Heilende Hände
Reflektorische Atemtherapie

„Der Atem kommt von alleine. Mit meinen Händen setze ich Reize und locke ihn damit“, sagt Atemtherapie Carola Eigner

Sie arbeitet nicht nur mit unterschiedlichem Druck ihrer Fingerkuppen und Knöchel. Im „Krankenhaus für Naturheilweisen“ im Münchner Stadtteil Harlaching klopft die staatlich geprüfte Masseurin
und Therapeutin mit lockerer Faust, wechselt zwischen festen Abziehgriffen, bei denen sie tief in die Muskeln fasst, und leicht vibrierenden Berührungen. Zum Ausgleich für diese zuweilen schmerzhafte Prozedur streicht sie mit den Händen sanft den Körper des Patienten entlang und dehnt ihn dabei behutsam.

Das Ziel: Die Atmung soll sich durch solche reflektorischen Reize, also Impulse von außen, vertiefen. Daher auch der Name reflektorische Atemtherapie. Zu Beginn der Stunde regen heiße Kompressen die Durchblutung an. „So komme ich während der folgen den Behandlung tiefer in das Gewebe“, sagt Eigner. Bevor sie mit der eigentlichen Behandlung beginnt, reibt sie den warmen Rücken mit Massageöl ein und beobachtet die Atemwelle ihres Patienten. Wie tief geht der Atem? In den Brustkorb oder bis hinunter zu den Lenden?

Die Körperregionen, die die Therapeutin gerade nicht behandelt, bleiben warm in Handtücher gehüllt. Einleitenden Griffen entlang der Rückenstrecker und der Arme folgen Scheuergriffe gegen die Wirbelsäule. „Die sind für Asthmatiker sehr schmerzhaft“, betont die Therapeutin. Auch für Ronny H.. Dennoch ist sie dankbar dafür. „Als mich die Therapeutin dazu brachte, tiefer ein- und auszuatmen, hat es anfangs richtig gepfiffen. Auf positive Weise hat sie meinen Körper gezwungen, in einen tieferen und ruhigeren Atemrhythmus zu gleiten.“

Damit das gelingt, widmet sich Carola Eigner auch den Übergängen von Muskeln zu Sehnen, löst mit gezieltem Handanlegen Verspannungen und bindegewebige Verklebungen am ganzen Körper, einschließlich der häufig verkrampften Kaumuskeln. Je nachdem, wie krank ein Patient ist, beginnt sie mit der Rückenpartie, um sich anschließend Bauch und Beinen und zuletzt dem Kopf zuzuwenden. „Bei schwerem Asthma beginne ich an der Fußsohle oder versuche die Achillessehne zu lösen, da Berührungen am Brustkorb für den Patienten unangenehm sind“, erklärt Eigner. Die Behandlung beeinflusst nicht nur den Organismus, sondern auch die Psyche und regt die natürlichen Heilkräfte an.

Besonders hilfreich ist die Methode bei Asthma und Bronchitis. Bei orthopädischen Problemen wie dem Lenden- oder Halswirbelsyndrom hat sie sich ebenfalls bewährt. Die Methode sollte nicht bei akuten Bandscheibenvorfällen und Schleudertraumen angewandt werden. Das Gleiche gilt für Entzündungen, bei Osteoporose, Fieber, Tuberkulose und starken Psychosen.

Mehr Infos:
Adressen gut ausgebildeter Therapeuten für ambulante Behandlungen erhalten Sie über:
Verein für Reflektorische
Atemtherapie e.V.
Gesche Ketels
Grindelallee 79
20146 Hamburg
Tel. 040/44 78 27
E-Mail: reflektorischeatemtherapie@web.de

Verband der Atempädagoginnen
und Atemtherapeutinnen e.V.
Wartburgstr. 41
10823 Berlin
Tel. 030/3 95 38 60

Eine Sitzung von 60 Minuten kostet 50 bis 60 Euro. Klären Sie vorher ab, ob Ihre Kasse dazuzahlt.


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