Wer ständig unter Schmerzen leidet in den Gelenken hat, sehnt möglichst schnelle Hilfe herbei. Was hilft wann bei Arthrose, was sagen Experten und medizinische Studien über die verschiedenen Behandlungsansätze? Ein Überblick.
Medikamente
Schmerzlinderung ist oft der erste Schritt, der andere Therapien erst ermöglich. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft empfiehlt ein abgestuftes Vorgehen: Bei einer Arthrose ohne aktuelle Entzündung steht an erster Stelle der Wirkstoff Paracetamol. Reicht dieser nicht aus, sollen „traditionelle“ Wirkstoffe wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Naproxen oder die neueren Wirkstoffen Celecoxib und Etoricoxib eingesetzt werden.
Sehr wichtig: Bei der Wahl muss der Arzt Begleiterkrankungen an Herz, Nieren und Verdauungssystem sowie individuelle Risiken und Unverträglichkeiten berücksichtigen. Oft sind ergänzend Magenschutzmedikamente nötig. Wegen vielfältiger Nebenwirkungen aller Schmerzmittel lautet der Grundsatz: Die Behandlungsdauer sollte so kurz und die Dosis so niedrig wie möglich ausfallen. „Viele Patienten kennen mehr und weniger schmerzhafte Phasen“, erklärt Professor Wolfgang Rüther, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Die Medikation lasse sich entsprechend anpassen und in „besseren“ Zeiten aussetzen.
Gelenksalben
Salbe, Gele oder Pflaster mit Entzündungshemmern oder Beinwell erreichen zwar wohl nur die Randstrukturen der Gelenke. Vor allem bei akuten Entzündungen in oberflächennahen Gelenken ist die Wirksamkeit von rezeptfreien Salben, die in der Apotheke erhältlich sind, aber gut belegt. Sie sollen auch dazu dienen, den Verbrauch von Schmerztabletten zu senken.
Krankengymnastik
Bewegungs- und Dehnübungen unter Anleitung können helfen, Begleiterscheinungen der Arthrose, wie Muskelverkürzungen und das Schrumpfen der Gelenkkapsel, zu mindern, die Muskulatur zu kräftigen und allgemein die Gelenkfunktion zu verbessern. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, sollten die Patienten zu Hause fortführen, was sie beim Physiotherapeuten gelernt haben.
Bewegung und Sport
Körperliche Aktivität nützt den Gelenken, wenn das Prinzip „Viel bewegen, wenig belasten und nie in den Schmerz hineintrainieren“ eingehalten wird. Das heißt: Schnelle Bewegungswechsel, Stöße, starken Druck auf das Gelenk sowie Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr sollten Arthrose-Kranke meiden oder nur ausüben, wenn sie in der jeweiligen Disziplin Könner sind und es verstehen, die Belastung zu senken. Je nach betroffenen Gelenken können sich unterschiedliche Sportarten eignen. Gegen Radfahren, Schwimmen, Wandern und schnelles Gehen ist fast nie etwas einzuwenden.
Spritzentherapie
Bei einer aktiven Gelenkentzündung können Kortisonspritzen kurzfristig den Schmerz lindern. Sie sollten von darin erfahrenen Ärzten höchstens viermal im Jahr eingesetzt werden. Injektionen in das Hüftgelenk sollten laut Arzneimittelkommission der Ärzteschaft unterbleiben. Viele Ärzte berichten über gute Erfahrungen mit Injektionen der natürlichen Gelenksubstanz Hyaluronsäure. Die Studienergebnisse dazu sind aber widersprüchlich. Daher zahlen die Kassen die Spritzen meist nicht, die bei mehrmaliger Anwendung hohe dreistellige Summen kosten.
Ergotherapie
Beispielsweise bei Fingergelenkarthrosen kann die Ergotherapie mit Übungen dazu beitragen, die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten oder zu verbessern. Ergotherapeuten beraten auch zu Hilfsmitteln und zur Gestaltung des Arbeitsplatzes.
Psychotherapie
Eine Studienübersicht zeigt, dass psychotherapeutische Verfahren wie Verhaltenstherapie die Intensität der Schmerzen lindern können, allerdings nur geringfügig. Hilfreich sind sie aber vor allem dabei, den Umgang mit der chronischen Krankheit zu lernen: Ängste und Depressionen wurden gemindert, die Alltagsbewältigung und das Aufrechterhalten sozialer Kontakte verbesserten sich.
Kälte und Wärme
Je nach Befinden – ob akuter Schub oder chronischer Zustand – wirken kühlende Gelkompressen aus der Apotheke oder Fangopackungen. Allgemein gilt: Bei akuten Schmerzen sprechen Patienten eher auf Kälte an, bei chronischen auf Wärme. Abweichungen im Einzelfall sind möglich.
Orthopädietechnik
Einlagen oder Schuhranderhöhungen entlasten bei Kniearthrose. Bei Sprunggelenkarthrose können Orthopädieschuhmacher Abrollhilfen fertigen oder Absätze verbreitern. Bei allen Beinarthrosen sollten die Schuhe Pufferabsätze aufweisen.
Bandagen und Orthesen
Bandagen stabilisieren zwar die Gelenke nicht direkt, mit ihnen nimmt aber der Körper die Haltung besser wahr und sensibilisiert die Muskeln. Bei guten Bandagen unterstützen eingearbeitete Druckpolster diesen gelenkentlastenden Effekt. Orthesen schienen und stützen Gelenke, stellen sie ruhig oder erlauben einen definierten Bewegungsumfang. Sie kommen am Knie und Sprunggelenk, bisweilen auch am Handgelenk oder Daumensattelgelenk zum Einsatz.
Übergewicht abbauen
Bei entsprechender Veranlagung verringert laut Studien schon ein um fünf Prozent geringeres Körpergewicht die Belastung kranker Knie, noch besser sind zehn Prozent. Fettzellen schädigen über Entzündungsbotenstoffe wohl auch Gelenke, die das Körpergewicht nicht zu spüren bekommen, zum Beispiel an der Hand. Abnehmen wirkt also in vielfacher Hinsicht.
Elektrische Verfahren
Pulsierende elektrische oder elektromagnetische Felder, Diathermie, Ultraschallbehandlung: Der Markt bietet in diesem Bereich viele verschiedene Methoden an. Sie sind meist nicht gut untersucht – was nicht zwingend heißt, dass sie nicht wirken. Die besten Hinweise auf eine Schmerzlinderung liegen für die „transkutane elektrische Nervenstimulation“ vor. Die Autoren einer Studienübersicht betonen aber, dass die Qualität der Studien meist zu wünschen übrig lässt und für eine abschließende Empfehlung nicht genügt.
Dr. Reinhard Door / Apotheken Umschau;
14.07.2010, aktualisiert am 06.12.2010
Bildnachweis: Corbis GmbH/Gary Salter
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