Alle Arten von Angsterkrankungen treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Warum das so ist, lässt sich nicht auf einfache Weise erklären. Sexualhormone haben zwar einen Einfluss auf Stimmungen, erklären aber nicht allein, warum Angststörungen bei Frauen häufiger auftreten. Vielmehr sind vermutlich weitere Faktoren wie beispielsweise unterschiedliche Sozialisationsbedingungen, psychosoziale Umstände, Inanspruchnahme von therapeutischen Angeboten, gesellschaftliche Rollenerwartungen oder Bewältigungsstrategien mitverantwortlich.
So weiß man beispielsweise, dass Frauen auf Angstsymptome eher mit Vermeidung reagieren, während Männer stärker zum Alkoholmissbrauch neigen. Eventuell spielen auch entwicklungsgeschichtliche Faktoren bei geschlechtsspezifischen Unterschieden eine Rolle.
Angst hat eine wichtige Funktion für den Menschen; sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Angst können je nach Situation hinderlich sein. Für den urzeitlichen Mann wäre vermutlich allzu viel Angst bei der Jagd und Nahrungssuche ein Hemmnis gewesen, auf der anderen Seite wäre ein Zuwenig an Angst beim Schutz des Nachwuchses auf mütterlicher Seite fatal gewesen. Vielleicht lassen sich Unterschiede in der Neigung zu Angstsymptomen auch auf solche entwicklungsgeschichtlichen Faktoren zurückführen.
Unabhängig von diesen Überlegungen muss bei einer Angsterkrankung immer eine hormonelle Störung, zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion, ausgeschlossen werden.
Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer
Ärztlicher Direktor / Chefarzt
Schön Klinik Roseneck
Prien am Chiemsee
Unser Experte beantwortet in der Sprechstunde "Angsterkrankungen" weitere interessante Fragen zum Thema krankhafte Angst (Angsterkrankung, Angststörung)
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03.04.2009, aktualisiert am 07.06.2011
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