Was passiert im Körper, wenn er altert? Die Suche nach den Ursachen führt Forscher ins Innere der Zellen
Ob mit oder ohne Langlebigkeitsgen: Lebensfreude braucht keinen wissenschaftlichen Beweis
Der Schreck am Morgen: Beim Blick in den Spiegel finden wir ein graues Haar. Nun ist die Zeit der unbeschwerten Jugend endgültig vorbei, denken wir und fangen an, den Ruhestand zu planen. Und eigentlich wussten wir die ganze Zeit, dass das Alter uns nicht verschonen wird. Dabei fängt der Körper schon früh an, zu altern. Weiße Haare und Falten sind dabei nur das Resultat hoch komplexer Vorgänge, die sich in den Körperzellen abspielen. Was dabei alles passiert, wie Häupter ergrauen und warum sich Falten nicht wegcremen lassen, versuchen Wissenschaftler zahlreicher Fachrichtungen herauszufinden.
Mit mehr als 100 Theorien versuchen Forscher auf der ganzen Welt das Altern zu erklären. Eine eindeutige Antwort gibt keine von ihnen. Ob das Alter nun genetisch vorbestimmt ist, Zellen nach einer „inneren Uhr“ irgendwann einfach mit der Teilung aufhören oder ob die Umwelt schuld ist am körperlichen Verschleiß. Ein bisschen Wahrheit steckt wohl in den meisten Theorien. Was das Altern aber wirklich ausmacht, lässt sich nur schwer definieren.
Tatsächlich altert fast jede einzelne Körperzelle, indem sie nach einiger Zeit einfach aufhört, sich zu teilen. Dann stellt sie ihre Funktion ein und "stirbt" schließlich. Was diesen, von Wissenschaftlern „Seneszenz“ genannten Vorgang auslöst, sind vor allem äußere Einflüsse. Ärzte und Gesundheitsredakteure können gar nicht oft genug betonen, wie wichtig gesundes Essen, ausreichend Bewegung und Entsagung jeglicher Zellgifte wie Alkohol und Nikotin sind. Und trotzdem gibt es diese Geschichten von der 100-Jährigen die auf ihren täglichen Absacker nicht verzichten will oder dem kerngesunden, ketterauchendem Greis. Hier scheint die Umwelt wenig Einfluss zu haben.
Solche Phänomene sind zwar auf keinen Fall nachahmenswert, aber im Ansatz durchaus erklärbar. Denn es sind eben nicht nur äußere Faktoren, die bestimmen, wie alt wir werden. Frei von äußeren Einflüssen – und daher umso interessanter für die Altersfoschung – sind die Gene. Sie regulieren alle Körperfunktionen, und so wohl auch die Lebensspanne. Da jeder Mensch genetisch einzigartig ist, muss ein Hochbetagter das Geheimnis seines Alters auch in seinem Erbgutmolekülen, den DNA-Strängen, tragen.
Gene oder die Umwelt: Was lässt uns länger leben?
Das eine spezielle Langlebigkeitsgen gibt es aber höchstwahrscheinlich nicht, wie Wissenschaftler betonen. Vielmehr spielen zahlreiche genetische Faktoren zusammen und beeinflussen so Stoffwechsel, Abwehrkräfte und Gesundheit. Und wenn sich die Gene schon gegenseitig beeinflussen, dann bleibt nicht ausgeschlossen, dass auch die Umwelt die DNA kontrolliert. Allein der Gedanke an diese unzähligen möglichen Wechselwirkungen könnte uns schon altern lassen.
Wissenschaftler in Kiel und Jena sind seit langer Zeit auf der Suche nach den molekularen Grundlagen des Alterns. Sie durchforsten das Erbgut tausender Hochbetagter oder beobachten den Lebenszyklus eines kleinen Fisches. Was in ihren Laboren erforscht wird, kann in einigen Jahren die Basis für bessere Therapien – womöglich sogar Heilung – typischer Alterskrankheiten wie Alzheimer oder Diabetes sein.
Julia Lüneburg / GesundheitPro;
14.07.2009, aktualisiert am 26.06.2010
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