Die Ursachen einer Hand- und Fingergelenksarthrose sind in der Regel nicht bekannt und können deshalb auch nicht beseitigt werden. Die Symptome lassen sich jedoch bekämpfen. Außerdem ist es ratsam, alles zu meiden, was den Gelenken zusätzlich schadet.
Treten erste Anzeichen der Arthrose auf, rät der Arzt dazu, Überanstrengungen und Fehlbelastungen im Alltagsleben, Beruf und Sport zu reduzieren. Mit Hilfe von Ergotherapeuten lernen Patienten, welche Handgriffe im Alltag besonders "auf die Gelenke gehen" – und mit welchen Tricks man die Finger entlasten kann. Dazu sind auch zahlreiche einfache Hilfsmittel vorhanden, wie zum Beispiel Griffverstärkungen von Stiften, durch die die Fingergelenke geschont werden können. Die Anlage von Schienen kann gerade bei der Arthrose des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) eine deutliche Schmerzreduktion bringen.
Eine Veränderung der Nahrungszufuhr – weg von fleischreich hin zu pflanzlich – kann sich zusammen mit Nahrungsergänzungsmitteln (synthetische Knorpelbausteine, Hyaluronsäure, Glucosaminsulfat, Chondroitinsulfat, Kollagenhydrolysat) positiv auswirken als essenzielle Knorpelbausteine zur Unterstützung des Knorpel- und Knochenstoffwechsels. Darüber hinaus wird die Gabe von entsprechenden Vitaminen und Antioxidantien empfohlen. Inwieweit die Effektivität solcher relativ teuren Präparate den wissenschaftlichen Studien Stand hält, kann abschließend noch nicht beurteilt werden.
Im Akutstadium aktivierter Arthrosen können schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente akut die Situation verbessern, zum Beispiel nicht steroidale Antirheumatika (NSAR). Als Cremes oder Gels appliziert sind diese Wirkstoffe zwar weniger effektiv. Sie machen aber Sinn, wenn sie mit Hilfe von Ultraschall oder Iontophorese verabreicht werden, da dadurch eine höhere Eindringtiefe gewährleistet ist. Iontophorese ist eine Variante der Elektrotherapie, bei der elektrisch geladene Teilchen helfen sollen, äußerlich aufgetragene Arzneistoffe schneller ins Gewebe zu befördern. Die Behandlung mit Reizstrom, die auch in Form von Eigenanwendung durch entsprechende Geräte möglich ist, fördert die Durchblutung und begünstigt dadurch den Abbau entzündungsauslösender Mediatoren (Botenstoffe).
Die Verabreichung entzündungshemmender Medikamente direkt in die betroffene Gelenke sollte stets mit größter Zurückhaltung erfolgen, insbesondere wenn es sich um kortikoidhaltige Präparate handelt, da dies mit einer Schädigung des Restknorpels verbunden ist und allenfalls nur eine vorübergehende subjektive Verbesserung erreicht werden kann.
Im Gegensatz dazu kann die Radiosynoviorthese bei aktivierten Arthrosen durchaus für eine längere Zeit eine deutliche Schmerzreduktion erbringen. Bei dieser Methode wird durch einen nuklearmedizinisch versierten Radiologen eine radioaktive Substanz mit kurzer Reichweite direkt in das betroffene Gelenk eingespritzt. Der Stoff verteilt sich durch die Gelenkflüssigkeit und wird von den oberflächlichen Zellen der Gelenkschleimhaut aufgenommen und dadurch der Entzündungsprozess verödet. Wegen der kurzen Halbwertzeit von wenigen Tagen und der kurzen Reichweite ist die Strahlenbelastung sowohl für den eigenen Körper als auch für die Umgebung extrem niedrig. Die Ansprechrate der so behandelten Patienten lässt sich jedoch nur schwer vorhersehen, das endgültige Ergebnis oft erst nach Monaten abschließend beurteilen.
Am Ende der Behandlungskaskade steht die operative Behandlung der Polyarthrose. Als wenig invasive Maßnahme kann durch die gezielte Durchtrennung schmerzleitender Nervenfasern zu den betroffenen Gelenken eine Schmerzreduktion erzielt werden. Diese Methode ist jedoch von relativ hoher Unsicherheit geprägt und daher nicht allgemeiner handchirurgischer Standard.
Bei der chirurgischen Versorgung der Gelenksarthrosen gelten klare Prinzipien und klare Vorgaben für jedes der betroffenen Gelenke. Oberstes Ziel der Behandlung ist stets die Linderung der Schmerzen.
Die Gesamtbeweglichkeit eines Fingers von voller Beugung zu voller Streckung setzt sich aus dem Bewegungsmuster von Grundgelenk, Mittelgelenk und Endgelenk zusammen. Dabei hat das Grundgelenk 70 Prozent Anteil am Gesamtbewegungsumfang, das Mittelgelenk 27 Prozent, das Endgelenk lediglich 3 Prozent. Dies zieht folgende Konsequenz nach sich:
Bei einer schmerzhaften Polyarthrose der Endgelenke, eventuell in Kombination mit funktioneller Behinderung durch den Achsknick, ist aus handchirurgischer Sicht ohne große Einschränkung die Versteifung dieses Gelenkes in einer günstigen Beugestellung Mittel erster Wahl. "Günstig" bedeutet 5 bis 10° Beugestellung.
Bei zerstörten Mittelgelenken ist die Versteifung in 30 bis 40° Beugestellung für schwer arbeitende Patienten die Behandlung erster Wahl. Für alle anderen bietet sich zwischenzeitlich die Möglichkeit durch neu entwickelte Fingergelenksprothesen, überwiegend aus Pyrocarbon, eine komplette Schmerzreduktion bei erhaltener Restbeweglichkeit zu erreichen.
Obgleich derartige Endoprothesen sicherlich noch nicht den Standard aufweisen, wie man sie bei den großen Gelenken (Hüfte, Schulter, Kniegelenken) kennt, sind die ersten zehn Jahresergebnisse mit den neu entwickelten Implantaten ermutigend. Ob sie im Einzelfall zur Anwendung gebracht werden können, muss individuell entschieden werden.
Bei Arthrosen der Fingergrundgelenke, die bei der Polyarthrose ja nur in seltenen Fällen eine Rolle spielen und häufiger Patienten mit Polyarthritis vorkommen, sollte die Versteifung auf jeden Fall vermieden werden und der prothetische Gelenkersatz bevorzugt werden.
Das derzeit am häufigsten versorgte arthrotisch zerstörte Gelenk ist sicherlich das Daumensattelgelenk. Hier gibt es ein klar definiertes operatives Behandlungskonzept, immer dann wenn die nicht-operativen Methoden ausgereizt sind:
Im Anfangsstadium, bei noch erhaltenem Gelenkspalt, aber deutlichem Entzündungszeichen, kann im Rahmen einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung) Entzündungsgewebe entfernt werden und eine Glättung der Gelenkfläche vorgenommen werden.
In weit fortgeschrittenen Stadien ist die sogenannte Resektions-Suspensionsplastik anzuraten, eine Methode, die bereits seit 30 Jahren fest etabliert ist. Dabei wir der große Vieleckknochen entfernt und in die so entstandene Lücke (in die Resektionshöhle) zwischen Kahnbein und erstem Mittelhandknochen ein Sehnenstreifen zur Stabilisierung eingeflochten. Er stammt aus der halbierten Daumenabspreizsehne.
Arthrose im Daumensattelgelenk. Wenn sie Probleme bereitet, kann es helfen, das große Vieleckbein in einer Operation zu entfernen. Die Lücke zum Kahnbein stabilisiert anschließend ein Sehnenstreifen
Derartig operierte Patienten haben nach einer sechswöchigen Immobilisierungsphase und einer weiteren sechswöchigen physio-therapeutischen Phase im Regelfall nach drei bis sechs Monaten wieder ihre ursprüngliche Beweglichkeit und Kraft, und dies im Normalfall ohne jegliche Schmerzen.
Alternative Verfahren – wie die arthroskopische Teilresektion (Teilentfernung) des Vieleckknochens oder die Implantation von Teil- oder Komplettprothesen in das Daumensattelgelenk – sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht allgemein anzuraten und sollten entsprechenden Studien vorbehalten bleiben.
Die Behandlung der Handgelenksarthrosen lässt sich in vielen Fällen durch teilversteifende Maßnahmen oder aber die Entfernung einzelner Handwurzelknochen günstig beeinflussen. Nur in extrem fortgeschrittenen Stadien ist es erforderlich, das Handgelenk durch eine Endoprothese zu ersetzen oder aber eine Totalversteifung durchzuführen.
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13.09.2005, aktualisiert am 02.02.2012
Bildnachweis: Stockbyte/RYF
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