Wir vergessen in unserer hoch technisierten Welt voller medizinischer Geräte oft die Kraft der Berührungen, das Wohltuende und Heilende fremder Hände. Dabei ist die Haut mit ihren knapp zwei Quadratmetern unser größtes Sinnesorgan: Millionen von Nervenenden melden dem Gehirn selbst den flüchtigsten Kontakt, setzen Reaktionen im gesamten Körper in Gang. Doch nicht nur das: Wer die Haut berührt, streichelt auch die Seele. Eine gute Ausgangsbasis also, um ganzheitlich den unterschiedlichen Ursachen von Schmerzen auf den Grund zu gehen und Beschwerden zu lindern oder gar zu beheben.
Körper und Seele behandeln
Die Hände des Therapeuten sind dabei fast sein einziges Werkzeug. Mit ihnen macht er sich ein Bild von dem Körper, der vor ihm liegt, sitzt oder steht. Und je nachdem, welche Methode er anwendet, kann er dann mit gezielten Griffen dem Körper Gutes tun. Unter den Händen eines Therapeuten verändern sich Körperfunktionen: Stresshormone werden abgebaut und hormonelle Abläufe harmonisiert, Herz und Kreislauf angeregt oder beruhigt. Mit speziellen Bewegungen wirkt der erfahrene Therapeut auf den gesamten Körper und erfühlt beispielsweise Blockaden. Seine Aufgabe ist es dann, diese auf seine Weise zu lösen, ebenso wie er Muskeln und Gewebe lockert und stärkt und Sehnen elastischer macht. Diese Behandlungen beeinflussen Körper, Seele und Geist und bringen somit auch die Psyche ins Gleichgewicht. Weil Menschen ebenso verschieden sind wie die gezielten Griffe der Therapeuten, stellen wir Ihnen hier fünf unterschiedliche Behandlungen vor.
Osteopathie: Den Rhythmus des Körpers erspüren
Der Name Osteopathie setzt sich aus dem griechischen „osteo“ für Knochen und „pathie“ für Leiden zusammen. Ein Osteopath ist jedoch nicht nur auf die Knochen spezialisiert, sondern behandelt den ganzen Menschen. Meistens arbeitet er auch eng mit Schulmedizinern zusammen. Dass unser Körper niemals still steht, wissen wir alle. Wussten Sie aber, dass unabhängig vom Atem und unabhängig vom Herzschlag auch unsere Schädelknochen, das Kreuzbein, die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit und sogar unsere inneren Organe in ihrem jeweils eigenen Rhythmus schwingen? Diese Erkenntnis ist sozusagen die Basis für den Osteopathen.
Wie funktioniert die Methode?
Der Osteopath kann mit seinen geschulten Händen die unterschiedlichen Rhythmen des Körpers erspüren. Fühlt er an einer Stelle eine veränderte oder fehlende Eigenbewegung, ist er dem Problem bereits auf der Spur. „Ein Mangel an Beweglichkeit im Schultergürtel etwa kann zu ganz unterschiedlichen Krankheitserscheinungen führen“, weiß der diplomierte Osteopath Rüdiger Krause aus Erfahrung. „Der eine Mensch reagiert dann mit Kopfweh, ein anderer mit Atemschwierigkeiten und ein dritter mit Schmerzen, die in die Arme ausstrahlen.“ Und nicht nur das: Möglicherweise sind die faszialen Systeme blockiert, jene fein glänzenden Häutchen an Muskeln und Organen. Blockaden oder ein falscher Zug an den Faszien des Schultergürtels können sich bis zu den unteren Rippen, zu Magen und Leber oder bis hinauf zum Hals auswirken und dann zum Beispiel Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen auslösen. Die Aufgabe des Osteopathen ist es also, in wahrer Detektivarbeit Bewegungseinschränkungen auf ihren Ursprung zurückzuverfolgen und sie dann zu lösen. Das macht er gezielt an den Schädelknochen, mit sanften und manchmal festeren Handgriffen am ganzen Körper. So hilft der Osteopath dem Körper, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Wann hilft Osteopathie?
Verspannte Muskeln, Verkrampfungen des Gewebes, Rückenschmerzen, Fehlhaltungen, Schulter- und Nackenprobleme oder die Folgen von Unfällen können
gelindert oder behoben werden, ebenso Kiefergelenkprobleme, schmerzende Narben, Schwindelzustände, Verwachsungen, Kopfschmerzen und stressbedingte Störungen. Manche Unterleibsbeschwerden lassen sich ebenfalls auf eine funktionelle Störung zurückführen und dann osteopathisch behandeln.
Risiken der Osteopathie
Akute Entzündungen haben in den Händen von Osteopathen nichts zu suchen, ebenso wenig wie Krebs- und Stoffwechselerkrankungen, etwa Gicht. Beim geringsten Zweifel besteht ein guter Osteopath auf einem medizinischen Check-up, bevor er mit seiner Behandlung beginnt.
Was kostet die Behandlung?
Eine Therapiesitzung von bis zu einer Stunde kostet 50 bis 75 Euro. Ob Ihre Krankenkasse bezahlt, sollten Sie vorher abklären.
Wo finden Sie einen Therapeuten?
Informationen über die Methode und über Therapeuten in Ihrer Nähe erhalten Sie beim
Verband der Osteopathen Deutschland e.V.
Untere Albrechtstr. 5
65185 Wiesbaden
GesundheitPro.de;
05.08.2005, aktualisiert am 28.06.2010
Bildnachweis: PhotoDisc/ RYF
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