Zusammenfassung:
Die Bezeichnung "Fango" ist auf das italienische Wort "fanghi" zurückzuführen und bedeutet soviel wie Schlamm, Schmutz oder heilender Schlamm.
Der Fangoschlamm wird in Gebieten vulkanischen Ursprungs gewonnen und bedarf eines natürlichen Reifungsprozesses von über einem Jahr, um seine heilende Kraft entfalten zu können. Fango kann in der Form von Packungen, Umschlägen oder Bädern verabreicht werden. Die Fangopackungen können je nach Bedarf kalt, körperwarm oder heiß aufgetragen werden. Die häufigsten Anwendungsgebiete der Fango-Wärmetherapie sind rheumatische Beschwerden, Muskelverspannungen, chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates und der Harnwege. In kalter Form kommt Fango bei leichten Sportverletzungen zum Einsatz. Die Fangotherapie zählt zweifellos zu den ältesten Kurbehandlungen und hat sich über Jahrhunderte hinweg als bewährt erwiesen.
Ansatz |
| Das Wort "Fango" kommt aus dem Italienischen (fanghi) und bedeutet so viel wie Schlamm, Schmutz oder heilender Schlamm. Der in der Therapie verwendete, geruchslose Fangoschlamm wird aus vulkanischem Mineralgestein gewonnen und nach alter Tradition in Gebieten wie der sizilianischen Halbinsel, im Euganeischen Becken, in den Thermen Abano, Montegrotto, Galzignano, Battaglia, sowie in Bad Neuenahr, in der Umgebung des Laacher Sees, oder in der Eifel herangereift. Der grün-bräunliche bis graue Fangoschlamm ist ein mineralisches Peloid, genauer eine Mischung aus organischer und/oder anorganischer Tonerde, Kieselsäure, Aluminiumoxyd, Eisenoxyd und Magnesium. Die wissenschaftlich nachgewiesene heilsame Wirkung erlangt der Schlamm erst durch einen natürlichen Reifungsprozess, welcher direkten Kontakt mit Sonnenlicht, Luft und fließendem Thermalwasser voraussetzt und über ein Jahr dauert. Dadurch wird der Schlamm mit organischen Substanzen angereichert und dessen chemische sowie chemophysikalische Struktur verändert. Eine wichtige Rolle spielt hierbei das salz-, brom- und jodhaltige hyperthermische Wasser, da die Temperatur und die chemischen Grundstoffe der Flüssigkeit den Reifungsprozess wesentlich beeinflussen. Anschließend wird der Schlamm luftgetrocknet, gereinigt und zu einem feinen Pulver vermahlen. Eine Wärmebehandlung mit Fangoschlamm kann in Form von Bädern, Packungen oder Umschlägen angewendet werden und dauert ca. 20 bis 40 Minuten. Meist werden sie mit Massagen und/oder Bewegungstherapie kombiniert, um einen maximalen Heilerfolg zu gewährleisten. Die Fango Wärmetherapie fördert die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an, lindert Muskel- und Gelenksschmerzen und wirkt stärkend auf das Immunsystem. Die wohl bekanntesten Fangoarten sind der Abano- und der Eifelfango. |
Eifelfango: |
Abanofango: Durch seinen sehr hohen Anteil an lebenden Algen lässt sich der Abanofango stark von weiteren Fangosorten unterscheiden. Diese Algen vermehren sich bei Erhitzung des Schlamms und halten Temperaturen bis zu 87 Grad Celsius aus. Aufgrund der niedrigen Entwicklungsstufe der Algen wird vermutet, dass die Algen aus der Urzeit der Erde stammen, als die Erdoberfläche noch mit sehr heißem Wasser bedeckt war. Dieser heilende Schlamm besteht überdies aus Sand, Lehm, Pflanzenerde, radioaktiven Gasen und bis zu 60 Prozent aus Thermalwasser. Der Name des Herkunftsgebiets kommt aus dem Griechischen "A-Ponus", was soviel bedeutet, wie "keine Schmerzen mehr". So könnte man sagen, dass Abano schon seit langer Zeit seinem Ruf als "Ort der Erlösung vom Schmerz" gerecht wird. Archäologischen Ausgrabungen zufolge weiß man, dass sich in der Gegend von Abano bereits frühvenetische Stämme niederließen, welche die Heilwirkung des Schlammes und der Therme zu nutzen wussten. Abano soll einer der ältesten Thermalkomplexe Europas sein. Allgemein bekannt ist die Heilwirkung des Abanoschlamms bei rheumatischen, gynäkologischen und Beschwerden der Atemwege. Dank der Algenbestandteile im Abanofango wird die Produktion der körpereigenen schmerzstillenden Substanzen (Endorphine) angeregt. Die Schmerzlinderung kann bis zu 4 Monate anhalten. |
Fangoparaffin: Bei der Herstellung von Fangoparaffin wird das gemahlene Vulkangestein mit Paraffin angereichert und dadurch zu einer wachsähnlichen Substanz. Diese wird durch Erhitzung verflüssigt und in Plattenform gegossen, wobei sie auch nach der Abkühlung ihre modellierbare, weiche Konsistenz beibehält. Fangoparaffin ist in Form von Platten erhältlich, welche an den entsprechenden Körperstellen aufgelegt werden. Nach der Anwendung von Fangoparaffin kann die verwendete Packung durch eine Erhitzung von mindestens 15 Minuten auf 130 Grad Celsius sterilisiert und mehrmals wieder verwendet werden. (maximal 30-40 Anwendungen) |
Behandlung |
| Zur therapeutischen Behandlung wird die feste, kalte Masse in speziellen Öfen auf 60 bis 70 Grad erhitzt, mit Feuchtigkeit versetzt und meist bei einer Temperatur von 50 Grad Celsius auf den Körper aufgetragen. Im Falle einer Fangopackung wird der Schlamm auf eine Dicke von ca. 2 cm ausgebreitet, in Plastikfolien, Leintücher oder Wolldecken gehüllt und auf die betreffenden Körperpartien gelegt. Üblicherweise dauert eine Wärmebehandlung mit Fango zwischen 20 und 40 Minuten, wobei die Wärme bis zu drei Zentimeter unter die Hautoberfläche vordringt und sich die Heilstoffe so im ganzen Körper ausbreiten können. Nach der Einwirkzeit wird der Fango mit warmem Wasser abgespült und es empfiehlt sich unmittelbar danach eine Entspannungsphase einzulegen, um die natürliche Reaktion des Körpers zu unterstützen. Für diese sollte man sich gut eindecken und den Köper mindestens eine halbe Stunde lang schwitzen lassen. Zur Optimierung der Heilwirkung sollte anschließend eine Massage oder eine Bewegungstherapie folgen. |
Fangobehandlung von "innen": Wie bei der Heilerde kann täglich 1 EL Fango der Nahrung beigemengt werden. Dies trägt zur Senkung von hohen Blutfettwerten bei, fördert das Aufsaugen und Ausleiten von Stoffwechselgiften und sorgt somit für eine gesunde Darmflora. |
Balneotherapie: Balneotherapie nennt man die erfolgreiche therapeutische Kombination aus Fangobehandlung, Hydrotherapie, Massagen und Bewegungstherapie. Sie dient zur Vorbeugung gegen Abnutzungserscheinungen der Gelenke, zur Verhinderung vorzeitiger Alterserscheinungen und zur Normalisierung von Funktionsstörungen. Die erfolgreiche Wirkung dieses Heilverfahrens ist wissenschaftlich bestätigt. |
Anwendungsgebiete |
| Dank der lang anhaltenden, tief reichenden und wohltuenden Wärmewirkung werden Fangobehandlungen v.a. bei der Linderung von rheumatischen Beschwerden und Muskelverspannungen (besonders im Rücken), als auch zur Besserung von chronischen Erkrankungen der Harnwege, von Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Lumbalgien, HWS-Syndrom, Osteoporose, Arthrosen etc.), von Leber- und Gallenleiden, von Ischiasbeschwerden, von Neuralgien, von Atemwegserkrankungen, sowie von gynäkologischen Beschwerden eingesetzt. Zudem wird die Durchblutung gefördert, der Stoffwechsel angeregt, das Immunsystem unterstützt und Schmerzen gelindert. Auch für Aknegeplagte und an Neurodermitis Leidende kann die Fangopackung eine Wohltat bedeuten. Ferner soll die Fangotherapie vorbeugend gegen Arthrose und Stoffwechselerkrankungen wirken, sowie entzündungshemmend sein. Der kalte Fangoschlamm ist in Form von Creme, Gel oder Kompresse erhältlich und hat eine gefäßverengende, schmerzstillende Wirkung. Meist kommt der kalte Fangoschlamm bei leichten Sportverletzungen, wie Prellungen oder Muskelzerrungen zur Anwendung. |
Wirkweise und Wirksamkeit |
| Fangobehandlungen leiten das Schwitzen auf eine sanfte Weise ein, indem sie jene Mechanismen des Körpers, welche für die Regulierung der Temperatur zuständig sind, dazu bringen, die von außen kommende Wärme durch Gefäßerweiterung abzuleiten. Dies soll zu einer Beschleunigung des Blutkreislaufes führen und entzündungshemmend wirken. Das Gewebe wird besser durchblutet, mit Nährstoffen versorgt und entspannt. Folglich kann erkranktes Gewebe schneller von Abwehrzellen erreicht und das Immunsystem gestärkt werden. Der Kombination von Wärme und Aufnahme von Heilstoffen aus dem Thermalwasser und dem Schlamm über die Haut, sowie der leichten Radioaktivität dieser Masse, wird zugeschrieben, dass sie die Zellaktivität erhöht, den Stoffwechsel beschleunigt, die Schilddrüsenfunktion anregt, den Blutzuckerspiegel senkt und sogar den Sexualhormonspiegel steigen lässt. Die Wärmewirkung fördert zudem die Dehnbarkeit von Sehnen und Bändern. Weiters wirken Mineralsalze und der neutrale bis leicht alkalischer pH-Wert des Schlamms günstig auf den Säurehaushalt der Haut und können gegebenenfalls sogar zur Linderung von Schuppenflechte beitragen. Die Fangotherapie zählt zu den bewährtesten Kuranwendungen und kann auf eine alte Tradition zurückblicken. |
Risiken und Gefahren |
| Heiße Fangokuren sind nicht geeignet bei akuten Entzündungen, Verletzungen oder Narben, bei Durchblutungsstörungen der Haut (z.B. bei Diabetes), Ödemen und bei fieberhaften Erkrankungen oder Infektionen. Da Fangopackungen einen starken Wärmereiz ausüben, wird bei Personen, die unter Venenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Herzschwäche oder Bluthochdruck) leiden oder eine Neigung zu Thrombosen aufweisen, von dieser Behandlung ebenfalls abgeraten, da die Wärmebehandlung in solchen Fällen negative Wirkungen mit sich ziehen kann. Auch bei Schwangeren oder Menschen mit niedrigem Blutdruck wird eine ärztliche Beratung vor einer Fangotherapie dringend empfohlen. |
| Letzte Aktualisierung: 09.03.2007 (Patricia Herzberger) |
| Autor: Reka Hargitay |
| Experten für diese Seite: Berhard Harrer (Komplementärmedizin) |
Quelle: surfmed; 14.12.2006, aktualisiert am 27.01.2010
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