So können Sie Höhenangst überwinden

Manche Menschen haben unverhältnismäßig große Angst vor hohen Plätzen oder tiefen Schluchten. Was Betroffene tun können

von Sophie Kelm, aktualisiert am 19.02.2015

Hoch hinaus: Für Menschen mit Höhenangst eine schlimme Vorstellung

Panthermedia/Christopher Timmermann

Wenn der Schritt auf den Balkon, das Überqueren einer Brücke, der Besuch der Aussichtsplattform oder selbst eine Leiter zum unüberwindbaren Hindernis werden, hat man es in der Regel mit einer Höhenangst zu tun. Bei dieser Angststörung fürchten sich die Betroffenen unverhältnismäßig stark davor, zu weit vom Erdboden entfernt zu sein.

Eine gesunde Vorsicht vor Abgründen und wackeligen Höhen ist natürlich und normal. "Aber wenn die Phobie so stark wird, dass der Patient bestimmte Lebenssituationen vermeidet, dann spricht man von einer Höhenangst oder auch Akrophobie", erläutert die Psychologin Kerstin Wolff aus Recklinghausen.

Therapie: Sich der Angst stellen

Als Symptome treten zum Beispiel Herzrasen, Zittern, Schwindel, Schweißausbrüche oder Atemprobleme auf. Zusätzlich beschreiben manche Patienten eine Art Unwirklichkeitsempfinden. "So, als wären sie nicht mehr ganz da", fügt Wolff hinzu. Die Panik vor dem Kontrollverlust kann sich bis zur Todesangst steigern.


Psychologin Kerstin Wolff

W&B/Privat

Diese Empfindungen führen oft dazu, dass Höhenängstliche die gefürchteten Situationen komplett vermeiden. Das ist aber die falsche Reaktion. Wer sich seiner Angst stellt, wird merken, dass die Panikattacke nach einiger Zeit abklingt und die Symptome nachlassen. So wird man wieder Herr des eigenen Verhaltens. Psychologen sprechen von einer Expositionstherapie. Diese Form der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT; kognitiv steht für bewusste Lernvorgänge) ermöglicht es, die Angst zu überwinden und die Kontrolle zurückzugewinnen.

Erster Ansprechpartner für von Höhenangst Betroffene ist oft der Hausarzt. Er kann ausschließen, dass körperliche Ursachen hinter den Symptomen stecken. Manchmal gilt es auch, andere psychische Störungen abzugrenzen. Bei Bedarf überweist er den Patienten zum Psychologen oder Psychiater.

Höhenangst: Was ist normal, wann braucht man eine Therapie?

Laut Wolff leiden vier bis sechs Prozent der Bundesbürger unter einer therapiebedürftigen Höhenangst. Natürlich gibt es auch schwächere Versionen dieser Angststörung. Beispielsweise wenn es im Bauch kribbelt, während man an einem hoch gelegenen Punkt auf einem Glasboden steht. Eine Situation, die im Alltag nicht oft vorkommt. Das Ungewohnte, Neue kann schon ein wenig Angst auslösen. Das ist nicht ungewöhnlich und als solches nicht unbedingt behandlungsbedürftig.

Eine Höhenangst entwickelt sich mitunter in Momenten, in denen der Betroffene insgesamt instabil ist. Beispielsweise angespannt, müde und nervös. Befindet er sich zu solch einem Zeitpunkt auf einem hoch gelegenen Platz, können alle genannten Umstände zusammen eine Panikattacke auslösen. Im Nachhinein reduziert der Betroffene das Erlebte oft auf die Furcht vor der Höhe und wird solche Gegebenheiten von nun an meiden. "Das ist der Schritt in den Teufelskreis", so Wolff.

Denn genau dieses Vermeiden ist im Alltag, womöglich sogar im Beruf, oft hinderlich und verursacht Leidensdruck. Dann ist es sinnvoll, das Problem mit einer Expositionstherapie anzugehen.

Weniger Leidensdruck, mehr Bewegungsfreiheit

Die Behandlung kann die Symptome und das Vermeidungsverhalten deutlich reduzieren. Die Expositionstherapie erweitert somit den Bewegungsspielraum, kann einem Rückfall mitunter vorbeugen und die Lebensqualität verbessern.

Der Umfang der Therapie richtet sich nach der Schwere und möglichen anderen psychischen Auslösern der Phobie. Bei einer spezifischen Phobie, wozu die Akrophobie zählt, kann bereits eine Expositionsübung mit dem Therapeuten durchaus genügen. Manchmal sehen sich Betroffene aber erst nach mehreren Durchgängen in der Lage, mit "ihrer" Angstsituation symptomfrei umzugehen. Falls die Therapie nicht anschlägt, ist die Strategie zu überprüfen.

In schweren Fällen ist der Patient manchmal nicht in der Lage, sich überhaupt der angstauslösenden Situation zu nähern. Dann kann eine sogenannte "Exposition in sensu" vorausgehen: Dabei erfolgt die Konfrontation durch die Vorstellung der Situation oder durch Fotos und Filme.

In leichten Fällen reicht es vielleicht sogar, wenn der Partner oder ein guter Freund mitkommt, wenn sich der Betroffene seiner Höhenangst stellt. Auch kann das begleitete Üben helfen, falls die Angst wieder einmal auftaucht. Im Zweifelsfall sollten aber selbst "erfahrene" Höhenängstliche lieber einen Therapeuten hinzuziehen.



Bildnachweis: W&B/Privat, Panthermedia/Christopher Timmermann

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