Heilkräfte aus der Natur – das verheißt sanfte Wirkungen ohne unangenehme Begleiterscheinungen. Obwohl keine Heilpflanzen im strengen Sinn, finden deshalb auch Bach-Blüten immer mehr Anhänger. Ihr Name geht auf den englischen Arzt und Bakteriologen Dr. Edward Bach (1886–1931) zurück. Für ihn waren negative Seelenzustände, wie beispielsweise Angst, Eifersucht oder Unsicherheit, die tieferen Ursachen für körperliche und psychische Erkrankungen. Es gelte, diese Verhaltensmuster zu ändern, damit sich daraus keine Krankheiten entwickeln. „Die Anwendung von Bach-Blüten ist eine Art seelischer Gesundheitsvorsorge, weil der Mensch damit wieder ins Lot kommen kann“, ist Mechthild Scheffer überzeugt, die Anfang der 80er Jahre die Idee der Bach-Blüten in Deutschland populär machte.
Angstlöser, Notfalltropfen und Rescue Creme
Bach-Blüten – dazu zählen 38 verschiedene Essenzen – sind gruppenweise sieben unterschiedlichen Emotionen zugeordnet. So ist zum Beispiel das gelbe Sonnenröschen (Rock Rose) der Angst beigestellt, Waldtrespen- Essenz (Wild Oat) der Unsicherheit, und die Lärche (Larch) verspricht mehr Selbstvertrauen. Durch die passenden Tropfen sollen die seelischen Selbstheilungskräfte gestärkt werden. Eine Sonderstellung unter den Bach-Blüten nehmen die Notfalltropfen (Rescue Remedy) ein. Die Blüten des doldigen Milchsterns, des gelben Sonnenröschens, des Drüsen tragenden Springkrauts, der Kirschpflaume und der weißen Waldrebe sollen in Stress- und Krisensituationen helfen, etwa bei Prüfungen, bei Angst vorm Fliegen oder nach einem Familienkrach. Dieselben fünf Essenzen gibt es auch als Rescue-Creme.
Die Wirkung ist da, der Nachweis fehlt
Das Herstellungsverfahren macht keinen sonderlich wissenschaftlichen Eindruck: Frisch gepflückte Blüten werden für einige Zeit unter Sonneneinstrahlung in Quellwasser gelegt. Dabei sollen sie ihre Schwingungen als heilende Energie an das Wasser abgeben. Alkohol macht die so gewonnene „Muttertinktur“ haltbar. Dann wird diese in Konzentratfläschchen, so genannte Stock-Bottles, abgefüllt.
Können solche Essenzen wirklich eine Wirkung zeigen?
Wissenschaftler wollten es genau wissen. Prof. Edzard Ernst verabreichte gemeinsam mit einer Kollegin von der britischen Universität Exeter die Notfalltropfen Studenten unter Prüfungsstress. Die Hälfte der Studienteilnehmer nahm nach einem genau ausgearbeiteten Therapieplan Bach-Blüten-Essenzen ein, die andere Hälfte ein Scheinmittel (Placebo). Der Stress wurde vor und nach der Einnahme gemessen. Das Ergebnis: Alle Teilnehmer waren am Abend vor der Prüfung etwa gleich stark gestresst. „Wir haben aber sicherlich nicht gezeigt, dass alle Bach-Blüten-Essenzen für alle medizinischen Anwendungen unwirksam sind“, schränkt Prof. Edzard Ernst die Ergebnisse ein.
Bach-Blüten und Placebo – beide wirkten gut
Auch eine ähnliche Studie an der Universität Freiburg zeigte keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Personen, die ein Scheinmittel bekamen, und denen, die Bach-Blüten einnahmen. Interessanterweise kam es jedoch in beiden Gruppen zu einer deutlichen Verminderung der Prüfungsangst. „Meine Studenten waren von der Therapie total begeistert. Die Teilnehmer, die das wirkungslose Mittel geschluckt hatten, konnten das gar nicht glauben, weil die Angst sich ja deutlich gemindert hatte“, sagt der Diplompsychologe Dr. Harald Walach, Leiter der Arbeitsgruppe für Evaluation, Naturheilverfahren und Umweltmedizin an der Uni Freiburg. Seine Kollegin und er schließen daraus, dass Bach-Blüten-Essenzen ein wirkungsvolles Placebo bei Examensangst sind. Auch eine repräsentative Umfrage der Apotheken Umschau bescheinigt der Methode Wirkung. Immerhin die Hälfte der befragten Bach-Blüten-Nutzer gab an, dass ihnen die Essenzen zu einer nachhaltigen Besserung ihrer Beschwerden verholfen hätten.
Apotheken Umschau
Apotheken Umschau; 05.08.2005, aktualisiert am 28.06.2010
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