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Altern:
Die Hormonsubstitution

Den Begriff "Anti-Aging" findet Strasburger passend: "die Menschen werden wirklich nicht älter werden, sie sterben einfach früher"


Gewichte stemmen im Rentenalter. Muss das wirklich sein?

Der menschliche Körper produziert mit dem Alter immer weniger Hormone. Das ist natürlich und nicht behandlungsbedürftig. Es sei denn, die Wechseljahre nehmen einer Frau jegliche Lebensfreude. In so einem Fall muss der Arzt Nutzen und Risiken abwägen. Noch vor einiger Zeit herrschte laut Strasburger eine sogenannte "Hurra-Endokrinologie". Die Ärzte verordneten ihren menopausierenden Patientinnen die versiegten Sexualhormone, teils mit unhaltbaren Versprechungen. Und das, obwohl eigentlich schon lange bekannt war, dass die Hormone das Brustkrebsrisiko steigern.

Sie rechtfertigten die Gabe durch das angeblich sinkende Herz-Kreislauf-Risiko. Doch plötzlich bewies die englische "One-Millionen-Woman-Study" dass, entgegen der allgemeinen Überzeugung, die Hormone auch das Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko steigern. Nun blieben, neben den positiven Effekten auf das Gemüt, nur die skelettstärkenden Eigenschaften der Sexualhormone übrig. "Ein dauerhafter Schmerz auf Grund von Osteoporose rechtfertigt in den meisten Fällen eine Hormonersatztherapie", so Strasburger. Aber Achtung: Eine Frau, die ihre Gebärmutter noch hat, muss zusätzlich zu Östrogenen auch immer das Gelbkörperhormon einnehmen. Sonst riskiert sie ein Endometriumkarzinom. Die derzeitige Regel für die Östrogengabe nach den Wechseljahren lautet: So wenig Hormone wie möglich, so kurz wie nötig!


Ein weiterer Fall, der eine Hormonersatztherapie notwendig macht, ist eine Krankheit, die die Hormone zu früh versiegen lässt. Oder wenn der Körper diese erst gar nicht erst produziert. Wenn ein Kind beispielsweise durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse nicht genug hGH produziert, bliebe es ohne eine Substitution klein. Die Gabe ist selbstverständlich. Das Gleiche gilt beispielsweise bei einer ungenügenden Funktion der Schilddrüse. Auch hierbei wird der Arzt seinem Patienten die fehlenden Hormone verschreiben.

Mit 60 Jahren braucht der menschliche Körper aber keine hGH-Spitzenwerte mehr. Ganz im Gegenteil. Durch Strahlung und andere Umwelteinflüsse entwickeln sich stetig ein paar reperaturbedürftige Fehler. Normalerweise sterben die betroffenen Zellen einen vorprogrammierten Zelltod. Ist der Spiegel des von hGH regulierten Wachtumsfaktors IGF-I unnatürlich hoch, so kann er die Zellen zum Weiterleben und Wachsen animieren. Das Krebsrisiko steigt.

Aber warum fühlen sich die Amerikaner aus Dr. Cheins Programm so toll? Der Grund kann nicht körperlicher Natur sein. "Die Hormon-Ersatztherapie mit dem hGH baut zwar wirklich etwas Muskelmasse auf und schmilzt auch Fett", so Strasburger, "aber der Effekt ist rein kosmetischer Natur." Als Nebenwirkung kommt es zu Wassereinlagerungen, es folgen Gelenkbeschwerden. Außerdem fungiert hGH als natürlicher Gegenspieler des Insulins. Die Therapie kann also sogar Diabetes hervorrufen oder eine bestehende Erkrankung verschlimmern. Gefährlich, da die betroffene Zielgruppe sich mit den empfänglichen Opfern einer medizinisch bedenklichen Hormontherapie decken könnte. Außerdem steigert die Therapie, die nicht Ersatz eines Ausfalls, sondern einer Zusatzgabe über das altersentsprechend normale Niveau hinaus entspricht, das Krebsrisiko.

"Der Name Anti-Aging ist für mich Programm. Die Behandlung hindert die Leute am Älterwerden, sie sterben einfach früher!" Den einzig positiven Grund für Dr. Cheins Programm sieht Strasburger augenzwinkernd darin, dass "die alten Leute kein so schweres Portemonnaie mehr mit sich herum tragen müssen". Forever young – das Lied ist toll, der Wunsch utopisch.



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Sophie Kelm / GesundheitPro; 15.07.2009, aktualisiert am 17.08.2010
Bildnachweis: Fotolia/ Paul Moore/2009

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