Analfistel

Eine Analfistel kann sich mit Schmerzen, Juckreiz und nässenden Stellen im Analbereich bemerkbar machen. Wie es dazu kommt und wie sie behandelt wird
von Dr. Karoline Stürmer, aktualisiert am 14.01.2014

Analfisteln sind "unnatürliche" Gänge, die sich im Bereich des Analkanals bilden

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Was ist eine Analfistel?

Als Fistel bezeichnet man eine röhrenförmige Verbindung, die sich als einzelner Gang oder als verzweigtes Netzwerk zwischen verschiedenen Organen oder Gewebeschichten ausbildet.

Eine Analfistel entsteht meist als Folge einer Entzündung im Bereich der so genannten Proktodealdrüsen. Diese Drüsen liegen am Übergang der Dickdarmschleimhaut zum Analkanal – dem letzten Abschnitt des Verdauungstraktes. Während sie bei Säugetieren als Duftdrüsen eine wichtige Rolle spielen, haben sie beim Menschen ihre Funktion verloren.

Weil die Drüsen in das Darminnere münden, können Bakterien aus dem Darm in die Drüsen eindringen und dort eine Entzündung verursachen. Als Folge dieses Infektes bildet sich eitriges Sekret, das sich abkapseln und so einen Abszess bilden kann. Dieser kann bis zur Hautoberfläche durchbrechen, seltener auch in die Harnblase oder Scheide und dabei eine Fistel bilden. In manchen Fällen endet eine Fistel auch als Sackgasse blind im Gewebe.


Analfisteln und -abszesse können auch als Folge einer entzündlichen Darmerkrankung wie etwa Morbus Crohn oder einer Divertikulitis auftreten.

Möglicher Auslöser: Schleimhautriss

"Bei rund zehn Prozent der Betroffenen ist ein kleiner Einriss der Haut oder Schleimhaut des Afters (Analfissur) die Ursache", erklärt Dr. Grundei, Proktologe (Enddarm-Spezialist) in München. Analfissuren machen sich zunächst durch Schmerzen und Blutungen beim Stuhlgang bemerkbar. Infiziert sich ein solcher Einriss, kann der Infekt am Wundgrund in die Tiefe wandern. So bildet sich unter Umständen eine Fistel, die den Schließmuskel durchdringt und auch Abszesse verursacht.

Sehr selten entwickeln sich Analfisteln auch im Rahmen von Tumorerkrankungen, bakteriellen Infektionen wie Tuberkulose oder Immunschwächeerkrankungen zum Beispiel bei einer HIV-Infektion.

Analfisteln sind eine häufige Erkrankung. Jedes Jahr erkranken 2 von 10.000 Einwohnern neu. Betroffen sind vermehrt Männer, vor allem zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.

Wie macht sich eine Analfistel bemerkbar?

Fistel und Abszess werden als zwei Stadien desselben Entzündungsprozesses betrachtet. Der Abszess stellt das akute Stadium dar. Er macht sich in der Regel mit Schmerzen im Analbereich, Schwellung und Rötung der Haut, Krankheitsgefühl und Fieber bemerkbar. Wenn sich der Abszess nach außen entleert, bleibt eine Fistel zurück. Die Beschwerden sind dann bereits deutlich abgeklungen. Die Fistel gilt deshalb als das chronische Stadium der Entzündung.

Analfisteln können sich durch Schmerzen, Juckreiz und nässende Stellen im Analbereich bemerkbar machen. "Rein äußerlich ähneln sie oft nur einem Pickel oder Furunkel", sagt Dr. Tobias Grundei. Entdeckt wird eine Fistel oft erst, wenn ein Abszess Beschwerden macht. Manche Abszesse, vor allem solche, die sich über einen längeren Zeitraum ausgebildet haben, verursachen aber wenig Beschwerden und können so lange unentdeckt bleiben.

Die beschriebenen Symptome können auch andere Ursachen haben. Generell empfiehlt Dr. Grundei Schwellungen und Verhärtungen im Analbereich sowie chronisch nässende Stellen mit Schmerzen oder Blutungen während des Stuhlgangs von einem proktologisch versierten Arzt abklären zu lassen. Insbesondere wenn Schmerzen mit Fieber oder Schüttelfrost einhergehen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.


Je früher eine Fistel behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Unbehandelt kann sich eine Analfistel weiter ausdehnen, die Schließmuskulatur schädigen und so langfristig eine Stuhlinkontinenz verursachen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Für die Diagnose untersucht der Arzt den Enddarm durch Austasten und mit Hilfe eines kleinen Untersuchungsröhrchens –  Proktoskop genannt  –  nach Anzeichen eines Abszesses und Fistelöffnungen im Analkanal. Bei dieser Untersuchung können Fisteln und Abszesse, aber auch Fissuren, Hämorriden und sonstige Veränderungen schonend und schmerzfrei festgestellt werden. Mit einer Ultraschalluntersuchung über den Enddarm, transanale Endosonografie genannt, erkennt der Arzt selbst tiefer gelegene Abszesse und Fisteln.

Mit Hilfe von Fistelsonden und Farbstoffen lassen sich der Verlauf des Fistelgangs und der Bezug zu den Schließmuskeln gut darstellen. Diese Untersuchungen sind jedoch oft nur unter Kurznarkose durchführbar. In komplizierten Fällen, etwa bei Patienten mit Morbus Crohn, kann eine Magnetresonanztomografie über den genauen Fistelverlauf Aufschluss geben.


Analfistel: Wie sieht die Therapie aus?

Fisteln heilen in der Regel nicht von selber ab, sagt Dr. Grundei. Eine genaue Diagnose ist für die Wahl der geeigneten Behandlung notwendig.

In den meisten Fällen empfiehlt der Arzt eine operative Spaltung der Fistel. "95 Prozent der Patienten kann allein damit geholfen werden", sagt Dr. Grundei. Dabei spaltet der Chirurg die Fistel bis zu ihrer Basis auf. Da sich eine Analfistel meist innerhalb des Schließmuskels entwickelt, muss er dazu auch den Muskel einschneiden. Je nach der Lage und Ausdehnung der Fistel kann dies die zukünftige Leistungsfähigkeit des Muskels beeinträchtigen.

Falls das Risiko einer Inkontinenz zu groß ist, kann der erfahrene Chirurg den Muskel während der Operation wieder rekonstruieren. Alternativ gibt es Operationstechniken mit plastischem Fistelverschluss: "Dabei wird die Schließmuskulatur besser geschont. Allerdings ist das Risiko, dass die Fistel wiederkehrt oder sich neue Fisteln  entwickeln höher", so Dr. Grundei.

Patienten mit Morbus Crohn haben eine hohes Risiko, immer wieder neue Fisteln zu entwickeln. Um ihre Schließmuskulatur zu schonen, wird ihnen in manchen Fällen eine Langzeitdrainage empfohlen. Dabei wird ein elastischer Faden in die Fistel eingelegt, der einen Verschluss der Fistel verhindert und so den Abfluss von Sekret ermöglicht. Dadurch lässt sich eine erneute Abszessentstehung vermeiden.


Beratender Experte: Dr. med. Tobias Grundei

W&B/Privat

Dr. med. Tobias Grundei ist Facharzt für Chirurgie mit Zusatzbezeichnung Proktologie (Enddarm-Erkrankungen). Nach Studium und Promotion an der Ludwig-Maximilian-Universität München absolvierte er seine Ausbildung zum Allgemeinchirurgen an der Chirurgischen Klinik des Klinikum recht der Isar der Technischen Universität München sowie in der Chirurgischen Klinik Seefeld, Oberbayern. Die Weiterbildung Proktologie erfolgte im Klinikum München Neuperlach in der Abteilung für Rektumchirurgie. Er war 2005 Mitbegründer des Enddarmzentrums München-Bavaria. Dort ist er als spezialisierter Koloproktologe tätig (Endoskopie, ambulante und stationäre Operationen).


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren  »

Zum Thema

Richtig den Po abputzen

Normales Klopapier, Feuchttücher oder Wasser? Wie man den Allerwertesten reinigt »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages