Den zahlreichen Sinnsprüchen, Bonmots und Aphorismen zum Altwerden sei noch einer hinzugefügt: Altern gehört zum Leben wie Sattwerden zum Essen. So ließe sich einfach zusammenfassen, was die moderne Wissenschaft an Ursachen der menschlichen Vergänglichkeit gefunden hat. Auch die Erforschung von Zellbiologie, Genetik und Evolution kommt zu keinem anderen Ergebnis als dem hinlänglich thematisierten Paradoxon des Lebens: Die Prozesse in unserem Körper, die uns zu hoch entwickelten und lebensfähigen Wesen machen, sind dieselben, die uns alt werden und sterben lassen. Denn durch ihren Gebrauch nutzt der Organismus sie ab. Nur weil sie eine beschränkte Teilbarkeit und Lebensdauer aufweisen, können Zellverbände hochdifferenzierte Funktionen ausführen. Ähnliches gilt auch für das Individuum: Erst wenn es Platz für andere macht, können sich neue Lebensformen entwickeln.
Der Zahn der Lebenszeit
Anzeichen des Alterns machen sich von der Lebensmitte an bemerkbar. Dann gewinnen Abbauprozesse die Oberhand über die Regeneration.
Nach Abschluss des Wachstums, als junger Erwachsener, steht der Mensch auf dem Gipfel seiner Leistungsfähigkeit: Fruchtbarkeit, Lernfähigkeit und Muskelkraft sind hoch. Krankheiten treten nur selten auf. Verschleiß und Regeneration halten sich annähernd die Waage. Doch schon ziemlich bald beginnt dieses Verhältnis zu kippen.
Bereits ab dem 30. Lebensjahr verliert der Körper jährlich etwa 0,5 Prozent seiner Muskelmasse. Bei Frauen sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, nach dem 30. Lebensjahr deutlich. Etwa ab 40 wird der schleichende Abbau sichtbar: Falten zeigen sich, da die Haut elastische und kollagene Fasern sowie Bindegewebszellen verloren hat.
In der Lebensmitte nehmen die Veränderungen zu: Das Haar wird dünner oder ergraut, da sich weniger Zellen regenerieren. Um das 50. Lebensjahr tritt bei Frauen ein deutlicher Einschnitt auf: Mit den Wechseljahren endet ihre Fortpflanzungsfähigkeit. Die Zeugungskraft des Mannes lässt ebenfalls nach, bleibt aber grundsätzlich bis in das Alter erhalten.
Im Alter haben die Verschleißerscheinungen oft ein Ausmaß mit Krankheitswert erreicht: Knorpelabrieb führt zu Arthrose. Die abnehmende Elastizität der Gefäße begünstigt Bluthochdruck und dessen Folgeerkrankungen. Das Gehirn verliert an Masse – mit Folgen, die von verminderter geistiger Flexibilität bis zu Demenz reichen können. Auch die Sinne schwinden.
Dr. Christian Guht / Apotheken Umschau;
26.11.2010
Bildnachweis: W&B/Martin Ley, W&B/Fotolia
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