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Altern-Serie (1):
Japan – Werden Menschen dort älter als anderswo?

Es soll Gebiete auf der Welt geben, in denen besonders viele Hundertjährige leben. Was ist dran, an diesen Inseln der Langlebigkeit?


In Japan gibt es viele Menschen, die ein hohes Alter erreichen

Okinawa, Vilcabamba, Nuoro. Drei Orte, eine Gemeinsamkeit: Dort leben besonders viele Menschen, die die „magischen 100“ überschreiten. Angeblich zumindest. Fest steht, dass die Menschen auf der Welt immer öfter ein hohes Alter erreichen. Eine bessere medizinische Versorgung und eine gesündere Umwelt tragen wohl enorm dazu bei.

Doch gibt es Gebiete auf unserem Planeten, in denen die Menschen älter werden als anderswo? Okinawa in Japan, Vilcabamba in Ecuador und Nuoro auf Sardinien behaupten sich jedenfalls als Horte für Hundertjährige. Geschichten über uralte Einwohner, die noch geistig und körperlich fit sind, gibt es genug. Verlässliche Fakten wenige.

 



Professor Ralf-Joachim Schulz, Klinik für Geriatrie am St. Marien-Hospital, Köln

Okinawa ist eine Insel, die vor dem Südzipfel von Japan liegt. Im zweiten Weltkrieg heiß umkämpft, gehört die Insel heute zu den Hauptreisezielen der Japaner. Mildes Klima, lange Sandstrände und Ruhe locken. Viele Urlauber kommen aber auch wegen einer anderen Attraktion. Den fidelen Greisen. Nirgendwo sonst auf der Welt soll es mehr über Hundertjährige geben als auf Okinawa.

Die japanische Regierung teilte 2008 mit, dass in Japan – einem Land mit über 127 Millionen Einwohnern – etwa 36.000 Senioren leben, die 100 Jahre und älter werden. Das sind 28 pro 100.000 Einwohner. Okinawa bringt es dagegen auf 61 Hundertjährige pro 100.000 Einwohner. In Deutschland leben laut Bundespräsidialamt rund 5.500 über Hundertjährige, bei einer Bevölkerung von etwa 82 Millionen.

Die Zahlen klingen überzeugend. Trotzdem bemerkt Professor Karl-Otto Greulich vom Leibnitz-Zentrum für Altersforschung in Jena:  „So enttäuschend es klingen mag, man kann nicht absolut sicher sagen, dass zum Beispiel auf Okinawa mehr Hundertjährige leben als bei uns.“ Der Grund: Die statistischen Erhebungen sind einfach zu unterschiedlich, die prozentualen Fehler in den Zahlen zu groß.

Dennoch ist Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung weltweit. 82 Jahre alt werden die Einwohner dort im Durchschnitt. In Deutschland 79. Experten führen das hohe Alter unter anderem auf die gesunde Ernährung zurück. „Die traditionelle Ernährung besteht aus viel Fisch und allem erdenklichen Gemüse“, erklärt Professor Ralf-Joachim Schulz, Alters- und Ernährungsmediziner an der Klinik für Geriatrie am St. Marien-Hospital in Köln.

So kommen – neben Fisch – Süßkartoffeln, Reis, Tofu, Goya-Gurken, Nori, Rettich oder Spinat auf den Teller, Fleisch eher selten. Statt Salz verwenden die Japaner sehr viele Gewürze, zum Beispiel Chilli, Ingwer oder Kurkuma. Mit Fett gehen sie sparsam um. Die Lebensmittel sind reich an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen, Ballaststoffen, Spurenelementen und sekundären Pflanzenstoffen. Omega-3-Fettsäuren wirken Entzündungen entgegen und haben einen positiven Einfluss auf die Cholesterinwerte. Sekundäre Pflanzenstoffe, wie die Polyphenole, sollen vor Krebs schützen.

Zudem gibt es in der japanischen Esskultur eine goldene Regel: „Esse nur soviel, bis Dein Magen zu 80 Prozent gefüllt ist“. Also kleine Mahlzeiten und sich nie ganz“ voll essen“.

Was die Gene für eine Rolle spielen, ist derzeit noch unklar. „Es sind eher günstige Umwelteinflüsse, die einen Menschen besonders alt werden lassen“, meint Greulich. Also medizinische Versorgung, Lebensstil, etc. Eine Faustregel besagt: 30 Prozent machen die Gene aus, 70 Prozent Umgebungseinflüsse.

 

Ein Team um den US-amerikanischen Altersforscher Craig Willcox, Professor an der University of Okinawa (Japan), behauptet, dass neben gesunder Ernährung auch ein festes Familiengeflecht und viel Bewegung die Menschen auf Okinawa so alt mache.




Bildnachweis: Krankenhaus Marien-Hospital Köln, Panthermedia/Josef Muellek
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Zum Weiterlesen:

Altern-Serie (3):

Mit Anti-Aging zur ewigen Jugend?

Dem Alter ein Schnäppchen schlagen – einer der meistgeträumten Wünsche der modernen westlichen Bevölkerung »

Dr. Martina Melzer / GesundheitPro; 13.07.2009, aktualisiert am 11.08.2011
Bildnachweis: Krankenhaus Marien-Hospital Köln, Panthermedia/Josef Muellek

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