denn er kann beurteilen, welches Verfahren am besten infrage kommt und hilft mit Informationen zu Angeboten und Kursen weiter.
Häufig tut Patienten mit Asthma ein vorübergehender Klimawechsel gut. Denn das Umstellen auf eine veränderte Temperatur, Luftzusammensetzung, Sonneneinstrahlung sowie andere Windverhältnisse oder Höhenlagen und die Entspannung im Urlaub können positive Auswirkungen auf den Körper haben. Bei Pollenallergien hilft es generell, Regionen aufzusuchen, in denen die betreffenden Pollen noch oder schon nicht mehr fliegen.
4. Patientenschulung
Asthmapatienten müssen sich darauf einstellen, dass sie diese Krankheit ihr Leben lang begleiten könnte. Deshalb sollten die Betroffenen lernen, wie sie ihren Alltag mit der Krankheit bewältigen können und vor allem, wie sie mit ihren Beschwerden – auch in akuten Notfällen – umgehen. Dazu gehört die richtige Anwendung der jeweils verordneten Medikamente und die Kenntnis der Maßnahmen, die bei Asthmaanfällen erforderlich sind.
All das vermitteln spezielle Schulungsprogramme für Asthmatiker. Diese haben sich als sehr wirkungsvolle Hilfe für die Patienten erwiesen. Es empfiehlt sich, beim Arzt nach solchen Lehrgängen zu fragen sowie die Krankenkasse auf eine Kostenübernahme anzusprechen.
Ampelschema: Welcher Peak-Flow-Wert welchem Ergebnis entspricht, sehen Sie mit einem Klick auf die Lupe
5. Ständige Kontrolle der Erkrankung durch den Arzt und den Betroffenen
Wie für alle chronisch Kranken sind auch für Asthmapatienten regelmäßige Arztbesuche
sinnvoll. So ist gewährleistet, dass die Therapie stets auf aktuellem Stand und der eigenen Situation angemessen ist. Nebenwirkungen können frühzeitig erkannt oder rechtzeitig verhindert werden.
Regelmäßige Lungenfunktionsprüfungen sind zudem unbedingt erforderlich, um die Therapie dem jeweiligen Krankheitsstadium anzupassen. Auch Selbstmessungen durch den Patienten können sinnvoll sein. Als Vergleich dient der persönliche Peak-Flow-Bestwert, also der höchste Peak-Flow-Wert, der ermittelt werden konnte, als der Patient gerade beschwerdefrei war.
Die Ergebnisse der Peak-Flow-Messungen werden dann nach dem Ampelschema ermittelt. Ein Peak-Flow von 80 bis 100 Prozent des Bestwertes bedeutet „grün“ – alles in Ordnung. Liegen die Werte zwischen 60 und 80 Prozent des Bestwertes, steht die Ampel auf „gelb“ – der Verengung der Atemwege muss entgegen gewirkt werden, indem die Therapie angepasst wird. Bei Peak-Flow-Werten von weniger als 60 Prozent liegt ein Notfall vor. Patienten sollten unverzüglich ihre Notfallmedikamente anwenden und einen Arzt aufsuchen oder alarmieren.
www.apotheken-umschau.de;
16.11.2005, aktualisiert am 02.03.2011
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