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Altern-Serie (3):
Mit Anti-Aging zur ewigen Jugend?

Dem Alter ein Schnäppchen schlagen – einer der meistgeträumten Wünsche der modernen westlichen Bevölkerung

Senior beim Hantel-Training unter blauen Himmel

Stählerne Muskeln bis ins hohe Alter? Nichts bleibt für die Ewigkeit

"Forever young" – so heißt das Lied, mit dem die Musikgruppe Alphaville in den 80er-Jahren die Charts stürmte. Kein Wunder, dass der Titel so große Begeisterung erntete. Das Thema ewige Jugend oder die definitive Unmöglichkeit des Traumes beschäftigt viele Leute. Das beginnt oft mit dem Zeitpunkt, an dem der Mensch eben grade die Grenzen jenes geliebten Lebensabschnittes überschreitet.

 

Also altern wir gemeinsam und in Würde. Es gibt ja doch kein Entkommen. Oder doch? Im fernen Amerika, genauer gesagt in Palm Springs im Sonnenstaate Kalifornien, welches auf Grund des methulasemischen Durchschnittsalters der Bewohner auch den Beinamen "Wartezimmer Gottes" trägt, kämpft eine Gruppe von betagten Junggebliebenen gegen die Zeichen der Zeit.


Im Zentrum der stählernen Silberlocken thront gottesgleich ein untersetzter Asiate. Dr. Chein ist selbsternannter Hormonspezialist und angeblicher Erfinder eines ewigen Jungbrunnens. Täglich spritzt er sich und seinen "Jüngern" einen wilden Cocktail aus Hormonen und Vitaminen. Dazu zählen unter anderem die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen, das Nebennierenhormon DHEA, das Produkt der Zirbeldrüse Melatonin und das menschliche Wachstumshormon hGH. Auf diese Weise versetzt Chein 80-Jährige auf den Hormonpegel von 18-Jährigen. Er verspricht, das Altern zu bremsen, ja die Verschleißerscheinungen der Zeit gar rückgängig zu machen. Das klingt unglaublich, irgendwie gefährlich und kostet die Teilnehmer die nicht mehr vorhandenen Haare vom Kopf.

 

Einer der Jung-Greise ist Ken. Auch sein Bauch verlor eines Tages den Kampf gegen die Gravitation, seine Männlichkeit die Oberhand. Seine Füße steckten immer öfter in Haus- als in Turnschuhen. Alles nicht ungewöhnlich für einen Mann jenseits des gesetzlichen Rentenalters. Aber Ken bekam Angst. Zu diesem Zeitpunkt hörte er von Dr. Cheins Behandlungsmethoden. Die Anhänger nennen diese ehrfürchtig "das Programm". Es versprach Ken Lebenskraft, Vitalität und Freude zurückbringen. Doch ist eine derartige Therapie wirklich so ungefährlich wie Chein behauptet? Der Endokrinologe Professor Christian Strasburger von der Charité in Berlin warnt vor unnötigen Hormonbehandlungen.

 

Vor einigen Jahren folgte der Mediziner selber einer Einladung der World Anti-Aging Academy of Medicine nach Kalifornien. Auf dem Kongress stellte Chein seine "totale Hormon-Ersatztherapie" vor. Strasburger beschreibt seine große Verwunderung als er sich im Auditorium eingeklemmt zwischen "alternden Bodybuildern und Wrestlern" wiederfand. Und nicht, wie erwartet, zwischen Medizinern und anderen wissenschaftlichen Vertretern seines Faches.

"Unsere Hormonpegel unterliegen Schwankungen. Diese sind sowohl von der Tageszeit abhängig, als auch vom Lebensalter", erklärt Strasburger. Beispielsweise produziert die Nebennierenrinde das meiste Cortisol in den frühen Morgenstunden vor unserem Aufwachen. Die höchsten Konzentrationen des menschlichen Wachstumshormons erreichen wir verständlicherweise in der Pubertät. Danach sinken sie zunächst rapide ab. Mit dem 25. Lebensjahr beginnt in der Regel der seichtere Abfall.

Bei den Geschlechtshormonen trifft es die Frauen sehr abrupt. "Mit den Wechseljahren gehen die Eierstöcke in den Ruhestand und produzieren kein Östrogen mehr", so Strasburger. Das regelt die Natur so, weil die Frage der Fortpflanzung erledigt ist. Die Männer erleben den Schritt sehr viel gemäßigter. Bei ihnen sinkt die Produktion des Geschlechtshormons ab dem 25. bis 30. Lebensjahr. Aber der Prozess ist schleichend. Ein 80-Jähriger produziert weniger Testosteron als ein 25-Jähriger. Die verminderte Produktion hat ihre Ursache in der geringeren Aktivität von Hirnanhangsdrüse und darüber liegenden Hirnanteilen (dem Hypothalamus) und nicht in verminderter Leistungsbereitschaft der Hoden. "Ein altes Auto zieht auch nicht mehr so gut wie ein neues", vergleicht Strasburger.



Sophie Kelm / GesundheitPro; 15.07.2009, aktualisiert am 16.07.2009
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