Manche Minerale sollen den Blutdruck verbessern, Ängste lindern und den Zyklus der Frauen beeinflussen. Vielen Patienten haben die steinernen Schwingungen geholfen, doch Mediziner und Wissenschaftler sind skeptisch.
Ein Amethyst veränderte ihr Leben
„Als ich unter starken Spannungskopfschmerzen litt, gab mir eine Kollegin diesen violetten Edelstein“, berichtet Claudia Gablers (Name geändert). „Ich sollte ihn in meine Jackentasche legen.“ Ihre anfängliche Skepsis legte die 39-jährige Sekretärin schnell ab. „Schon nach wenigen Minuten hörte das Kopfweh auf“, erinnert sie sich. Als die Schmerzen ein paar Stunden später wiederkamen, musste Claudia Gabler nicht lange nach dem Grund suchen: „Ich hatte ja inzwischen meine Jacke ausgezogen.“ Seit dieser Erfahrung mit einem Amethyst sind Steine für Claudia Gabler Lebensbegleiter. Sie trägt sie am Körper, legt sie manchmal unter ihr Kopfkissen oder füllt sie in einen Krug mit Mineralwasser. „Steine haben für viele Menschen etwas Festigendes, Beständiges“, weiß Michael Gienger, Heilpraktiker und Steinkundler aus Tübingen. „Sie verschaffen einen ruhigen Pol im Leben.“
Aus dem Koma geholt: Berichte über Heilungen
Es gibt Berichte über Patienten, bei denen Steine – die Unterscheidung zwischen Edelsteinen und Halbedelsteinen gilt unter „Steintherapeuten“ als überholt – angeblich Blutungen gestillt und Schmerzen gelindert haben. Einmal soll sogar ein Patient durch das Berühren mit Steinen aus dem Koma erweckt worden sein. Wissenschaftlich bestätigt wurde das nicht. „Wir führen Befragungen von Menschen durch, die über längere Zeit denselben Stein am Körper tragen“, berichtet Gienger und nennt Beispiele für seine Ergebnisse: So soll Rhodochrosit den Blutdruck erhöhen – und zwar mit einem „messbaren Effekt“, behauptet Gienger. „Patienten mit niedrigem Blutdruck könnten davon profitieren.“ Lapislazuli, ein beliebter blauer Schmuckstein, beeinflusst laut Gienger den weiblichen Hormonzyklus. „Der Zyklus verlängerte sich bei manchen Frauen um bis zu sieben Tage“, sagt der Steinkundler. Und der Hämatit soll die Eisenaufnahme verbessern.
Der Stein – ein Informationsvermittler?
Vertreter der Steinheilkunde haben zu der Frage nach der Wirkung zwei Thorien:
1. Elektromagnetische Frequenzen, die von den Steinen ausgehen, stoßen Veränderungen im Stoffwechsel an.
2. Steine können Klangschwingungen abgeben und so den Körper beeinflussen. „Sie sind gefrorene Musik“, zitiert Gienger den antiken griechischen Mathematiker Pythagoras. Wissenschaftliche Mineralogen kritisierten auf Anfrage der Zeitschrift „Apotheken Umschau“ allerdings, dass die vermuteten Heilmechanismen der Steine nicht nachweisbar sind. Dem hält Gienger entgegen: „Wahrscheinlich ist das Wirkprinzip der Steine ähnlich dem der Homöopathie. Das heißt: Der Stein vermittelt dem Körper eine Art Information, keinen Wirkstoff.“
Dazu passt, dass sich die Steinheilkundler wie die Homöopathen nicht nur an Beschwerden, sondern auch an Persönlichkeitsmerkmalen des Patienten orientieren. Demnach sprechen Menschen mit viel Ordnungssinn am besten auf Steine mit quadratischer Kristallstruktur an – etwa ein Fluorit. Wer dagegen lieber im kreativen Chaos lebt, zu dem passt angeblich ein eher strukturarmer Stein – beispielsweise der vulkanische Obsidian. Mediziner stehen der Steinbehandlung skeptisch gegenüber.
Kritik der Medizin: besser nur als Schmuck tragen
„Es fehlt jeder wissenschaftliche Nachweis einer Wirksamkeit“, betont der Münchner Kardiologe Prof. Dr. Wolfram Delius. „Steine sollte man als Schmuckstück nutzen – und nicht als Therapie.“
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Apotheken Umschau
Apotheken Umschau;
05.08.2005, aktualisiert am 28.06.2010
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