Wie Ärzte ein Gehirn-Aneurysma behandeln

Aussackungen in den Blutgefäßen des Gehirns können lebensgefährlich sein. Zwei Verfahren stehen als Therapie zur Wahl. Forscher haben untersucht, welches besser ist

von Dr. Christian Heinrich, aktualisiert am 07.03.2016

Gehirn-Aneurysmen können zum Beispiel Sehstörungen auslösen

Thinkstock/kmonroe2

Die Bedrohung klingt unheimlich: Bei manchen Menschen haben Blutgefäße im Gehirn eine Aussackung. Reißt sie, drohen Behinderung und Tod. Vor allem weil man die mögliche Gefahr nicht sehen kann, macht sie Angst.

Doch Panik wäre fehl am Platz. Die meisten solcher Aneurysma genannten Gefäßdefekte platzen zeitlebens nicht, und sie verursachen keine Symptome. Deshalb müssen sie auch nicht behandelt werden. Und es wäre nicht sinnvoll, aktiv nach ihnen zu suchen. Das würde jeder verantwortungsbewusste Arzt ohnehin ablehnen.


Schwierige Risikoabwägung

Ratsam, weil es auch der Vorbeugung anderer Leiden dient, ist hingegen das Angehen beeinflussbarer Risikofaktoren für Aneurysmen: nicht rauchen, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte behandeln, Gefäßablagerungen durch Bewegung und ausgewogene Ernährung entgegenwirken.

Die meisten Gefäßaussackungen im Kopf entdecken Ärzte durch Zufall oder weil sie Symptome wie beispielsweise Doppeltsehen verursachen. Dann müssen sie abwägen, welche Gefahr größer ist: die eines Eingriffs oder die, dass die Aussackung platzt.

Ärzte warten oft erst einmal ab

Denn die Behandlung ist nicht ohne Risiko. Bei der häufigsten Variante einer Gefäßbeule sind ein Jahr nach der Operation sieben von 100 Patienten pflegebedürftig oder sterben. Bei besonders großen und ungünstig gelegenen Aneurysmen kann dieses Risiko auf bis zu 50 Prozent steigen.

Vielfach verzichten Arzt und Patient deshalb auf einen Eingriff und beschränken sich darauf zu beobachten, ob das Aneurysma wächst. In manchen Fällen erfordern jedoch die Symp­tome einen Eingriff – oder das Risiko ist zu groß, um abzuwarten.

Wann ein Aneurysma behandelt werden muss

Zwei Beispiele dafür nennt Professor Hans-Jakob Steiger, Direktor der Neuro­­chirurgischen Universitätsklinik Düsseldorf. Erstens: wenn ein Hirn-­­Aneurysma bei jungen Menschen entdeckt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann Probleme bereitet, steige über viele Jahrzehnte deutlich an. Und zweitens, wenn es eine gewisse Größe erreicht hat.

Dann stehen die Ärzte vor der Frage, welche Methode sie wählen sollen. Denn die Medizin bietet zwei Lösungen an.


Diese Verfahren gibt es bei einem Gehirn-Aneurysma

  • Aneurysma
    W&B/Szczesny

    Clipping

    Diese Methode wird seit Jahrzehnten eingesetzt. Der Chirurg trennt die Aussackung mit einer Metallklammer vom Blutkreislauf ab, sodass kein Blut nachströmt und sie einreißen lässt. Der Haken an der Sache: Für die Operation muss die Schädeldecke geöffnet werden.

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  • Aneurysma
    W&B/Szczesny

    Coiling

    Das ist die seit den 90er-Jahren angebotene Alternative. Mit einem Katheter dringt der Arzt von der Leistenarterie aus ins Gehirn vor und platziert kleine Spiralen in der Aussackung. Dort bildet sich ein schützendes Gerinnsel, kein Blut strömt nach.

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Coiling oder Clipping besser?

Britische Forscher haben nun verglichen, welche Behandlung über einen längeren Zeitraum die besseren Ergebnisse erzielt. Dazu beobachteten sie 1600 Patienten, die infolge eines geplatzten Aneurysmas entweder mit "Clipping" oder mit "Coiling" behandelt worden waren.

Zehn Jahre nach dem Eingriff waren 83 Prozent der Coiling-Patienten noch am Leben gegenüber 79 Prozent der Clipping-Patienten. Nur wenige hatten Schwierigkeiten beim Gehen. Noch ­kleiner war der Anteil jener, die sich nicht selbstständig waschen und anziehen konnten. 82 Prozent der Coiling-Gruppe und 78 Prozent der Clipping-Gruppe waren in der Lage, sich vollständig selbst zu versorgen.

Beide Methoden gleich verbreitet

Dennoch ist Coiling nicht immer die bessere Wahl, sagt Dr. Christian Schichor von der Neurochirurgischen Klinik der Universität München: "Es gibt Aneurysmen in Gefäßen, die wir mit dem Katheter nicht risikoarm erreichen können." Clipping werde auch bei be­sonders großen Aneurysmen mit einer größeren Öffnung zum Gefäß hin häufiger eingesetzt.

In der Praxis halten sich in Deutschland beide Methoden etwa die Waage, schätzen Experten. Daran wird sich so schnell nichts ändern, sind sich Schichor und Steiger einig. Eher werde die Konkurrenz dazu führen, dass die Qualität von Clipping wie von Coiling weiter steigt.



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