Naturkissen: Hilfreiche Körner und Kerne

Sie strömen eine wohlige Wärme aus und passen sich dem Körper an: Naturkissen. Der Münchner Peter Heim stellt solche Kissen seit rund 30 Jahren her

von Diana Engelmann, aktualisiert am 04.02.2016

Warmes Körnerkissen: Kann bei Verspannungen im Nacken helfen

Jump Fotoagentur/Kristiane Vey

Es raschelt leise. Das Geräusch hat etwas Beruhigendes. Durch den Stoff des Kissenbezugs schmiegen sich die Körner dem Griff der Hände an, die sie halten. Peter Heim stellt Körnerkissen her. Während er erklärt, wie er dazu kam, wiegt er ein Kissen von der einen in die andere Hand. Der 79-jährige Münchner vertrieb früher Backwaren an Krankenhäuser und Altenheime. Dann bekam er den Tipp, dass sich die Getreidekörner noch anders nutzen lassen könnten.

Gut für die Durchblutung, hilft bei Verspannungen

Das war vor 30 Jahren. Peter Heim ist Geschäftsmann der alten Schule. Deshalb zögerte er damals nicht und probierte es aus. "Meine Frau hat die Bezüge genäht, und ich habe sie gefüllt." Dann verkauften die beiden die Kissen auf Märkten. "A bisserl a Gaudi kannst schon machen. Den Frauen sagen, dass sie sich wieder nach den jungen Kerlen umschauen können, weil ihnen der Nacken nicht mehr wehtut. Aber nicht zu viel. Du musst schon bei der Sache bleiben."


Körnerkissen-Experte: Peter Heim

W&B/Bert Heinzlmeier

Er blieb bei der Sache. Sein Know-how lernte er vor allem aus den Schriften der Hildegard von Bingen, Universalgelehrte des Mittelalters. Sie bezeichnete Dinkel als warmes Getreide, weil sie erkannt hatte, dass die Körner und auch die bloßen Hüllen, Spelzen oder Spreu, gut Wärme speichern. Wärme regt die Durchblutung an. Sie hilft bei Verspannungen, die in der Nacht entstehen können, etwa weil der Kopf falsch gelegen ist. Auch das sei ein Vorteil der Kissen. "Sie passen sich sehr gut Kopf und Nacken an. Das stabilisiert die Muskulatur und fördert erholsamen Schlaf", erklärt Margit Schlenk, Apothekerin in Nürnberg. So soll Hildegard von Bingen damals gemeinsam mit den Nonnen aus ihrem Kloster jede Frucht einzeln aus den Schalen herausgelöst und mit Dinkelspelzen gefüllte Kissen an Adelige und Edelleute verkauft haben.

Kernkissen zum Erwärmen oder Kühlen

Auch das Ehepaar Heim stellt heute vor allem Schlafkissen mit Spelzen-Füllungen her. Dinkelspreu ist die gröbere Variante. Sie raschelt, wenn man sich umdreht. Das mag nicht jeder. Peter Heim findet, dass ein richtiger Mann auf Dinkel schlafen sollte – so wie er. Seine Frau bettet ihren Kopf lieber auf Hirse. Das Getreide sei weicher, anschmiegsamer und leiser.

Zu den Schlafkissen kommen Kirsch- und Traubenkernkissen zum Erwärmen oder Kühlen. Theresia Heim näht die Inlets nun nicht mehr an ihrer Maschine im Wohnzimmer, das Ehepaar lässt sie mittlerweile herstellen. Aber füllen tun die beiden die Kissen immer noch daheim in ihrem Haus im Münchner Stadtteil Trudering. "Wir bekommen diese riesigen Säcke mit den gereinigten Spelzen und Körnern geliefert", erklärt Peter Heim. Dann geht es ans Werk.

Die Naturkissen der Heims gibt es auf Märkten. Auf der Auer Dult in München oder dem Christkindlmarkt. Peter Heim steht auch heute noch am Stand. Vielleicht haben ihm seine Kissen besonders erholsamen Schlaf beschert. Fit wirkt er jedenfalls. Sein Tipp: "Schreiben Sie doch: Er wird 80 Jahre alt, ausschauen tut er aber wie 40."


Wann ein Körnerkissen?

  • Bei Verdauungs-, Menstruations- oder chronischen Gelenkbeschwerden und Verspannungen. Nicht bei akuten Entzündungen, nicht verheilten Wunden und Tumoren.
  • Dinkelkissen eignen sich für Allergiker. "Sie sind bakterienarm und frei von Hausstaubmilben", sagt Elke Heilmann-Wagner, Krankenschwester aus Bobenheim am Berg.
  • Im Backofen erwärmen bei höchstens 150 Grad Celsius, 10 bis 15 Minuten. Heilmann-Wagner: "Stellen Sie eine feuerfeste Schale mit Wasser dazu, damit der Stoff nicht anfängt zu brennen." In der Mikrowelle bei 600 Watt ein bis zwei Minuten.
  • Als kalte Kompresse etwa bei Zahn- oder Kopfschmerzen, Verstauchungen oder Prellungen. Im Gefrierfach, in Plastik eingepackt, mindestens eine Stunde bei minus 18 bis 20 Grad kühlen.


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