Anmelden | Registrieren
Drucken

Altern:
Die Antwort aus dem Zellkern

Wie die Gene das Altern beeinflussen ist noch nicht komplett entschlüsselt. Aber dass sie eine entscheidende Rolle spielen, ist unbestreitbar


Viele Generationen, ein Gen? Vielleicht ist Langlebigkeit auch ein bißchen vererbbar

Während wir noch überlegen, ob wir die ersten weißen Haare färben, auszupfen oder einfach am Ort und Stelle lassen sollen, rattert die Altersmaschine in unseren Zellen unablässig weiter. Aber wieso läuft sie bei dem einen anscheinend schneller als beim anderen? Während manche Menschen noch lange nach dem 70. Geburtstag um die Welt reisen, Hobbies pflegen oder sich emsig im Seniorenclub engagieren, leiden einige 60-Jährige schon an typischen Altersmalaisen wie Schwerhörigkeit oder schlechten Augen.

 

Wie schon gesagt, sind es zumeist äußere Einflüsse, die bestimmen, wie alt wir werden. Forscher gehen davon aus, dass Umstände wie Ernährung, soziale Kontakte oder auch die Qualität der medizinischen Versorgung die Lebensspanne stark beeinflussen. Aber es gibt halt auch noch die Gene.


Schuld an grauen Haaren: die eigenen Gene

 

Sie steuern alle Prozesse im Körper, da verwundert es eigentlich kaum, dass sie auch bei der Lebenserwartung eine Rolle spielen. Forscher messen den kleinen chemischen Bausteinen im Zellkern immerhin einen Einfluss von 30 Prozent zu. Die Nukleinsäuren, aus denen die Gene bestehen, bilden sozusagen den Bauplan für den ganzen Körper. Nach diesem Bauplan entstehen verschiedenste Eiweiß-Bausteine oder Proteine, die wiederum ganz unterschiedliche Aufgaben im Körper erfüllen.

Dass eine dieser Aufgaben die Verlängerung des Lebens ist, glaubt Dr. Almut Nebel allerdings nicht. Die Biologin leitet die Forschungsgruppe „Gesundes Altern“ am Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel. Sie versucht herauszufinden, welche molekularen Ursachen das Altern hat. Eines steht dabei schon fest: „Ein einzelnes Gen für Langlebigkeit gibt es nicht“, erklärt Almut Nebel.

Vielmehr gibt es einzelne Varianten bestimmter Gene, die über mehrere Schritte das Alter beeinflussen. Dabei haben diese Genformen ganz unterschiedliche Funktionen, die zunächst nicht direkt mit dem Alterungsprozess zu tun haben. Trotzdem gibt es immerhin eine Variante, die auffallend oft bei sehr alten Menschen vorkommt. Die kleine chemische Veränderung in einem Gen mit dem Namen "FOXO3A" scheint tatsächlich das lange Leben der Senioren beeinflusst zu haben. Wie es das genau tut, darüber rätseln die Forscher noch. Vielleicht, so vermutet Almut Nebel, ist es an der Abwehr von zellulären Schäden beteiligt.

 


Hochbetagt dank der DNA?

 

Natürlich findet sich die FOXO3A-Variante auch bei jüngeren Menschen. Dass ihre besondere DNA sie aber 100 Jahre alt werden lässt, ist nicht garantiert. Die Chance, dank FOXO3A ein sehr langes Leben zu führen, ist für die Träger immerhin 1,4-mal größer, als für Menschen, die die Variante nicht in ihren Zellen tragen. Aber, und das betont die Biologin Nebel: "Wir sind keine Marionetten unserer Gene". Wie alt wir werden, liegt zu einem großen Teil in unseren eigenen Händen, indem wir einen gesunden Lebensstil pflegen und auf uns achten.

 

Dass auch FOXO3A keine Garantie für ein langes Leben gibt, war den Kieler Wissenschaftlern von Anfang an klar. Denn sie fahnden nicht nach Wundergenen, die den Leuten ewige Jugend versprechen. „Wir suchen nach den Grundlagen die es in Zukunft ermöglichen, altersbedingten Krankheiten besser vorbeugen zu können“, sagt Almut Nebel ein. Vielmehr geht es ihr darum, die molekularen Mechanismen des Alterns zu verstehen. Sind die irgendwann einmal vollständig erforscht, hat das auch für die Medizin weitreichende Folgen. Mithilfe einer Genanalyse könnten Ärzte dann schon frühzeitig das Risiko für Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes ermitteln und vorbeugende Therapien entwickeln.

 

Und auch die Alterserscheinungen, die keiner Behandlung bedürfen, werden erforscht: Wissenschaftler der Universität Mainz fanden nun heraus, warum Haare ergrauen. Der chemische Stoff Wasserstoffperoxid „bleicht“ die Haare, indem es die Bildung des Farbpigments Melanin behindert. Das würde auch schon in jungen Jahren passieren, gäbe es nicht ein bestimmtes Enzym, welches das Wasserstoffperoxid – chemisch H2O2 genannt – ständig neutralisiert und damit unschädlich macht. Mit zunehmendem Alter bildet der Körper immer weniger von diesem Enzym. Folglich sammelt sich H2O2 in den Zellen und färbt die Haare grau. Der Mechanismus ist nun bekannt, nach der genetischen Ursache weißer Häupter suchen die Forscher aber weiterhin.

 

Um noch besser zu verstehen, was einen Menschen alt werden lässt, suchen die Kieler Wissenschaftler weiterhin nach Personen, die 98 Jahre oder älter sind. Bislang haben Almut Nebel und ihre Kollegen das genetische Material von annähernd 3000 Hochbetagten gesammelt und in einer speziellen Datenbank gespeichert. Auf der Internetseite der Forschungsgruppe „Gesundes Altern“ rufen sie Senioren auf, sich an der Studie zu beteiligen und so zum Wissen über die Geheimnisse des Alterns beizutragen.

 



  1. 1
  2. 2
  3. 3

Julia Lüneburg / GesundheitPro; 14.07.2009, aktualisiert am 26.06.2010
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
BABY und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung