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Auf dem Prüfstand
Was ist dran an der Eigenurin-Therapie?

Der Gedanke, mit Urin behandelt zu werden, löst bei vielen Menschen Ekel aus. Was kann diese uralte Therapie bewirken?


Geschmackssache: Mahatma Gandhi trank ab und zu ein Glas Morgenurin um sich zu stärken

Für die einen ist es Scharlatanerie, für die anderen eine geniale Idee: die Behandlung mit Eigenurin. Damit eingeriebene Hautwunden verheilen angeblich schneller; und ins Muskelgewebe gespritzt, soll der gelbe Saft auch Allergien, Kopfschmerzen und Wechseljahresbeschwerden lindern können. Was steckt hinter dieser uralten Behandlungsmethode, die hierzulande viele Heilpraktiker anbieten? Tatsächlich ist Urin eines der ältesten Therapiemittel in der Medizin. Äußerlich angewandt wurde er schon vor über 2000 Jahren bei Wunden, Tierbissen oder Augenentzündungen.

Drei Therapie-Varianten
In der Medizin gibt es drei Anwendungsbereiche für den Eigenurin:

  1. Das Einreiben in die Haut.
    Der im Urin enthaltene Harnstoff soll Hauterkrankungen wie zum Beispiel Ekzeme schneller abheilen lassen. Harnstoff ist tatsächlich ein bewährtes Mittel gegen Hautreizungen und Hautleiden. Viele Cremes und Salben enthalten diesen Wirkstoff. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Gehalt an Harnstoff im Urin von Tag zu Tag deutlich schwankt, aber eigentlich viel zu niedrig ist, um wirken zu können.



  • Das Injizieren von sterilem Eigenurin. Dabei werden kleinste Mengen in den Körper gespritzt, meist in die Gesäßmuskulatur. Dies soll das Abwehrsystem anregen, gefäßbedingte Störungen sowie Beschwerden in den Wechseljahren zu lindern. „Führt der Arzt das Sterilisieren ordnungsgemäß durch, können Komplikationen verhindert werden“, sagt Dr. med. Friedrich Helm vom Hygiene-Institut Hamburg. Doch die Erfolge dieser Heilmethode konnten bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.



  • Die Trinkkur
    Hier wird der Mittelstrahl des Morgenurins aufgefangen und auf nüchternen Magen getrunken. Etwa ein Schnapsglas voll und einige Monate lang. Das soll die Abwehrkräfte steigern. Eine solche Trinkkur wird heute noch vor allem in fernöstlichen Ländern wie zum Beispiel Indien angewandt. Das Urintrinken gilt als unschädlich, doch wissenschaftliche Studien über die Wirksamkeit fehlen.


Eigenurin: Aus Erfahrung gut
Dennoch schwören neben Heilpraktikern auch einige naturheilkundlich tätige Ärzte auf die ungewöhnliche Behandlungsweise. Zu ihnen gehört Dr. Helmut Sauer, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin. Er hat sich auf das Injizieren von Eigenurin spezialisiert. „Eine Urinspritze wirkt relativ rasch und löst bei den Patienten auch keinen Ekel aus“, sagt Sauer. Der Urin bewirke im Körper einen Reiz, der sich günstig auf den nervlichen und hormonellen Haushalt auswirkt. Sauer behandelt mit der Urinspritze Menschen, die über Kopfschmerzen oder Migräne klagen, außerdem Allergiker sowie Frauen, die in den Wechseljahren unter Hitzewallungen, depressiven Verstimmungen oder Schlafstörungen leiden.

Nicht für jeden Patienten sinnvoll
Die Beschwerden müssen jedoch genau abgeklärt werden. „Eigenurin hilft nicht bei jedem“, sagt Sauer. „Wer beispielsweise unter einer stressbedingten Migräne leidet, dem rate ich eher zu einer anderen Behandlung. Übrigens sollte sich nach drei Injektionen das Beschwerdebild schon deutlich verbessert haben. Sonst hat die Behandlung keinen Sinn“, gibt Sauer zu bedenken.

Weitere Informationen:
Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren
Am Promenadenplatz 1
72250 Freudenstadt
Internet: www.zaen.org


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Apotheken Umschau



Apotheken Umschau; 05.08.2005, aktualisiert am 28.06.2010
Bildnachweis: W&B/Simon Katzer

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