Sie bellt nicht, sie sticht nicht und sie ist klein wie ein Gummidrops. Kurzum – es gibt eigentlich keinen logischen Grund, weshalb ein Mensch Angst vor einer in Deutschland vorkommenden Spinnenart haben sollte. Trotzdem jagen diese keinen Tierchen immer wieder gestandene Männer aus Autos und blockieren die Kellerabteile erwachsener Frauen.
Spinnenangst ist eine anerkannte Erkrankung, der medizinische Fachbegriff lautet Arachnophobie. Rebecca Hoffmann trainiert eigentlich Tiere für Fotos und Filmaufnahmen an der Filmtier Zentrale Deutschland in Hamburg. Aber da sich manchmal nicht nur die tierischen Stars an die menschlichen gewöhnen müssen, sondern auch umgekehrt, gibt sie auch Seminare für Aranchophobiker. Sie erzählt uns von ihren Erfahrungen.
Warum fürchten sich viele Menschen vor Spinnen?
Meistens ist es die typische Kellersituation, die ein Phobiker fürchtet. Eine Spinne kommt plötzlich von der Decke und ebenso schnell verschwindet sie auch wieder. Der Mensch weiß nicht, wo sie steckt und kann die Lage nicht überblicken. Das macht vielen meiner Patienten Angst.
Außerdem beschreiben Menschen mit Spinnenangst die Tiere als bedrohlich. Dass ein Wesen acht Beine hat und diese auch noch koordiniert bewegen kann, erscheint ihnen fremd und gruselig. Außerdem fühlen sie sich durch die acht Augen beobachtet. Die typische Horrorfilm-Szene, in der ein Mensch von einer Spinne angesprungen wird, ist eine Umsetzung klassischer Arachnophobikergedanken.
Wie behandeln Sie Arachnophobiker?
Ich gehe Schritt für Schritt vor. Zu erst führe ich ein Einzelgespräch mit dem Betroffenen. So kann ich feststellen, wie groß die Angst ist und woher sie kommt. Dann zeige ich erstmal Zeichnungen von Spinnen. Es folgen Fotografien und dann auch dreidimensionale Objekte. Zum Beispiel Kuscheltiere, später Plastikspinnen und dann auch echte Häutungen.
Wenn sich der Patient traut die Objekte zu berühren, dann fange ich an, sie zu bewegen. Damit haben viele Phobiker ein Problem. Wenn wir diese Schwelle gemeistert haben, folgt der Direktkontakt mit dem lebenden Tier. Und zwar als erstes mit unseren zahmen Vogelspinnen. Die bewegen sich langsam und bleiben immer ruhig. So erschrecken sich die Patienten nicht. Natürlich gilt auch hier: erst gucken, dann berühren.
Nach den Vogelspinnen kommt die klassische Kellerspinne. Genau das Tier, vor dem sich die meisten Phobiker fürchten. Sie lernen die Spinne mit einem Glas einzufangen, manche können die Tierchen nach der Behandlung sogar mit den Händen berühren. Es ist wichtig, dass die Teilnehmer auch nach dem Seminar ab und zu den Kontakt zu Spinnen suchen. Sonst kann es passieren, dass sie das Gelernte wieder verlieren.
Wie hoch ist Ihre Heilungsrate?
Zur Zeit liegt sie bei 100 Prozent. Zwar nicht immer im selben Ausmaß, aber trotzdem konnte ich bisher jedem meiner Seminarteilnehmer helfen.
Gibt es in Deutschland überhaupt gefährliche Spinnen?
Nein! Es gibt keine Art, die den Menschen gefährlich beißen kann. Die meisten kommen einfach gar nicht durch unsere Haut hindurch. Spinnen haben einen winzigen Mund. Darum brauchen sie auch das Gift, damit töten sie ihre Beute und zersetzen sie dann. So können sie die Heuschrecke oder Fliege aufsaugen.
Sollte eine Kreuzspinne oder eine sehr große Kellerspinnen doch einmal zubeißen, dann spürt der Mensch lediglich einen leichten Pieks. So als würde man sich an einer Tannennadel stechen. Die Stelle kann minimal anschwellen, aber es droht keinerlei Gefahr. Aber das Gift ist es auch nicht, was ein Phobiker normalerweise fürchtet.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
03.03.2010, aktualisiert am 11.10.2010
Bildnachweis: Panthermedia/Florian Herold
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